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Kießling gibt die Antwort auf dem Platz

  • Aktualisiert: 24.10.2013
  • 18:34 Uhr
  • SID
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© SID-FIRO
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Der Druck war enorm: Auf Stefan Kießling prasselte in den vergangenen Tagen nach seinem Phantom-Tor jede Menge ein. Doch gegen Schachtjor Donezk ließ der Angreifer von Bayer 04 Leverkusen mit zwei "echten" Toren wieder Taten sprechen.

Leverkusen - Bei seinen beiden Toren behielt Stefan Kießling "den Ball diesmal bis zum Schluss im Auge". Beide Male kam er zu dem Ergebnis: "Der war drin." Mit zwei diesmal absolut regulären Treffern war der "Phantomtor"-Schütze beim 4:0 (1:0) von Bayer Leverkusen gegen Schachtjor Donezk der überragende Mann. Bei seiner Gala auf europäischer Bühne gab der Bundesliga-Torschützenkönig eine beeindruckende Antwort auf die Schmähungen und Vorwürfe der letzten Tage.

Als er nach 75 Minuten mit schmerzendem Fuß, aber einem verschmitzten Lächeln den Platz verließ, die Zuschauer sich von ihren Sitzen erhoben und die Stadion-Regie spontan Händels Hallelujah-Choral einspielte, habe er ein "Gänsehaut-Feeling" gehabt, berichtete der 29-Jährige am Donnerstagmittag. Nach fast einer Woche des Zweifelns und Haderns sprudelte es regelrecht aus ihm heraus.

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Völler zieht den "Hut" vor Kießling

Die letzten Wochen seien "nicht immer einfach gewesen", sagte er nach einem "perfekten Abend" und dem höchsten Champions-League-Sieg in der Geschichte des Finalisten von 2002: "Es kam immer etwas Neues dazu. Die Nationalmannschaft, dann die Verletzung und nun diese neue Baustelle." Er meinte natürlich das Phantomtor: "Aber ich hoffe, dass es jetzt in die richtige Richtung geht."

Wie er die Diskussionen verarbeitete, nötigte seinem Sportchef Rudi Völler höchsten Respekt ab. "Hut ab vor Stefan! Er hat bewiesen, was für ein harter Kerl er ist", sagte dieser nach dem Sieg durch Tore von Kießling (22./72.), Simon Rolfes (50., Foulelfmeter) und Sidney Sam (57.). Freilich habe er, so ergänzte auch Völler schmunzelnd, "erst mal genau hingeschaut, ob der Ball auch richtig drin war".

Plädoyer für "Kieß"

Vor dem Anpfiff wurde Kießling durch ein meterlanges Plakat ("Stefan Kießling - Kämpfer, Identifikationsfigur und Persönlichkeit") ermutigt, bei der Auswechslung wurde er euphorisch gefeiert.

Auch die Mannschaft hatte uneingeschränkt hinter dem Torjäger gestanden, dem in den letzten Tagen so mancher Experte öffentlich mangelndes Fair Play vorgeworfen hatte. Es sei "viel auf ihn eingeprasselt", berichtete Völler. "Was Kieß in den letzten Tagen schlucken musste, ist nicht schön und war auch nicht berechtigt", meinte Torhüter Bernd Leno.

"Es war nicht einfach für ihn, aber jetzt hat er es allen gezeigt", sagte Sam. Und auch Simon Rolfes hielt ein flammendes Plädoyer für seinen Kollegen. "Der Druck auf ihn war ungemein hoch. Aber so, wie ihn manche nach dem Hoffenheim-Spiel hingestellt haben, ist er nicht", sagte der Bayer-Kapitän: "Er ist ein superfairer Spieler - und viel besser als gegen Donezk geht es nicht."

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Leverkusen zeigt Größe

Die Diskussion um das Phantomtor "hat uns alle genervt", erzählte derweil Leno. Doch im Endeffekt kann die unangenehme Geschichte für Bayer sogar positive Folgen haben. "Das Gute an solch einer Geschichte ist ja, dass alle zusammenstehen, dass einer dem anderen hilft", meinte Völler: "Die Größe einer Mannschaft zeigt sich, wenn mal ein bisschen Gegenwind kommt."

Größe zeigt auch Bayer in der Diskussion über ein mögliches Wiederholungsspiel. Völler verwies darauf, dass Bayer das Urteil des DFB-Sportgerichts am Montag in keiner Weise beeinflussen werde. "Wir werden keinen Anwalt mitnehmen, weil wir das nicht brauchen und auch nicht wollen", sagte er dem SID und kündigte an: "Das, was entschieden wird, werden wir anstandslos akzeptieren." Gleichwohl wehrt sich der 53-Jährige dagegen, "dass es in den letzten Tagen teilweise so rüberkam, als seien wir die bösen Jungs. Wir haben nichts getan."

In der Champions League hat der Bundesliga-Dritte derweil Kurs auf das Achtelfinale genommen. Durch den Sieg vom Mittwoch verdrängte Bayer den ukrainischen Meister vom begehrten zweiten Platz. Ein Unentschieden am 5. November in Donezk, und die Tür zur K.o.-Runde steht sperrangelweit offen. "Wir wollten diesen zweiten Platz. Jetzt müssen wir ihn verteidigen", erklärte Rolfes.


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