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EM 2024 in Deutschland

EM-Organisator Philipp Lahm exklusiv: "Deutsche Mannschaft ist wieder eine Einheit mit den Fans"

  • Aktualisiert: 10.07.2024
  • 10:45 Uhr
  • Martin Volkmar
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EM-Boss Philipp Lahm spricht bei ran über seine bisherige Bilanz als Gastgeber und die Rückkehr der DFB-Auswahl Europas Spitze.

Von Martin Volkmar und Bent Mildner

Philipp Lahm kommt überpünktlich zum vereinbarten Interview-Termin mit ran in der Münchner Arena.

Auch nach sechs Jahren Vorbereitung und intensiven vier Wochen der Heim-Europameisterschaft wirkt der Turnierdirektor voller Elan.

Nur eine kleine Fliege stört den Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 2014 und lässt sich lange nicht abschütteln.

Doch Lahm ist auch davon nicht aus dem Konzept zu bringen und zieht im Gespräch ein erstes Fazit der EM, spricht über die Fans, die Sicherheit, das Bahnproblemen sowie über das Abschneiden der deutschen Mannschaft.

Und er äußert sich, wie es nach dem Turnier für ihn weitergeht.

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Das Wichtigste zur EM 2024 in Kürze

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ran: Lothar Matthäus hat vor der EM bei uns gesagt, für eine Fußballnation wie Deutschland ist ein Ausscheiden im Viertelfinale eine Enttäuschung. Sie haben zumindest immer gesagt, dass das deutsche Abschneiden maßgeblich für die Stimmung bei diesem Turnier sein wird. Wie fällt jetzt Ihre Bewertung aus?

Philipp Lahm: Man kann im Viertelfinale gegen Spanien ausscheiden und dennoch einen sehr, sehr guten Eindruck im Turnier hinterlassen haben. Die Art und Weise ist ja immer das Entscheidende. Und ich finde, da hat die Mannschaft es einfach geschafft, dass man wieder eine Einheit mit den Fans ist. Natürlich hätten wir uns alle gewünscht, dass sie bis zum Ende beim Turnier dabei sind. Aber ich glaube, so mit erhobenem Haupt kann man auch ausscheiden.

EM 2024: Lahms EM-Fazit? Zusammenhalt in ganz Europa

ran: Eine Frage, die bei allen Fans seit Freitag diskutiert, ist das vermeintliche Handspiel von Marc Cucurella. War das für Sie als Ex-Profi ein Elfmeter?

Lahm: Ich hätte gepfiffen, wenn ich ehrlich bin. Aber ich kann auch ein bisschen verstehen, wenn man es nicht pfeift. Und es wurde schon immer übers Handspiel diskutiert. Ich glaube, es wird auch in der Zukunft immer weiter diskutiert werden, weil es eben nicht ganz klar und nicht ganz einfach ist, da eine klare Regel hinzubekommen, was denn Absicht und was es vielleicht nicht ganz Absicht ist. Aber an sich ist es immer noch ein Spiel. Einer gewinnt und das war dann eben letzte Woche Spanien.

ran: Trotzdem hat Julian Nagelsmann die Mannschaft wieder an die europäische Spitze zurückgeführt. Das sah vor einem dreiviertel Jahr ganz anders aus. Wie sehen Sie das, was jetzt passiert ist?

Lahm: Erst mal war es wichtig, dass man jetzt wieder eine Mannschaft sieht und ein Gerüst. Das ist in den letzten Jahren ein bisschen verloren gegangen. Und ich denke, dass man darauf aufbauen kann. Aber man ist immer nur so gut, wie es das Turnier sagt. Und da war man im Viertelfinale, also unter die besten acht Mannschaften. Jetzt muss man die Mannschaft vorbereiten auf die Nations League, aber vor allem mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2026. Dass man da eine schlagkräftige Mannschaft hat, die dann auch erfolgreich spielen wird.

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© ran.de/Martin Volkmar

ran: Wichtig war die Stimmung in Deutschland, auch wegen des Erfolgs der deutschen Mannschaft. Und Julian Nagelsmann hat gesagt, dass das vorbildhaft sein kann, dass man mehr gemeinsam denkt, weniger egoistisch. Würden Sie sich dem anschließen, gerade auch aus Ihrer Perspektive als Turnier-Organisator?

Lahm: Man hat ja gesehen, was hier in Deutschland passiert ist. Es war wieder das erste Mal, dass viele zu uns gereist sind. Viele Menschen, die Spaß und Freude haben und das Turnier auch nutzen wollen, um wieder ein bisschen Ablenkung zu haben. Und ich glaube, wir sind genau diese Gastgeber gewesen in den letzten Wochen, um diese Freude auch zu versprühen. Und dass es dann in der Gesellschaft und in ganz Europa einen bisschen größeren Zusammenhalt gibt, das hat man eben gesehen. Wenn ich nur auf die Fans und schaue: Am Ende des Turniers werden ungefähr sechs Millionen Menschen bei uns gewesen sein, um zu feiern, gemeinsam zu diskutieren und was auch immer dazugehört. Und das schürt natürlich den Zusammenhalt. Deswegen sind solche Großereignisse, wo viele Menschen zusammenkommen, immer wichtig. Und das sollte man immer auch in Zukunft weiter unterstützen.

ran: Wie haben Sie die Fans generell gesehen? Es gab kaum Ausschreitungen, aber viel Völkerverständigung. Die Schotten stehen da exemplarisch.

Lahm: "United bei Football", das ist unser Slogan des Turniers. Und das habe ich überall gesehen. Sie haben die Schotten angesprochen. Aber ich würde auch die Rumänen, die Slowaken, die Slowenen nennen, auch die kleineren Nationen. Wie viele Menschen hier waren und das miterleben und teilhaben wollten an diesem Turnier, war einfach schön zu sehen. Und das freut mich als Turnierdirektor natürlich ganz besonders.

EM 2024: Lahm mit klarer Meinung zum Handspiel-Eklat

ran: Man hat bei so Großereignis ja immer eine gewisse Sorge. Es gab ja zum Glück im Nachhinein leere Drohungen. Und es gab ein paar Probleme in den Stadien mit ein paar Flitzern, teilweise beim Einlass, was dann relativ schnell behoben wurde. Wie hat aus Ihrer Sicht insgesamt das Sicherheitskonzept und auch der Service für die Fans in den Stadien funktioniert?

Lahm: Also noch sind wir nicht am Ende des Turniers, aber bis jetzt sind wir sehr, sehr zufrieden. Kleinigkeiten gibt es immer und klar kann man immer etwas verbessern. Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, ich vertraue unseren Sicherheitsbehörden. Das hat sich einfach bestätigt bis jetzt, dass eben so gut wie nichts passiert ist und dass die Leute einfach Lust haben, friedlich miteinander Fußball zu schauen und zu genießen. Und mein Feedback war von allen Seiten sehr, sehr positiv. Die Organisation, auch die Volunteers, wurden immer hervorgehoben, wie freundlich, wie nett, wie hilfsbereit sie immer waren. Da verweise ich gerne auf den Brief der Rumänen, den sie hinterlassen haben, wie schön sie es fanden, hier in Deutschland Teil dieses Turniers zu sein.

ran: Bleibt dann als einziger Wermutstropfen die teilweise heftigen Probleme der Deutschen Bahn und auch im öffentlichen Nahverkehr in einigen Stadien?

Lahm: Insgesamt bin ich aber auch da sehr zufrieden. Ich bin die ersten elf Tage zu den Spielen gereist und im Großen und Ganzen bis auf ein paar Minuten eigentlich immer pünktlich gekommen. Deswegen würde ich das auch nicht als negatives Thema erwähnen. Insgesamt glaube ich, kann man auch hier sehr zufrieden sein. Ich habe noch mal Feedback bekommen von den Nationalmannschaften, die auch mit dem Zug gereist sind, die ebenfalls sehr, sehr zufrieden waren, wie das organisiert war. Aber es ist nicht so einfach, die Mannschaften mit dem Zug von A nach B transportieren zu transportieren. Das ist alles sehr, sehr gut gelungen. Jetzt hofft man, dass die letzten Tage auch noch so friedlich und freundlich von Statten gehen und dann zieht man ein sehr, sehr positives Fazit.

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EM 2024: "Eine Schande!" Spanien-Stars über Pfiffe empört

ran: Es geht auf die Zielgerade, die meisten Spiele sind gespielt. Welche Note würden Sie Stand jetzt dem Turnier und den Organisatoren geben?

Lahm: Ich war schon als Spieler so, dass ich mir selbst keine Note gegeben habe. Ich bin Teil der Organisation und deswegen sollen andere beurteilen, wie wir das Turnier organisiert haben. Ich glaube, dass wir in vielen Bereichen neue Standards gesetzt haben. Und das Wichtigste ist immer zu sehen, dass die Menschen Spaß und Freude haben, in unser Land zu reisen und dann sich in unserem Land auch zu bewegen. Viele sind über mehrere Wochen hiergeblieben, haben hier gefeiert, haben jedes Spiel miterlebt. Das ist für mich die größte Auszeichnung, dass die Menschen wieder Spaß haben, miteinander etwas zu erleben.

ran: Brauchen Sie jetzt erst mal Urlaub danach oder sieht man Sie bald wieder in höheren Ämtern? Beim FC Bayern oder beim DFB werden Sie ja immer wieder gehandelt.

Lahm: Die Zeit ist so intensiv gewesen und das Turnier ist noch nicht am Ende. Deswegen habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht. Aber ich habe in den letzten sechs Jahren, die ich sozusagen als Funktionär erlebt habe, sehr viel Erfahrungen gesammelt. Und muss ganz klar sagen, dass es mir Spaß gemacht hat, in diesem Team zu arbeiten und dass mir so eine Rolle auch gut passt und ich Freude daran habe.

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