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"Soldier Fields" erweckt Chicago aus seiner Football-Depression

  • Aktualisiert: 23.06.2021
  • 11:49 Uhr
  • ran / Rainer Nachtwey
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© imago
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Es schien bei den Bears alles den Bach runterzugehen. Wieder einmal. Nach dem Draft von Justin Fields herrscht in Chicago jedoch Aufbruchstimmung wie lange nicht mehr. Selbst der verhasste Nummer-1-Quarterback hat bei den Fans plötzlich ein besseres Standing.

München/Chicago - Soldier Fields.

Kaum dass die Chicago Bears Justin Fields gedraftet hatten, war der neue Spitzname des Quarterbacks in Anlehnung an das Stadion der Bears in den sozialen Netzwerken allgegenwärtig.

Mittlerweile sind schon T-Shirts, Tassen, einfach alles - die üblichen Merchandising-Produkte eben - zu kaufen.

In Chicago ist nicht nur rund um das Soldier Field das Fields-Fieber ausgebrochen. "Mit Justin Fields beginnt eine neue Ära in Chicago", titelte die "Chicago Tribune".

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Von der Trennung von dem einstigen Quarterback-Versprechen Mitch Trubisky bis zum NFL-Draft und der Verpflichtung von Fields - die Wendung, die die Geschichte der Chicago Bears in diesen wenigen Monaten nahm, ist außergewöhnlich.

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Football-Depression bei R.E.M.s "Everybody hurts"

Die Football-Depression, in die Chicago verfiel, gipfelte in der Bekanntgabe von General Manager Ryan Pace, dass Andy Dalton der neue Starting Quarterback wird.

Wie sehr Chicago litt, zeigte der Bears-Podcast "Hoge & Jahns", der User-Stimmen sammelte und sie mit den melodramatischen Klängen von R.E.M.s "Everybody hurts" unterlegte. "Es tut einfach nur weh. Alles. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe" ist noch das Harmloseste. Etliche weggepiepte Beschimpfungen Daltons oder auch des GMs, die Depression schlug schon fast in Hass um.

Die Saison schien verloren, ehe sie begann.

Um dem 10-Millionen-Deal für Dalton noch die Krone aufzusetzen und den QB im Cap Space unterzubringen, trennte sich Pace von dem bei den Fans hoch angesehenen Cornerback Kyle Fuller, der mit seinem krachenden Hit gegen den späteren Champion Tampa Bay Buccaneers trotz Playoffsteilnahme für das Highlight der vergangenen Saison gesorgt hatte.

Als dann auch noch der Trademarkt für Fanliebling Akiem Hicks sondiert wurde, ... Chicago war dem Football-Suizid nahe.

Alle Augen auf Justin Fields

Dann die Worte von NFL-Commissioner Roger Goodell, die die am Boden liegende Fanbase auferstehen ließen: "Die New York Giants haben ihren 11. Pick zu den Chicago Bears getradet. Chicago ist jetzt am Zug."

Wie groß die Aufregung dabei war, zeigte Robert Mays, der während eines Live-Podcasts zu Jubelstürmen hingerissen wurde. Eigentlich objektiver Gastgeber von "The Athletic Football Show" ließ der jahrelange Bears-Fan seiner Freude freien Lauf. "Das ist nicht wahr?!? Die Bears haben sich nach oben getradet. Justin Fields ist zu haben."

Nun ist dieser Justin Fields gefordert. Der Druck lastet auf ihm. Noch nie waren die Erwartungen der Stadt an einen Quarterback so groß. Nicht bei Rex Großman in den frühen 2000ern, nicht bei Jay Cutler in den späten 2000ern, frühen 2010ern. Auch nicht bei Trubisky.

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Justin Fields: Bears-Hoffnung trifft den richtigen Ton

Beim Draft war er in aller Munde, weil die Chicago Bears hochtradeten und eine Menge für seine Dienste zahlten. Jetzt zeigte sich Justin Fields erstmals auf dem Feld.

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Jubelstürme im Baseball-Stadion wegen des NFL-Drafts

Wie unterschiedlich die Haltung der Stadt zwischen Trubisky und Fields ist, zeigen die Besuche der beiden bei diversen Sportveranstaltungen. Als Trubisky nach seinem Draft 2017 bei den Chicago Bulls auf der Videotafel eingeblendet wurde, erklangen ein Pfeifkonzert und Buhrufe im United Center.

In dem Moment, als Fields gedraftet wurde, brach während des Spiels der Chicago White Sox gegen die Detroit Tigers auf den Rängen Jubel aus und Fans applaudierten. Die verwirrten Baseballer wussten gar nicht, was vor sich ging.

Und als Fields nach dem Draft dem zweiten Chicagoer Baseball Team Cubs einen Besuch abstatte, und auf der Videowall erschien, kam es zu Standing Ovations.

Bears schwärmen von Mentalität und Können

Nun muss Fields liefern. Und die Eindrücke nach den ersten Trainingseinheiten lassen Journalisten, Fans, aber auch die Verantwortlichen schwärmen.

"Er tritt mit dieser 'Herz-auf-dem-Feld-lassen'-Mentalität auf", beschreibt Head Coach Matt Nagy seinen neuen Rohdiamanten. Auch Teamkollege und Passempfänger Darnell Mooney steigt in die Schwärmerei ein: "Als er mir einen tiefen Ball zugeworfen hat, musste ich während der Route lächeln, einfach nur wie der Ball durch die Luft flog und wie er ihn platzierte."

Zwar leistet sich der Spielmacher von der Ohio State noch Fehler, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten überstrahlen diese aber. Selbst die kritischsten Kritiker kritisieren ihn nur selten. Und auch Coach Nagy und Andy Dalton spielen mit.

Zwei fallengelassene Snaps - der Center wird getauscht. Einer Interception folgt ein herausragender Pass, den Nagy übersieht, Dalton ist da, um den Spielzug des Rookies zu würdigen.

Mit dem Draft von Fields ist auch das Standing von Dalton in der Fanbase gestiegen. In ihm sehen die Bears-Anhänger mittlerweile den Mentor, der maximal zu Saisonbeginn startet, vielleicht ein, zwei Spiele, wenn überhaupt.

Starter-Rolle vorerst noch bei Dalton

Auch wenn Coach Nagy noch andere Vorstellungen hat und vorerst weiter betont, dass Dalton aktuell seine Nummer 1 auf der Quarterback-Position sei. Betonung auf aktuell.

Es halten sich allerdings auch Spekulationen um das Kansas-City-Chief-Modell, als Patrick Mahomes hinter Alex Smith ein ganzes Jahr lernte - zumal Nagy zu jener Zeit Offensive Coordinator bei den Chiefs war.

Dem Hype um Fields tut dies keinen Abbruch. Seine Trikots verkaufen sich landesweit mit am besten. Alle drei, das blaue, das orangene Alternativ- und das weiße Jersey finden sich in den Top 5 der Verkaufschart wieder.

Und da sind die "Soldier Fields"-T-Shirts und Tassen nicht inbegriffen.

Rainer Nachtwey

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