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Wintersport Eishockey

Legende an der Pfeife: Jupp Kompalla wird 90

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© IMAGO/SID

Es gab eine Zeit in Deutschland, in der man es als Eishockey-Schiedsrichter zur nationalen Berühmtheit bringen konnte. Zumindest, wenn man Josef Kompalla hieß. Wer an irgendeinem Sonntag in den 70ern oder 80ern die Sportschau einschaltete, kam an "Jupp", wie ihn alle Welt nannte, nicht vorbei. Der gebürtige Oberschlesier, der die Unzahl von 2019 Spielen pfiff, stets ohne Helm, mit wehendem dunklen Haar und Walross-Schnäuzer, wird am Freitag 90 Jahre alt.

"Eishockey ist mein Leben", sagte Kompalla gerne. Und sein Leben im schwarz-weißen Schiri-Dress quoll - anders als seine überschaubare Spieler-Karriere - über von großen, mitunter historischen Momenten.

Drei Olympische Spiele, 15 Weltmeisterschaften, Spiele in 48 Ländern - als Eishockey-Referee ist der in Kattowitz geborene und 1958 nach Krefeld übergesiedelte Kompalla zur Legende geworden. Er leitete das entscheidende Spiel der Summit Series 1972 zwischen den NHL-Stars aus Kanada und der "roten Maschine" aus der Sowjetunion, obwohl er von den Kanadiern als "inkompetent" abgelehnt worden war.

Beim legendären Iswestija-Cup in Moskau war Kompalla dagegen beliebter, dort pfiff der seit Schulzeiten des Russischen mächtige Referee ebenso regelmäßig wie bei den Weltmeisterschaften der 70er und 80er Jahre oder bei Olympia 1976, 1980 und 1984 - und wurde nicht nur in Deutschland das Gesicht der Eishockey-Schiedsrichter.

Diese zweite Karriere hatte eher durch Zufall begonnen. In einem Schiedsrichterlehrgang war ein Platz frei, "ich habe mich breitschlagen lassen", erzählte er später. 1992 legte er die Pfeife weg, inzwischen hatte es seine Tochter Nicole zur ersten Eishockey-Schiedsrichterin im Männerbereich gebracht.

Bis 2003 blieb Kompalla senior seiner Sportart als Schiedsrichterbeauftragter treu. Seinen Abschied feierte er im ganz großen Rahmen: Vor 78.000 Zuschauern in der Schalker Arena leitete er vor dem WM-Auftaktspiel 2010 ein Oldie-Spiel zwischen Russland und Deutschland. Und noch im hohen Alter ist Jupp Kompalla hin und wieder Zuschauer bei seinen Krefeld Pinguinen.

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