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FC Bayern München: Keine Weiterentwicklung unter Thomas Tuchel? Das sagen die Zahlen

<strong>Keine Weiterentwicklung? Das sagen die Zahlen</strong><br>Thomas Tuchel wurde zuletzt häufig kritisiert. Insbesondere Lothar Matthäus und Dietmar Hamann avancierten zu Chefkritikern des FC Bayern – bis die Situation in Dortmund eskalierte. Ein Stichwort, das den Trainer so richtig auf die Palme zu bringen schien, war "Weiterentwicklung". Die habe unter ihm gefehlt, behaupteten Matthäus und Hamann.
Keine Weiterentwicklung? Das sagen die Zahlen
Thomas Tuchel wurde zuletzt häufig kritisiert. Insbesondere Lothar Matthäus und Dietmar Hamann avancierten zu Chefkritikern des FC Bayern – bis die Situation in Dortmund eskalierte. Ein Stichwort, das den Trainer so richtig auf die Palme zu bringen schien, war "Weiterentwicklung". Die habe unter ihm gefehlt, behaupteten Matthäus und Hamann.
© MIS
<strong>Hatten die Kritiker Recht?</strong><br>Mittlerweile hat sich alles beruhigt und Tuchel hat wieder gute Laune. Die Münchner sind erfolgreich. Mit etwas Abstand zur Debatte lohnt es sich jedoch, auf die Zahlen zu schauen: Gibt es unter Tuchel eine Weiterentwicklung im Vergleich zur vergangenen Saison – oder hatten die Kritiker doch Recht?
Hatten die Kritiker Recht?
Mittlerweile hat sich alles beruhigt und Tuchel hat wieder gute Laune. Die Münchner sind erfolgreich. Mit etwas Abstand zur Debatte lohnt es sich jedoch, auf die Zahlen zu schauen: Gibt es unter Tuchel eine Weiterentwicklung im Vergleich zur vergangenen Saison – oder hatten die Kritiker doch Recht?
© 2023 Getty Images
<strong>Statistiken gesammelt<br><em>ran</em></strong> hat Statistiken gesammelt – für die zwölf Pflichtspiele ab der Übernahme von Tuchel in der vergangenen Saison und für die 18 Partien in der aktuellen Spielzeit. Abgezogen wird das Supercup-Spiel gegen RB Leipzig. Außerdem fehlen die Pokalspiele in mancher Statistik, weil die jeweilige Quelle keine Daten zur Verfügung stellt.
Statistiken gesammelt
ran
hat Statistiken gesammelt – für die zwölf Pflichtspiele ab der Übernahme von Tuchel in der vergangenen Saison und für die 18 Partien in der aktuellen Spielzeit. Abgezogen wird das Supercup-Spiel gegen RB Leipzig. Außerdem fehlen die Pokalspiele in mancher Statistik, weil die jeweilige Quelle keine Daten zur Verfügung stellt.
© 2023 Getty Images
<strong>Punkte, Tore und Gegentore</strong><br>Diese Daten sind frei verfügbar – und waren von Beginn an das große Argument gegen die Kritik der fehlenden Weiterentwicklung. Als Tuchel iübernahm, holte er bis zum Ende nur <strong>1,67 Punkte</strong> pro Spiel. Sein Team schoss <strong>1,83 Tore und kassierte 1,42</strong> pro 90 Minuten. In dieser Spielzeit gibt es eine klare Verbesserung: <strong>2,61 Punkte, 3,23 Tore und 0,94 Gegentore</strong> pro Spiel.
Punkte, Tore und Gegentore
Diese Daten sind frei verfügbar – und waren von Beginn an das große Argument gegen die Kritik der fehlenden Weiterentwicklung. Als Tuchel iübernahm, holte er bis zum Ende nur 1,67 Punkte pro Spiel. Sein Team schoss 1,83 Tore und kassierte 1,42 pro 90 Minuten. In dieser Spielzeit gibt es eine klare Verbesserung: 2,61 Punkte, 3,23 Tore und 0,94 Gegentore pro Spiel.
© Eibner
<strong>Expected Goals ("Opta"-Daten via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Diese Statistik misst, wie viele Tore und Gegentore anhand der jeweiligen Chancen wahrscheinlich gewesen wären. Dafür nutzt das Modell verschiedene Parameter. Anschließend wird der Abschluss mit sehr vielen anderen vergleichbaren Schüssen in der Datenbank verglichen und so eine Tor-Wahrscheinlichkeit errechnet.
Expected Goals ("Opta"-Daten via "FBref", ohne Pokal)
Diese Statistik misst, wie viele Tore und Gegentore anhand der jeweiligen Chancen wahrscheinlich gewesen wären. Dafür nutzt das Modell verschiedene Parameter. Anschließend wird der Abschluss mit sehr vielen anderen vergleichbaren Schüssen in der Datenbank verglichen und so eine Tor-Wahrscheinlichkeit errechnet.
© Laci Perenyi
<strong>Expected Goals (Ohne Pokal)</strong><br>Auch diese Statistik spricht klar für Tuchel. Erreichten die Bayern unter ihm in der vergangenen Saison noch <strong>2,25 Expected Goals</strong> pro Spiel, stehen sie jetzt bei einem beeindruckenden Wert von <strong>2,71</strong>. Gleichzeitig scheint man defensiv stabiler zu sein. <strong>1,17 Gegentore</strong> waren im Saisonendspurt der abgelaufenen Spielzeit pro Partie wahrscheinlich, jetzt sind es <strong>0,91</strong>.
Expected Goals (Ohne Pokal)
Auch diese Statistik spricht klar für Tuchel. Erreichten die Bayern unter ihm in der vergangenen Saison noch 2,25 Expected Goals pro Spiel, stehen sie jetzt bei einem beeindruckenden Wert von 2,71. Gleichzeitig scheint man defensiv stabiler zu sein. 1,17 Gegentore waren im Saisonendspurt der abgelaufenen Spielzeit pro Partie wahrscheinlich, jetzt sind es 0,91.
© Jan Huebner
<strong>Abschlüsse ("Opta" via "FBref")</strong><br>Da Tore und Expected Goals signifikant mit Abschlüssen zusammenhängen, verwundert es nicht, dass das Tuchel-Team auch hier Fortschritte verzeichnet hat. <strong>17,42 Abschlüsse</strong> pro Spiel standen <strong>9,17 des Gegners</strong> gegenüber, nachdem der 50-Jährige übernommen hatte. In der aktuellen Saison sind es <strong>19,06 zu 8,94</strong>.
Abschlüsse ("Opta" via "FBref")
Da Tore und Expected Goals signifikant mit Abschlüssen zusammenhängen, verwundert es nicht, dass das Tuchel-Team auch hier Fortschritte verzeichnet hat. 17,42 Abschlüsse pro Spiel standen 9,17 des Gegners gegenüber, nachdem der 50-Jährige übernommen hatte. In der aktuellen Saison sind es 19,06 zu 8,94.
© Lackovic
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Interessant hingegen: Schaut man auf einige allgemeine Statistiken, die die grobe Spielweise eines Teams charakterisieren, ist zunächst mal wenig Veränderung zwischen den beiden Saisons zu erkennen. Der durchschnittliche Ballbesitzwert ist in etwa gleich (<strong>von 63,08 Prozent zu 62,44 Prozent</strong>).
Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)
Interessant hingegen: Schaut man auf einige allgemeine Statistiken, die die grobe Spielweise eines Teams charakterisieren, ist zunächst mal wenig Veränderung zwischen den beiden Saisons zu erkennen. Der durchschnittliche Ballbesitzwert ist in etwa gleich (von 63,08 Prozent zu 62,44 Prozent).
© Eibner
<strong>Konstante Werte</strong><br>In beiden Datensätzen gab es genau ein Drittel an Spielen, in denen die Bayern unter 60 Prozent Ballbesitz hatten. Auch die Anzahl der abgefangenen Bälle (<strong>8,5 zu 7,83</strong>) und die Tacklings im Angriffsdrittel (<strong>2,36 zu 2,25</strong>) sind nahezu gleich.
Konstante Werte
In beiden Datensätzen gab es genau ein Drittel an Spielen, in denen die Bayern unter 60 Prozent Ballbesitz hatten. Auch die Anzahl der abgefangenen Bälle (8,5 zu 7,83) und die Tacklings im Angriffsdrittel (2,36 zu 2,25) sind nahezu gleich.
© 2023 Getty Images
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Selbst die Verteilung des Ballbesitzes auf dem Spielfeld ist ähnlich. <strong>29,12 Prozent aller Ballkontakte</strong> verzeichneten die Bayern in der letzten Saison unter Tuchel im Abwehrdrittel, <strong>45,64 Prozent</strong> im Mittelfeld und <strong>25,42 Prozent</strong> im Angriffsdrittel. Und jetzt: <strong>28,81 Prozent, 45,30 Prozent und 25,88 Prozent</strong>. Keine Weiterentwicklung also?
Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)
Selbst die Verteilung des Ballbesitzes auf dem Spielfeld ist ähnlich. 29,12 Prozent aller Ballkontakte verzeichneten die Bayern in der letzten Saison unter Tuchel im Abwehrdrittel, 45,64 Prozent im Mittelfeld und 25,42 Prozent im Angriffsdrittel. Und jetzt: 28,81 Prozent, 45,30 Prozent und 25,88 Prozent. Keine Weiterentwicklung also?
© Mika Volkmann
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref")</strong><br>Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Denn die Zahlen könnten auch so interpretiert werden, dass Tuchel seine Idee schnell umsetzte. Dass die Bayern nun erfolgreicher sind, könnte am Faktor Sicherheit liegen. "Der Glaube wächst", erklärte der Trainer nach dem 1:0 in Köln. Die leicht gestiegene Passquote (<strong>85,55 zu 86,63 Prozent</strong>) spricht für die These.
Spielweise ("Opta" via "FBref")
Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Denn die Zahlen könnten auch so interpretiert werden, dass Tuchel seine Idee schnell umsetzte. Dass die Bayern nun erfolgreicher sind, könnte am Faktor Sicherheit liegen. "Der Glaube wächst", erklärte der Trainer nach dem 1:0 in Köln. Die leicht gestiegene Passquote (85,55 zu 86,63 Prozent) spricht für die These.
© Mika Volkmann
<strong>Spielweise: Weniger "Harakiri"</strong><br>Tuchel setzt von Beginn an darauf, das Risiko zu minimieren und das Spiel der Münchner zu stabilisieren. Dass der Ansatz immer gleich blieb, könnte hier und da den Eindruck der fehlenden Weiterentwicklung verstärkt haben. In Köln spielten die Münchner nicht spektakulär, Tuchel aber lobte die Kontrolle und dass es kein "Harakiri" gab.
Spielweise: Weniger "Harakiri"
Tuchel setzt von Beginn an darauf, das Risiko zu minimieren und das Spiel der Münchner zu stabilisieren. Dass der Ansatz immer gleich blieb, könnte hier und da den Eindruck der fehlenden Weiterentwicklung verstärkt haben. In Köln spielten die Münchner nicht spektakulär, Tuchel aber lobte die Kontrolle und dass es kein "Harakiri" gab.
© Laci Perenyi
<strong>Spielweise: Weniger Hurra, mehr Kontrolle?</strong><br>Unter Flick und Nagelsmann spielten die Bayern häufig aufregender, weil offensiver in der Ausrichtung. Das sorgte für Action in beiden Strafräumen. Tuchel mag es ruhiger. "Wir waren sehr flüssig im Aufbauspiel, sehr variabel und trotzdem immer sehr diszipliniert auf unseren Positionen", lobte er in Köln. Weniger Hurra-Fußball und mehr Kontrolle?
Spielweise: Weniger Hurra, mehr Kontrolle?
Unter Flick und Nagelsmann spielten die Bayern häufig aufregender, weil offensiver in der Ausrichtung. Das sorgte für Action in beiden Strafräumen. Tuchel mag es ruhiger. "Wir waren sehr flüssig im Aufbauspiel, sehr variabel und trotzdem immer sehr diszipliniert auf unseren Positionen", lobte er in Köln. Weniger Hurra-Fußball und mehr Kontrolle?
© Laci Perenyi
<strong>Spielweise (understat.com, Bundesliga)</strong><br>Eine klare Veränderung im Laufe der Zeit gibt es dann aber doch noch beim Blick auf die Zahlen: Die Bayern pressen weniger aggressiv. Der Wert "PPDA" (Passes per defensive action) gibt an, wie viele Pässe ein Team in der gegnerischen Hälfte zulässt, ehe eine Defensivaktion erfolgt.
Spielweise (understat.com, Bundesliga)
Eine klare Veränderung im Laufe der Zeit gibt es dann aber doch noch beim Blick auf die Zahlen: Die Bayern pressen weniger aggressiv. Der Wert "PPDA" (Passes per defensive action) gibt an, wie viele Pässe ein Team in der gegnerischen Hälfte zulässt, ehe eine Defensivaktion erfolgt.
© Team 2
<strong>Höheres Pressing unter Flick und Nagelsmann</strong><br>Unter Flick und Nagelsmann lag dieser stets bei <strong>ungefähr acht Pässen im Schnitt</strong> – teilweise sogar darunter. Ein sehr niedriger Wert, der nur mit viel Pressingdruck möglich ist. Als Tuchel übernahm, veränderte er daran nur schrittweise etwas. Mit <strong>8,46 Pässen</strong> lag er noch in Reichweite zu seinen Vorgängern.
Höheres Pressing unter Flick und Nagelsmann
Unter Flick und Nagelsmann lag dieser stets bei ungefähr acht Pässen im Schnitt – teilweise sogar darunter. Ein sehr niedriger Wert, der nur mit viel Pressingdruck möglich ist. Als Tuchel übernahm, veränderte er daran nur schrittweise etwas. Mit 8,46 Pässen lag er noch in Reichweite zu seinen Vorgängern.
© Sven Simon
<strong>Spielweise: Weniger hohes Pressing</strong><br>Mittlerweile erlauben die Bayern ihren Gegnern aber durchschnittlich <strong>11,18 Zuspiele in deren Hälfte</strong>, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Man steht häufiger etwas tiefer und dementsprechend geordnet, statt ständig vorne zu pressen. Und das macht sich auch offensiv bemerkbar.
Spielweise: Weniger hohes Pressing
Mittlerweile erlauben die Bayern ihren Gegnern aber durchschnittlich 11,18 Zuspiele in deren Hälfte, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Man steht häufiger etwas tiefer und dementsprechend geordnet, statt ständig vorne zu pressen. Und das macht sich auch offensiv bemerkbar.
© 2023 Getty Images
<strong>Spielweise: Mehr Konter ("WhoScored", Bundesliga)</strong><br>In der gesamten vergangenen Saison erzielten die Bayern in der Bundesliga nur <strong>vier Kontertore</strong>. Nach zwölf Spieltagen sind es insgesamt <strong>sechs</strong>. Defensive stabiler, vorne situativ mehr Räume – Bayern eine Kontermannschaft? Der Mix macht es. Mit 109 hohen Ballgewinnen kommt der FCB immer noch auf den zweithöchsten Wert hinter Leverkusen (114).
Spielweise: Mehr Konter ("WhoScored", Bundesliga)
In der gesamten vergangenen Saison erzielten die Bayern in der Bundesliga nur vier Kontertore. Nach zwölf Spieltagen sind es insgesamt sechs. Defensive stabiler, vorne situativ mehr Räume – Bayern eine Kontermannschaft? Der Mix macht es. Mit 109 hohen Ballgewinnen kommt der FCB immer noch auf den zweithöchsten Wert hinter Leverkusen (114).
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<strong>Spielweise ("understat.com")</strong><br>Tuchel legt Wert auf Stabilität und Ruhe. Er will eine Mischung aus Tempo und Dynamik einerseits sowie Ruhe und Positionstreue andererseits finden. Das scheint immer besser zu funktionieren – und stärkt auch den Spielaufbau. Im Schnitt spielen die Münchner mittlerweile <strong>einen Pass mehr pro 90 Minuten</strong> in der eigenen Hälfte, ehe eine Defensivaktion des Gegners erfolgt.
Spielweise ("understat.com")
Tuchel legt Wert auf Stabilität und Ruhe. Er will eine Mischung aus Tempo und Dynamik einerseits sowie Ruhe und Positionstreue andererseits finden. Das scheint immer besser zu funktionieren – und stärkt auch den Spielaufbau. Im Schnitt spielen die Münchner mittlerweile einen Pass mehr pro 90 Minuten in der eigenen Hälfte, ehe eine Defensivaktion des Gegners erfolgt.
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<strong>FC Bayern München: Weiterentwicklung unter Tuchel?</strong><br>Zahlen bilden nie die komplette Wahrheit ab. In einem Sport wie Fußball, der durch extrem viele Zufälle geprägt wird, lässt sich keine objektive Aussage über "Weiterentwicklung" treffen. Die Bewertung bleibt immer subjektiv. Klar ist mit Blick auf Zahlen und den bisherigen Saisonverlauf aber, dass Tuchel sehr viele Argumente auf seiner Seite hat.
FC Bayern München: Weiterentwicklung unter Tuchel?
Zahlen bilden nie die komplette Wahrheit ab. In einem Sport wie Fußball, der durch extrem viele Zufälle geprägt wird, lässt sich keine objektive Aussage über "Weiterentwicklung" treffen. Die Bewertung bleibt immer subjektiv. Klar ist mit Blick auf Zahlen und den bisherigen Saisonverlauf aber, dass Tuchel sehr viele Argumente auf seiner Seite hat.
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<strong>Keine Weiterentwicklung? Das sagen die Zahlen</strong><br>Thomas Tuchel wurde zuletzt häufig kritisiert. Insbesondere Lothar Matthäus und Dietmar Hamann avancierten zu Chefkritikern des FC Bayern – bis die Situation in Dortmund eskalierte. Ein Stichwort, das den Trainer so richtig auf die Palme zu bringen schien, war "Weiterentwicklung". Die habe unter ihm gefehlt, behaupteten Matthäus und Hamann.
<strong>Hatten die Kritiker Recht?</strong><br>Mittlerweile hat sich alles beruhigt und Tuchel hat wieder gute Laune. Die Münchner sind erfolgreich. Mit etwas Abstand zur Debatte lohnt es sich jedoch, auf die Zahlen zu schauen: Gibt es unter Tuchel eine Weiterentwicklung im Vergleich zur vergangenen Saison – oder hatten die Kritiker doch Recht?
<strong>Statistiken gesammelt<br><em>ran</em></strong> hat Statistiken gesammelt – für die zwölf Pflichtspiele ab der Übernahme von Tuchel in der vergangenen Saison und für die 18 Partien in der aktuellen Spielzeit. Abgezogen wird das Supercup-Spiel gegen RB Leipzig. Außerdem fehlen die Pokalspiele in mancher Statistik, weil die jeweilige Quelle keine Daten zur Verfügung stellt.
<strong>Punkte, Tore und Gegentore</strong><br>Diese Daten sind frei verfügbar – und waren von Beginn an das große Argument gegen die Kritik der fehlenden Weiterentwicklung. Als Tuchel iübernahm, holte er bis zum Ende nur <strong>1,67 Punkte</strong> pro Spiel. Sein Team schoss <strong>1,83 Tore und kassierte 1,42</strong> pro 90 Minuten. In dieser Spielzeit gibt es eine klare Verbesserung: <strong>2,61 Punkte, 3,23 Tore und 0,94 Gegentore</strong> pro Spiel.
<strong>Expected Goals ("Opta"-Daten via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Diese Statistik misst, wie viele Tore und Gegentore anhand der jeweiligen Chancen wahrscheinlich gewesen wären. Dafür nutzt das Modell verschiedene Parameter. Anschließend wird der Abschluss mit sehr vielen anderen vergleichbaren Schüssen in der Datenbank verglichen und so eine Tor-Wahrscheinlichkeit errechnet.
<strong>Expected Goals (Ohne Pokal)</strong><br>Auch diese Statistik spricht klar für Tuchel. Erreichten die Bayern unter ihm in der vergangenen Saison noch <strong>2,25 Expected Goals</strong> pro Spiel, stehen sie jetzt bei einem beeindruckenden Wert von <strong>2,71</strong>. Gleichzeitig scheint man defensiv stabiler zu sein. <strong>1,17 Gegentore</strong> waren im Saisonendspurt der abgelaufenen Spielzeit pro Partie wahrscheinlich, jetzt sind es <strong>0,91</strong>.
<strong>Abschlüsse ("Opta" via "FBref")</strong><br>Da Tore und Expected Goals signifikant mit Abschlüssen zusammenhängen, verwundert es nicht, dass das Tuchel-Team auch hier Fortschritte verzeichnet hat. <strong>17,42 Abschlüsse</strong> pro Spiel standen <strong>9,17 des Gegners</strong> gegenüber, nachdem der 50-Jährige übernommen hatte. In der aktuellen Saison sind es <strong>19,06 zu 8,94</strong>.
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Interessant hingegen: Schaut man auf einige allgemeine Statistiken, die die grobe Spielweise eines Teams charakterisieren, ist zunächst mal wenig Veränderung zwischen den beiden Saisons zu erkennen. Der durchschnittliche Ballbesitzwert ist in etwa gleich (<strong>von 63,08 Prozent zu 62,44 Prozent</strong>).
<strong>Konstante Werte</strong><br>In beiden Datensätzen gab es genau ein Drittel an Spielen, in denen die Bayern unter 60 Prozent Ballbesitz hatten. Auch die Anzahl der abgefangenen Bälle (<strong>8,5 zu 7,83</strong>) und die Tacklings im Angriffsdrittel (<strong>2,36 zu 2,25</strong>) sind nahezu gleich.
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref", ohne Pokal)</strong><br>Selbst die Verteilung des Ballbesitzes auf dem Spielfeld ist ähnlich. <strong>29,12 Prozent aller Ballkontakte</strong> verzeichneten die Bayern in der letzten Saison unter Tuchel im Abwehrdrittel, <strong>45,64 Prozent</strong> im Mittelfeld und <strong>25,42 Prozent</strong> im Angriffsdrittel. Und jetzt: <strong>28,81 Prozent, 45,30 Prozent und 25,88 Prozent</strong>. Keine Weiterentwicklung also?
<strong>Spielweise ("Opta" via "FBref")</strong><br>Das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Denn die Zahlen könnten auch so interpretiert werden, dass Tuchel seine Idee schnell umsetzte. Dass die Bayern nun erfolgreicher sind, könnte am Faktor Sicherheit liegen. "Der Glaube wächst", erklärte der Trainer nach dem 1:0 in Köln. Die leicht gestiegene Passquote (<strong>85,55 zu 86,63 Prozent</strong>) spricht für die These.
<strong>Spielweise: Weniger "Harakiri"</strong><br>Tuchel setzt von Beginn an darauf, das Risiko zu minimieren und das Spiel der Münchner zu stabilisieren. Dass der Ansatz immer gleich blieb, könnte hier und da den Eindruck der fehlenden Weiterentwicklung verstärkt haben. In Köln spielten die Münchner nicht spektakulär, Tuchel aber lobte die Kontrolle und dass es kein "Harakiri" gab.
<strong>Spielweise: Weniger Hurra, mehr Kontrolle?</strong><br>Unter Flick und Nagelsmann spielten die Bayern häufig aufregender, weil offensiver in der Ausrichtung. Das sorgte für Action in beiden Strafräumen. Tuchel mag es ruhiger. "Wir waren sehr flüssig im Aufbauspiel, sehr variabel und trotzdem immer sehr diszipliniert auf unseren Positionen", lobte er in Köln. Weniger Hurra-Fußball und mehr Kontrolle?
<strong>Spielweise (understat.com, Bundesliga)</strong><br>Eine klare Veränderung im Laufe der Zeit gibt es dann aber doch noch beim Blick auf die Zahlen: Die Bayern pressen weniger aggressiv. Der Wert "PPDA" (Passes per defensive action) gibt an, wie viele Pässe ein Team in der gegnerischen Hälfte zulässt, ehe eine Defensivaktion erfolgt.
<strong>Höheres Pressing unter Flick und Nagelsmann</strong><br>Unter Flick und Nagelsmann lag dieser stets bei <strong>ungefähr acht Pässen im Schnitt</strong> – teilweise sogar darunter. Ein sehr niedriger Wert, der nur mit viel Pressingdruck möglich ist. Als Tuchel übernahm, veränderte er daran nur schrittweise etwas. Mit <strong>8,46 Pässen</strong> lag er noch in Reichweite zu seinen Vorgängern.
<strong>Spielweise: Weniger hohes Pressing</strong><br>Mittlerweile erlauben die Bayern ihren Gegnern aber durchschnittlich <strong>11,18 Zuspiele in deren Hälfte</strong>, ehe eine Defensivaktion erfolgt. Man steht häufiger etwas tiefer und dementsprechend geordnet, statt ständig vorne zu pressen. Und das macht sich auch offensiv bemerkbar.
<strong>Spielweise: Mehr Konter ("WhoScored", Bundesliga)</strong><br>In der gesamten vergangenen Saison erzielten die Bayern in der Bundesliga nur <strong>vier Kontertore</strong>. Nach zwölf Spieltagen sind es insgesamt <strong>sechs</strong>. Defensive stabiler, vorne situativ mehr Räume – Bayern eine Kontermannschaft? Der Mix macht es. Mit 109 hohen Ballgewinnen kommt der FCB immer noch auf den zweithöchsten Wert hinter Leverkusen (114).
<strong>Spielweise ("understat.com")</strong><br>Tuchel legt Wert auf Stabilität und Ruhe. Er will eine Mischung aus Tempo und Dynamik einerseits sowie Ruhe und Positionstreue andererseits finden. Das scheint immer besser zu funktionieren – und stärkt auch den Spielaufbau. Im Schnitt spielen die Münchner mittlerweile <strong>einen Pass mehr pro 90 Minuten</strong> in der eigenen Hälfte, ehe eine Defensivaktion des Gegners erfolgt.
<strong>FC Bayern München: Weiterentwicklung unter Tuchel?</strong><br>Zahlen bilden nie die komplette Wahrheit ab. In einem Sport wie Fußball, der durch extrem viele Zufälle geprägt wird, lässt sich keine objektive Aussage über "Weiterentwicklung" treffen. Die Bewertung bleibt immer subjektiv. Klar ist mit Blick auf Zahlen und den bisherigen Saisonverlauf aber, dass Tuchel sehr viele Argumente auf seiner Seite hat.

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