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Der neue Boss an der Säbener Straße

Oliver Kahn: Die perfekte Lösung für den FC Bayern München

  • Aktualisiert: 20.11.2019
  • 08:38 Uhr
  • ran.de/Thomas Gaber
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© getty
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Die Zeit von Uli Hoeneß in München ist abgelaufen, der Verein stellt sich in der Führung neu auf. Obwohl er seine Arbeit noch nicht aufgenommen hat, ist Oliver Kahn schon jetzt der neue starke Mann. Und der Titan dreht bereits an der derzeit wichtigsten Stellschraube: der Suche nach dem neuen Cheftrainer.

München - Oliver Kahn konnte sich zurücklehnen. Er musste nicht einmal sprechen, um Jubel und Zuspruch von allen Seiten zu ernten. Kahns bloße Anwesenheit genügte, um als Gewinner des Abends hervorzugehen.

Ob Uli Hoeneß, der eigentliche Star der Veranstaltung, Karl-Heinz Rummenigge oder die Fans, die der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München vergangenen Freitag beiwohnten – alle überhäuften Kahn mit Lobhudeleien. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, die unterschiedlichen Redner hätten es nötig, sich beim Titan einzuschleimen.

Natürlich bekam Hoeneß als scheidender Präsident und Mr. FC Bayern des letzten halben Jahrhunderts minutenlang Applaus, garniert mit dem Gassenhauer "Uli – du bist der beste Mann".

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Viel Kredit für Oliver Kahn

Doch nicht minder laut wurde es in der Münchner Olympiahalle, als Hoeneß im ersten Teil seiner Abschiedsrede folgenden Satz von sich gab: "Ich darf den zukünftigen Vorstand der FC Bayern München AG, Oliver Kahn, hier herzlich begrüßen."

Klar, auch Franck Ribery, Arjen Robben oder Giovane Elber, allesamt Lieblinge der Bayern-Anhängerschaft, wurde zugejubelt, bei Kahn war aber alles intensiver. Egal, wer es mit dem FC Bayern München gut meint – Oliver Kahn ist der Mann, dem alle uneingeschränkt vertrauen.

Kein Funktionär vor ihm startete seinen Job - Kahn wird ab 01.01.2020 Mitglied des Vorstands und ab 01.01.2022 Vorsitzender des Gremiums - beim deutschen Rekordmeister mit derart vielen Vorschusslorbeeren und derart viel Kredit wie die langjährige Nummer eins.

Alle Vorrausetzungen für den Chef-Posten

Von 1994 bis 2008 stand Kahn beim FC Bayern zwischen den Posten und prägte eine äußerst erfolgreiche Ära mit dem Gewinn der Champions League 2001 nach 25-jähriger Durststrecke als Höhepunkt.

Doch seine sportliche Reputation allein macht aus Kahn noch keinen erstklassigen Funktionär, erst recht nicht in einer so wichtigen Position wie der des Vorstandsvorsitzenden bei einem der größten Fußballvereine der Welt.

Kahn bringt jedoch alle Vorrausetzungen mit, die es in diesem Job benötigt, um erfolgreiche Arbeit abzuliefern: Kontakte, Emotionalität, aber auch Sachlichkeit, Eloquenz und Glaubwürdigkeit.

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Glaubwürdigkeit bei den Superstars

"Mir gefällt Olivers Entwicklung nach der Spieler-Karriere. Er hat sich als Experte im Fernsehen fantastisch entwickelt, ein Fernstudium in Betriebswirtschaft gemacht und eine Firma gegründet. Wir haben hier jemanden, der den Fußball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen. Das reizt uns so", sagte Hoeneß schon im April dieses Jahres.

Er habe festgestellt, dass bei Kahn viel zusammen komme - die Fußball-Vergangenheit, die Bayern-DNA, die Beliebtheit bei den Fans und das Wirtschaftsverständnis. Und so sei Kahn die "perfekte Lösung", ergänzte Hoeneß.

Speziell seine Erfolge als Spieler bewertet Hoeneß als dickes Plus für Kahn. "Es ist ganz wichtig, wenn du mit einem Franck Ribery, einem Joshua Kimmich, Robert Lewandowski oder Leroy Sané diskutierst, dass sie dir abnehmen, wie man einen Ball stoppt", so Hoeneß.

Kommunikation ist Kahns große Stärke

In der jüngeren Vergangenheit waren die Bayern-Bosse böse abgestraft worden in Sachen Kommunikation. Die berühmte Pressekonferenz im Oktober 2018 (Stichwort Grundgesetz, Artikel I) geriet zur einer der peinlichsten öffentlichen Veranstaltung in der Geschichte des Vereins und an den rhetorischen Darbietungen von Sportdirektor Hasan Salihamidzic scheiden sich seit dessen Amtsantritt die Geister.

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Selbst auf der JHV wurde in den abschließenden Wortmeldungen die alte Leier vom "unglücklichen Auftreten" des Sportdirektors thematisiert.

Auch hier soll Kahn Abhilfe schaffen. Soviel ist sicher: Salihamidzic wird ab Januar aus der Schusslinie genommen und Kahn des Öfteren an seiner Stelle die öffentlichen Schlachten schlagen. Eloquent war Kahn schon in jungen Jahren als Spieler, die nötige Sachlichkeit hat er sich als "ZDF"-Experte und gern gebuchter Veranstaltungsredner angeeignet. 

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Kahn an der Trainersuche beteiligt

Offiziell gehört Kahn dem FC Bayern erst ab Januar 2020 an. Doch die Chefetage bindet ihn bereits in wichtige Themen ein, alles andere wäre auch höchst naiv. Ein Thema überstrahlt beim FC Bayern derzeit alle anderen: die Suche nach dem neuen Cheftrainer. 

Kahn hat klare Vorstellungen, welcher Fußball in München künftig gespielt werden soll.

"Die Zeiten sind vorbei, wo es bei Bayern München gereicht hat, irgendwie Spiele zu gewinnen und irgendwie Meister zu werden. Der Fußball hat sich dahingehend weiterentwickelt, dass es schon auch Spektakel ist. Die Zuschauer die heute ins Stadion kommen, wollen ja auch ein attraktives Fußballspiel sehen - warum sollen sie sonst kommen?", sagte Kahn vor kurzem im Rahmen einer Veranstaltung seiner Firma "Goalplay".

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Neuer Trainer soll eine Ära pärgen

Die Philosophie des FC Bayern sei es, dominant und attraktiv nach vorne zu spielen, erklärte Kahn - und "dass man da Dinge erkennen kann, was das technische Niveau, was die Geschwindigkeit anbelangt, die man bei anderen Mannschaften so nicht sieht."

Kahn betonte, dass der neue Bayern-Trainer diese Philosophie mittragen müsse. Zudem setzt der neue starke Mann auf Kontinuität auf der Trainerposition. "Es muss darum gehen, einen Trainer zu finden, der eine Ära prägen kann", so Kahn.
Geht es nach den noch aktuellen Bayern-Bossen, muss der neue Trainer auch die Fähigkeit besitzen, aus dem Reservoir an hauseigenen Nachwuchsspielern nach langer Zeit mal wieder eine echte Verstärkung für die Profimannschaft hochzuziehen.

Einer, der perfekt in dieses Anforderungsprofil passt, ist Erik ten Hag. Der Niederländer hat Ajax Amsterdam seit seinem Amtsantritt im Dezember 2017 wiederbelebt und mit vielen jungen Spielern und erfrischendem Offensivfußball die holländische Eredivisie und die Champions League aufgemischt.

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Rummenigge: "Titan rostet nicht"

Aus Kahns Umfeld ist zu hören, dass ten Hag, der von 2013 bis 2015 die zweite Mannschaft des FC Bayern betreute, auch dessen erklärter Topfavorit sein soll. Zudem machte sich Kahn offenbar intern für die Verpflichtung von Leroy Sané stark.
Kahn dreht im Hintergrund bereits an ein paar wichtigen Stellschrauben. Er wird die Zukunft des FC Bayern München maßgeblich mitbestimmen, auch schon als "einfaches" Vorstandsmitglied.

"Oliver Kahn war auf dem Platz unser Titan und Sie wissen ja: Titan rostet nicht. Von daher können wir uns auf einiges gefasst machen - oder die anderen 17 Bundesligavereine", sagte Karl-Heinz Rummenigge auf der JHV.

Es folgte ein weiteres Mal tosender Beifall.

Thomas Gaber

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