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Motorsport Formel 1

Ferrari-Ingenieur gesteht: Bin bei Schumacher-Siegen eingepennt!

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© Motorsport Images
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Stell dir vor, du arbeitest für Ferrari, und dein Fahrer ist auf dem Weg zum Sieg in der Formel 1, aber du kriegst nichts davon mit. Genau das ist Nikolas Tombazis passiert. Der heutige Formelsport-Direktor beim Automobil-Weltverband (FIA) hat im Podcast "Beyond the Grid" eingeräumt, dass er einige Triumphfahrten von Michael Schumacher gar nicht miterlebt hat.

Denn um die Jahrtausendwende war Tombazis mehrheitlich im Ferrari-Werk in Maranello beschäftigt und nicht direkt an der Rennstrecke, "weil ich ein leitender Aerodynamiker war", so Tombazis. "Wir arbeiteten viel im Windkanal. Daher sah ich die Rennen im Fernsehen. Und meistens schlief ich dabei ein!"

Das hatte aber einen guten Grund, wie Tombazis erklärt: "Wir hatten damals kleine Kinder, und als Vater kleiner Kinder bist du ziemlich müde."

Andererseits habe sich damals bei vielen Rennen ein gewisses Muster gezeigt: "Wenn Michael ein paar Leute überholt und sich nach einigen Runden um fünf Sekunden abgesetzt hatte, da hatte man den Eindruck, die Sache ist erledigt", meint Tombazis. Nachsatz: "Manchmal bin ich erst zur Nationalhymne wieder aufgewacht."

Doch obwohl er manche Ferrari-Sternstunde nicht live gesehen hat, die Zeit mit Schumacher will Tombazis nicht missen: "Mit Michael zu arbeiten, das war etwas Besonderes. Er war verbissen und wirklich sehr talentiert, dazu noch sehr intelligent. Er hat das Team geschätzt und ich empfand ihn immer als sehr freundlich und sehr, sehr nett. Und das, obwohl er so ein Superstar war."

Wie groß der Erfolgsdruck bei Ferrari wirklich war

Und als 2000 in Suzuka schließlich der große Durchbruch gelang, der erste Ferrari-Titel nach 21 Jahren, war Tombazis mittendrin. "Davon kriege ich immer noch eine Gänsehaut", sagt er.

"Ferrari hatte damals seit 1979 keine WM mehr gewonnen. Es setzte unheimliche Verzweiflung ein. Den ganzen Druck konnte man spüren, Tag für Tag. Und das merkt man. Denn manche Leute werden dann pessimistisch und sagen: 'Wir gewinnen nie.'"

In Italien weite sich dergleichen schnell zu einer Art nationalen Tragödie aus, meint Tombazis weiter. Der Druck für Ferrari sei "zehnmal größer" als bei anderen Formel-1-Teams. Und zur Schumacher-Zeit habe es "keine Ausreden" gegeben: "Wir hatten den besten Fahrer, also mussten wir liefern. Dass uns das dann gegen einen Wettbewerber wie McLaren gelang, war unheimlich befriedigend."

Und nach dem ersten gemeinsamen WM-Titelgewinn in Rot ließen Schumacher und Ferrari bis 2004 weitere Siege folgen, fast wie am Fließband. Das machte Schumacher damals zum Rekordsieger und Rekordchampion.

Wenn der Druck erst mal weg ist ...

Der abgefallene Druck durch den ersten Titel habe all das erst ermöglicht, sagt Tombazis. Denn nach dem ersten großen Erfolg werde es spürbar "ruhiger" in einem Formel-1-Team: "Man denkt dann eher langfristig und nicht mehr kurzfristig. Das ist die Hauptsache."

"Und das passiert bei allen Teams, die eine dominante Phase haben wie zuletzt Mercedes oder Red Bull: Sie müssen sich keine Gedanken mehr machen über das nächste Rennen. Und sie müssen sich auch keine Gedanken darüber machen, dass sie jemand kritisch hinterfragt. Denn sie haben ja gerade gewonnen."

Der große Vorteil auf technischer Seite sei, dass man schon früh Ressourcen auf andere Projekte verschieben könne, auf das "nächstjährige Auto oder auf ein Forschungsprogramm", so Tombazis.

"Du musst dann nicht überlegen, ob es für das nächste Rennen einen neuen Frontflügel braucht oder so. Und das versetzt dich dazu in die Lage, dass du deinen Vorsprung sogar noch ausbauen kannst. So war das 2001, 2002 und 2003. Und vielleicht erkennt man das auch in anderen dominanten Phasen bei anderen Teams."

Tombazis beim Automobil-Weltverband (FIA)

Tombazis selbst kann das womöglich gut einschätzen: Er ist inzwischen nicht mehr für ein Formel-1-Team tätig, sondern für den Weltverband. Bereits seit 2018 leitet er die dortige Formelsport-Abteilung und ist in diesem Bereich wichtiger Ansprechpartner für (unter anderem) FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem.

Schon 1992 hatte Tombazis nach dem Abschluss seines Ingenieursstudiums erstmals in der Formel 1 gearbeitet, zunächst bei Benetton und ab 1997 für Ferrari. 2004 wechselte Tombazis kurzzeitig zu McLaren, kehrte jedoch 2006 zurück und erhielt die Rolle des Chefdesigners. Nach der aus Ferrari-Sicht enttäuschenden Saison 2014 musste Tombazis gehen.


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