• Tennis
  • Darts
  • Alle Sportarten

Anzeige
Anzeige

Adrian Newey: Wegen Michael Schumacher nicht zu Ferrari gewechselt

  • Aktualisiert: 09.06.2023
  • 12:40 Uhr
  • Motorsport-Total
Article Image Media
© Motorsport Images
Anzeige

Mindestens viermal wurde Adrian Newey in der Vergangenheit von Ferrari kontaktiert, doch jetzt schließt er einen Wechsel nach Maranello für sich aus

Adrian Newey, das ist ein offenes Geheimnis, wurde in der Vergangenheit schon mehrmals von Ferrari umworben. Sowohl während als auch vor seiner Zeit als Technischer Direktor und Chief Technical Officer (CTO) bei Red Bull. Jetzt hat der 64-Jährige in einem Interview mit dem italienischen Ableger des TV-Netzwerks 'Sky' zugegeben, dass er das eine oder andere Mal ernsthaft drüber nachgedacht hat, eins der Angebote wahrzunehmen.

"Es war sehr verlockend, rüberzukommen und für Ferrari zu arbeiten. Es ist so eine legendäre Marke", sagt Newey. "Die Zeit, in der es am verlockendsten gewesen wäre, war 1993. Und 1997, als ich von Williams zu McLaren gewechselt bin. Das war eine sehr schwierige Wahl."

"Meine Kinder waren noch jung, und ich hatte keine Ahnung, wie die sich in Italien in der Schule zurechtfinden würden. Wenn ich zu einem Team gewechselt wäre, das in Italien ist, dann wäre ich auch nach Italien gezogen, um dort mit der Familie zu leben. Das hat eine Rolle gespielt."

Ferraris Anwerbungsversuch 1993, von dem Newey spricht, war übrigens nicht der erste. Bereits 1985 hatte man ihm ein "Angebot als Designleiter für ein neues Ferrari-IndyCar-Projekt gemacht, das sie damals erwogen". Es kam zu einem "heimlichen Besuch" in Maranello, aus dem aber letztendlich nichts wurde. So beschreibt es Newey in seiner Autobiografie "Wie man ein Auto baut" (deutsche Fassung 2018 erschienen im Pantauro-Verlag).

Newey war damals noch ein junger Designer und arbeitete als Renningenieur von Bobby Rahal für das March-Team in der IndyCar-Serie. Sein Know-how wäre für Ferraris IndyCar-Projekt, das letztendlich nie zustande gekommen ist, Gold wert gewesen. In der Formel 1 konnte er damals aber noch keine nennenswerten Erfolge vorweisen.

Anzeige
Anzeige

1993: Ferraris zweites Angebot an Newey

Das war acht Jahre später, als Williams gerade mit Nigel Mansell Weltmeister geworden war, Alain Prost auf dem Weg zum nächsten Titel war und Williams-Renault die Formel 1 fast nach Belieben dominierte, schon anders. Jean Todt hatte gerade bei Ferrari das Kommando übernommen und machte dem Williams-Designer ein Angebot. Newey lehnte aber ab.

Er erinnert sich in seinem Buch: "Wir wurden am Flughafen Bologna abgeholt und unauffällig zu Jeans Landhaus gebracht, wo unter anderem auch Gerhard Berger auf uns wartete. Jean suchte einen neuen Technischen Leiter und bot attraktive Bedingungen. Dann wollte er aber wissen, was ich von Michael Schumacher halte; sie wollten ihn für die Saison 1996 anwerben."

Schumacher war auf Benetton gerade drauf und dran, seinen zweiten WM-Titel zu gewinnen, und war sozusagen der Erzrivale von Damon Hill, für dessen Williams-Team Newey arbeitete. Außerdem hatte im Jahr zuvor, 1994, Ayrton Senna kurz vor seinem Tod in Imola noch die Vermutung geäußert, dass Schumachers Benetton-Team mit illegalen Mitteln arbeite.

Aus Loyalität zu Senna Ferrari abgesagt

"Es wäre fast pietätlos gewesen, so rasch nach Ayrtons Tod für Michael zu arbeiten", schreibt Newey. "Schumacher war zwar auf jeden Fall ein Fahrer, den die Konkurrenz fürchten musste, und wahrscheinlich damals überhaupt der beste, aber ich hatte Imola und das Gespräch mit Ayrton nicht vergessen, der sicher gewesen war, bei Schumacher eine verbotene Traktionskontrolle bemerkt zu haben."

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Schumacher der Grund dafür war, dass Newey nicht zu Ferrari kam. Schumacher gegen Newey sollte eine langjährige Rivalität in der Formel 1 werden: zuerst als Schumacher gegen Hill und Williams kämpfte, später dann gegen Mika Häkkinen und McLaren. Newey war 1997 von Williams zu McLaren gewechselt.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube. Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

2014: Ferrari bietet astronomisches Gehalt

Den wahrscheinlich ernsthaftesten Versuch, Newey endlich nach Maranello zu holen, unternahm Ferrari aber 2014. Newey erinnert sich in seinem Buch: "Sie hatten mich schon früher umworben, aber jetzt meinten sie es ernst. Ich fuhr nach Italien, um mich mit Luca Montezemolo, dem damaligen Präsidenten von Ferrari, in seinem toskanischen Landsitz zu treffen."

"Wir verhandelten ernsthaft, das Angebot war erstaunlich großzügig. Luca wollte mir die gesamte Marke Ferrari anvertrauen - Sportwagen und Rennwagen. Ich hätte den Lebensstil eines Filmstars pflegen und ein ungeheures Gehalt einstreichen können, weit mehr als das Doppelte des schon großzügigen, das ich bei Red Bull bekam."

"Die Entscheidung fiel mir sehr schwer. Viele schlaflose Nächte überlegte ich hin und her. Meine Familie, die Unterschiede in Kultur und Arbeitsweise, die Chancen für Erfolg oder Versagen und ihre Folgen ..."

"Aber am Ende bedankte ich mich auch bei Luca - und lehnte ab. Warum? Gute Frage. Ein Grund war natürlich die Familie; ich musste an die Kinder denken, die alle ihren eigenen Lebensweg verfolgen, und an meine Beziehung zu Mandy. Das alles spielte eine Rolle, aber was die Arbeit anging, lief es auf eine einfache Erkenntnis heraus: Ich wollte Red Bull nicht verlassen. Red Bull war schließlich meine Heimat."

Newey: Heute ist Ferrari kein Thema mehr

Inzwischen scheint der Zug für Newey und Ferrari abgefahren zu sein. Er gibt zwar zu, dass er womöglich nochmal verlockt wäre, zu Ferrari zu wechseln, "wenn ich 20 Jahre jünger wäre", wie er im Interview mit 'Sky' sagt. Aber inzwischen genießt Newey die Freiheiten, die ihm Red Bull einräumt, und wird dort wohl in Rente gehen. Zumindest, was die Formel 1 betrifft.

Seinen Vertrag hat er erst kürzlich verlängert, und es könnte unter Umständen sein letzter werden. Newey bekennt sich zu Red Bull, wenn er sagt: "Ich bin mehr oder weniger von Anfang an bei Red Bull dabei. Ich bin 64. Das Team zu wechseln ist immer eine Menge Arbeit. Sich neu einzugewöhnen und die Arbeitsprozesse hinzukriegen und so weiter."

Adrian Neweys Autobiografie "Wie man ein Auto baut" ist 2018 in deutscher Fassung im Pantauro-Verlag erschienen. Unter dem Link mst.site/oSPyB kann es bei Amazon online bestellt werden (sponsored Link). Newey beschreibt darin unter anderem auch, wie er 2014 von Niki Lauda kontaktiert wurde, um als Nachfolger von Ross Brawn bei Mercedes anzuheuern.


© 2024 Seven.One Entertainment Group