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NFL-Verhältnisse im Fußball - Wieso eigentlich nicht?

  • Aktualisiert: 10.09.2016
  • 11:33 Uhr
  • ran.de / Martin Jahns
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© 2016 Getty Images
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Angesichts der Pläne einer Weltliga und der Stärkung der großen Teams in der Champions League warnt ein hoher Funktionär vor NFL-Verhältnissen im Fußball. Dabei könnte dem Sport kaum etwas besseres passieren, findet ran.de-Redakteur Martin Jahns.

Der Fußball steht offenbar kurz vor gigantischen Reformen: World Super League, mehr Startplätze und Geld für die großen europäischen Klubs in der Champions League, Aufstockung der Klub-WM. Fast täglich fallen den Granden des Fußballgeschäfts neue Mittel und Wege ein, um noch höhere Beträge erwirtschaften zu können.

Leidtragende sind die kleinen Klubs, denen der Zugang zu den großen Geldtöpfen zunehmend erschwert wird. So befürchtet der schottische Liga-Boss Neil Doncaster etwa "ein unaufhaltbares Abgleiten in eine geschlossene Gesellschaft wie in der NFL".

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Drafts gegen die Dominanz der Großen

Zugegeben, das in den US-Sportarten übliche Franchise-System hat einen Haken, der sich mit der europäischen Ligatradition nur schwer vereinbaren lässt: Sportliche Auf- und Abstiege kennt die NFL nicht. Doch ausgerechnet im Land der ungezügelten Marktwirtschaft schafft die Football-Liga doch etwas, das dem europäischen Spitzenfußball zunehmend abhanden kommt: Chancengleichheit.

Während unter anderem Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich unter der erdrückenden Herrschaft einiger weniger finanzstarker Klubs ächzen, sorgen Drafts und Waivers in Nordamerika dafür, dass die Kluft zwischen erfolgreichen und erfolglosen Teams nicht stetig wächst.

Im Fußball unterschreiben Toptalente letztlich fast immer bei den üblichen verdächtigen Spitzenklubs - inzwischen in der Regel schon als Minderjährige. In der NFL landen die höchstgehandelten Rookies dank des Drafts üblicherweise bei den Teams, die talentierte Verstärkung gerade am nötigsten haben.

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Acht Super Bowls, acht Champions

Übrigens wurde das Draft-System 1936 aus genau diesem Grund eingeführt: Während sich die Topteams aus Chicago, Green Bay, New York und Washington zuvor um die Toptalente stritten, waren die schwächeren Mannschaften chancenlos.

Das Prinzip funktioniert auch 80 Jahre später: In den letzten acht Super Bowls gewannen acht verschiedene Teams den Titel. Auch im US-Fußball sorgt der Draft für Abwechslung: In 20 Jahren wurden immerhin zehn unterschiedliche Franchises Meister in der Major League Soccer.

Zum Vergleich: In der Bundesliga gab es in den letzten acht Jahren drei verschiedene Meister (FC Bayern, Borussia Dortmund, VfL Wolfsburg), in den letzten 20 Jahren waren es nur sechs unterschiedliche Teams.

Zentrale Vermarktung und gleiche TV-Gelder

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht geht die NFL einen anderen Weg als der Spitzenfußball: Nachdem finanziell schwächere Teams 1991 mit einem Streik drohten, führte die NFL 1992 weitere Regularien ein, die der Ausgeglichenheit der Liga zugutekamen.

Eine einheitliche Gehaltsobergrenze (Salary Cap) wurde ebenso festgelegt wie die gleichmäßige Verteilung der zentral ausgehandelten TV-und Merchandising-Einnahmen unter den Franchises. Vor allem um einen größeren Anteil der Fernsehgelder kämpfen kleine Fußballklubs seit Jahren vergeblich. 

Fernab der tatsächlichen Durchsetzbarkeit eines Drafts angesichts geltenden EU-Arbeitsrechts oder des Misstrauens europäischer Fans gegenüber einer Liga ohne Auf- und Abstieg: Etwas mehr NFL im Fußball dürfte dem leidgeprüften Sportromantiker ganz recht sein.

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