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Die Lakers und das Kobe-Dilemma

  • Aktualisiert: 05.12.2013
  • 16:34 Uhr
  • ran.de/David Donocik
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© getty
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Die Los Angeles Lakers gehen in der NBA einer ungewissen Zukunft entgegen. Dass Superstar Kobe Bryant dem 16-maligen Meister treu bleibt, ist mehr Fluch als Segen.

Los Angeles  - Eine Pressekonferenz vom 6. Mai 2011 mag nicht mehr aktuell sein, doch für die Los Angeles Lakers dokumentiert sie zweieinhalb Jahre danach jenes Dilemma, das die Lakers in naher Zukunft daran hindern wird, eine weitere Meisterschaft zu feiern.

Der besagte Termin findet unmittelbar nach dem dritten Play-off-Spiel der Lakers gegen Dirk Nowitzki und die Dallas Mavericks statt. Die Mavs führen deutlich 3:0 nach Siegen, doch Kobe diktiert den Reportern folgende Worte in die Notizblöcke:

"Ich glaube immer noch, dass wir die Serie gewinnen werden. Ich mag krank im Kopf sein oder verrückt, aber ich glaube daran." Die Serie geht 0:4 verloren.

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Problem eines Alpha-Tiers

Dieses Zitat ist stellvertretend für den eisernen Willen, den wohl kein anderer NBA-Spieler in diesem Ausmaß verkörpert wie die Nummer 24 der Lakers. Es ist keine übliche Plattitüde, Bryant glaubt immer an das Maximum. Diese Einstellung ist jedoch Segen und Fluch zugleich für Los Angeles.

Denn so sehr sich der mittlerweile 35-jährige für die Lakers zerreißt und der Kopf der Franchise ist, so sehr schränkt Kobes Alpha-Attitüde das Management ein.

Kobe glaubt offenbar, die Lakers alleine zu weiterem Ruhm führen zu können. Daher bleibt er bei den Vertragsverhandlungen hart. 

So hat Bryant vor wenigen Wochen einen neuen Zweijahresvertrag unterzeichnet, der ihm ab Sommer 2014 satte 48,5 Millionen Dollar einbringt. Damit bleibt er der bestbezahlte Spieler der NBA. Der Deal spaltet Fans und Experten.

Zum einen wird der 1,98-Meter-Mann von den Fans in L.A. vergöttert. Bryant ist die Ikone der Lakers und hat einen noch höheren Stellenwert als die Klub-Legenden Magic Johnson und Kareem Abdul-Jabbar. Auf der anderen Seite halten viele Experten Bryants Gehalt für zu hoch. Der MVP von 2008 muss erst beweisen, ob er auch noch im hohen Alter an beiden Enden des Feldes dominieren kann, was nach seinem Achillessehnenriss zumindest angezweifelt werden darf. Sein Comeback wird demnächst erwartet.

Lakers brauchen weitere Stars

Durch die Regeln des Salary-Cap, der Gehaltsobergrenze, dürfen NBA-Teams nur 58,67 Millionen Dollar jährlich an ihre Spieler ausschütten, ohne Luxus-Steuer zu berappen. Doch Bryant alleine (24,25 Millionen im nächsten Jahr) bekommt mehr als ein Drittel der Zahlungen.

Der Umstand, dass Bryant nicht auf mehr Geld verzichten wollte, schmälert die Chancen auf weitere Titel. Denn in einer Liga voller Superstars reicht ein Kobe längst nicht mehr aus, um ganz vorne mitzuspielen. Die Lakers brauchen aber dringend neue Spieler, um den hohen Ansprüchen zu genügen. Und im nächsten Sommer tummelt sich reichlich Qualität auf dem Markt.

An vorderster Stelle muss der beste Spieler der Welt genannt werden, Lebron James. Der Small Forward vom Meister Miami Heat, dessen Vertrag 2014 ausläuft, wird immer wieder mit den Lakers in Verbindung gebracht.

Auch Carmelo Anthony von den New York Knicks wird 2014 Free-Agent sein. Der NBA-Top-Scorer der letzten Saison betont zwar, dass er sich zwar in seiner Heimatstadt wohlfühlt. Doch Anthony will im Sommer seinen Marktwert testen. Außerdem stehen seine Knicks in dieser Saison so schlecht da wie lange nicht mehr (drei Siege, 13 Niederlagen).

Aufgrund von Bryants Mega-Gehalt dürfte in der nächsten Saison keiner der genannten Stars in L.A. seine Zelte aufschlagen und damit die Chance auf eine Meisterschaft gegen null gehen.

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Zu schlecht für den Titel, zu gut für die Draft 

Denn mit zahlreichen Durchschnittsspielern wie dem Deutschen Chris Kaman, dem dauerverletzten Steve Nash und dem inkonstanten Pau Gasol ist in der starken Western Conference wohl maximal die erste Play-off-Runde drin. Selbst wenn Kobe explodieren sollte.

Auch im sehr hoch eingeschätzten nächsten Draft-Jahrgang dürfte kein Rookie für die Lakers abfallen, der L.A. auf ein höheres Niveau hievt. Denn für einen hohen Platz in der Draft sind die Lakers nicht schlecht genug (neun Siege, neun Niederlagen).

So bleiben die Lakers für die nächsten zwei Jahre das Team von Kobe Bryant, jenem erfolgsbesessenen Bryant, der "krank im Kopf sein mag, aber immer an das Maximum glaubt." Das heißt allerdings im Umkehrschluss auch: Alpha-Dog statt Titelaspirant.


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