Champions league
Bayer Leverkusen - Fernando Carro exklusiv: "Haben mehr Qualität im Kader, als wir gezeigt haben"
- Veröffentlicht: 27.01.2026
- 22:43 Uhr
- Martin Volkmar
Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro spricht bei ran über das schwache Abschneiden in der Champions League, Playoffs um die Meisterschaft und Xabi Alonsos Zukunft.
Von Martin Volkmar und Bent Mildner
Hoher Besuch bei ProSiebenSat1 und ran. Kurz nachdem die "Sport Bild" Fernando Carro in die Top 10 ihrer jährlichen Liste der "50 Mächtigsten im deutschen Fußball" eingeordnet hatte, hielt der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen am Unternehmenssitz einen Vortrag über seine Karriere zwischen Wirtschaft und Sport und die Gründe für den Erfolg mit Bayer Leverkusen.
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Dabei zeigte sich der 61-Jährige im vertraulichen Gespräch noch ein weniger offener als danach im Interview, wo Carro aber auch klare Aussagen zum wichtigen letzten Champions-League-Spiel der Rheinländer am Mittwoch gegen Villarreal (ab 21 Uhr im ran-Liveticker), zur Bayern-Dominanz in der Bundesliga und zu Ex-Coach Xabi Alonso machte.
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ran: Herr Carro, wie bewerten Sie als DFL-Führungsmitglied das enttäuschende Abschneiden der Bundesligisten am vergangenen Champions-League-Spieltag?
Fernando Carro: Dreimal zu verlieren ist kein gutes Zeichen und auch für die Punktewertung schlecht. Wir wollen den fünften Champions-League-Platz bekommen, dafür müssen wir mit der Bundesliga unter den Top Zwei sein. Das war in der Woche nicht gut.
ran: Bayer Leverkusen hat sich letztes Jahr sehr stark direkt fürs Achtelfinale qualifiziert. Jetzt wird es noch einmal sehr eng. Villarreal ist das nächste Heimspiel. Sie setzen wahrscheinlich auf Sieg, oder?
Carro: Wenn wir gewinnen, sind wir sicher durch. Bei einem Unentschieden müssen wir noch bangen. Deshalb müssen wir auf Sieg spielen und auch gewinnen. Mit zwölf Punkten sind wir dann durch.
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ran: Sie kennen sich im spanischen Fußball ja sehr gut aus. Wie schätzen Sie Villarreal ein?
Carro: Villarreal ist Vierter in der Liga und national dieses Jahr sehr stark. Überraschenderweise haben sie bisher nur einen Punkt in der Champions League geholt, das hat mich überrascht. Sie sind stärker als ihre Punkteausbeute und haben nichts mehr zu verlieren. Solche Spiele können gefährlich werden. Es wird schwierig, aber wir müssen zeigen, dass es für uns um etwas geht, dass wir gierig sind und dass kein Weg am Sieg vorbeiführt.
ran: Sie hatten letztes Jahr einen starken Endspurt, dann einen Fehlstart ins neue Jahr. Wie wollen Sie jetzt den Turnaround schaffen? Was muss passieren?
Carro: Die Spieler müssen einfach zeigen, was sie können – von der ersten Minute an da sein, aggressiv, gierig, ehrgeizig. Wir haben zuletzt oft früh Gegentore bekommen, dann läufst du immer hinterher. Ich bin sicher, wir haben mehr Qualität im Kader, als wir gezeigt haben. Das müssen wir jetzt zeigen.
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ran: Xabi Alonso wurde bei Real Madrid überraschend schnell entlassen. Sie haben vergangenes Jahr lange um ihn gekämpft. Fühlen Sie sich im Nachhinein bestätigt, dass er besser bei Bayer geblieben wäre?
Carro: Nein. Am Ende trifft Xabi diese Entscheidung selbst. Wenn Real Madrid ruft, kann man das nachvollziehen. Mir tut es leid, dass Real Madrid seine Trainerqualität nur sechs Monate genießen konnte – das finde ich schade.
ran: Sie stehen sicher noch in Kontakt. Er wurde jetzt schon in Frankfurt und natürlich in Liverpool gehandelt. Was denken Sie, wie es bei Xabi Alonso weitergeht?
Carro: Das kann ich für ihn nicht beurteilen. Aber ich glaube, wenn, dann macht er erst im Sommer etwas und nicht mitten in der Saison. Ich bin mir sicher, dass er viele Angebote haben wird und dann muss er entscheiden, was er machen will. Und da bin ich mir sicher, dass er gute Entscheidungen treffen wird.
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ran: Eine Frage an Sie als Mitglied des FC Barcelona, aber auch als führender Funktionär im deutschen Fußball: Marc-André ter Stegen ist gewechselt, um Richtung WM die Nummer eins zu werden. Wie bewerten Sie das?
Carro: Ich würde mich freuen, wenn er jetzt bei Girona regelmäßig spielt und dann auch bei der WM dabei ist. Aber das muss Julian Nagelsmann am Ende mit Rudi Völler entscheiden. Ich glaube, dass sie klare Ansagen gemacht haben. Wer zur WM will, soll regelmäßig spielen – das gilt für alle, auch für Marc-Andre ter Stegen.
ran: Könnten Sie sich als Spanier eigentlich vorstellen, noch einmal in La Liga als CEO zu arbeiten, oder gehen Sie eher bei Bayer Leverkusen in Rente?
Carro: Ich bin bei Bayer Leverkusen sehr glücklich – deshalb gehe ich vom Letzteren aus.
ran: Ihr Vorgänger Wolfgang Holzhäuser hat angesichts der Dominanz des FC Bayern schon vor Jahren Playoffs um die Meisterschaft vorgeschlagen. Wie stehen Sie dazu?
Carro: Ich habe das Thema oft mit Rudi Völler diskutiert. Wir waren uns beide einig, dass wir beide keine Freunde von Playoffs sind.
ran: Schadet diese deutliche Vorherrschaft von Bayern München generell der Bundesliga aus Ihrer Sicht?
Carro: Eine spannende Liga ist für die internationale Vermarktung und den Ruf der Bundesliga natürlich besser. Was Bayern angeht: Die zur Verfügung stehenden Ressourcen sind nun mal wesentlich höher, aber wir haben als Bayer 04 auch schon gezeigt, dass es möglich ist, sie hinter uns zu lassen. Ich glaube, alle Vereine müssen noch härter arbeiten, mutig, innovativ und schlau sein - und jede sich bietende Chance nutzen, den Bayern das Leben schwer zu machen.
ran: Sie haben mehrere Jahre mit Rudi Völler bei Bayer zusammengearbeitet. Wie gut tut er jetzt der deutschen Nationalmannschaft?
Carro: Ich bin sicher subjektiv, weil wir einen engen Kontakt haben. Ich finde, dass Rudi dem Fußball immer guttut, egal in welcher Funktion. Bei Bayer Leverkusen war das sensationell und auch beim DFB stellt er die richtigen Weichen und hat die richtige Rolle, so dass die Erfolgschancen mit ihm auch steigen. Ich hoffe, dass sich die deutsche Mannschaft bei der WM gut präsentiert. Ich würde mich natürlich über ein Endspiel Spanien gegen Deutschland freuen.
ran: Und wem drücken Sie dann die Daumen?
Carro: Das werde ich dann entscheiden, nicht jetzt. Es wird mir schwerfallen. Spanien ist mein Heimatland, aber durch all meine Jahre hier bin ich Deutschland schon sehr nah.