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Motorsport

Formel 1: Nürburgring-Chefs machen "wenig Hoffnung“ für 2024 und 2025

  • Aktualisiert: 04.04.2023
  • 11:08 Uhr
  • ran.de / Oliver Jensen
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© imago images/Motorsport Images
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Die Geschäftsführer vom Nürburgring haben auch zukünftig wenig Hoffnung für ein Formel 1 Rennen in Deutschland und nennen die Gründe dafür.

von Oliver Jensen

Drei Rennen der Formel-1-Saison 2023 sind vorüber, 20 Rennen stehen noch bevor. Gefühlt überall in der Welt wird gefahren – allerdings nicht in Deutschland. Zum dritten Mal in Folge macht die Formel 1 einen Bogen um Deutschland. Das wird vermutlich auch zukünftig so bleiben.

Ingo Böder, einer der beiden Geschäftsführer vom Nürburgring, macht im Gespräch mit ran "wenig Hoffnung für nächstes und übernächstes Jahr. Das ist ganz einfach eine kaufmännische Geschichte. Der Promoter der Formel 1 verlangt eine sehr hohe Antrittsgage." Diese ist von Rennstrecke zu Rennstrecke unterschiedlich, beträgt laut Medienberichten aber mindestens 20 Millionen Euro (siehe Galerie: Formel 1: Die Gebühren für die Ausrichtung der Rennen in der Saison 2023). Böder stellt jedoch klar: "Es sind mehr als 20 Millionen Euro."

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Formel 1 würde zweistellige Millionensumme an Verlust einbringen

"Wenn man das einmal durchrechnet, also die Kapazität an Besuchern multipliziert mit einem Maximalbetrag, den der Besucher bereit wäre zu zahlen, dann kommt man ungefähr auf die Hälfte von dem, was man damit decken müsste", so Böder.   

"Das heißt konkret, man müsste den Rest durch Partner, Sponsoren, durch die Behörden, durch das Land, durch die Bundesregierung oder einem Gönner decken. Ansonsten hätten wir mit dieser Veranstaltung eine zweistellige Millionensumme als Ausfall. Wir haben niemanden, der das ausgleichen würde."

Das Rechnung funktioniert folgendermaßen: Für ein Formel 1 Rennen könnte der Nürburgring nach aktuellem Stand je nach Gestaltung 60.000 bis 80.000 Zuschauer fassen. Unsicher ist, wie viel Geld man derzeit für ein Formel 1 Ticket verlangen könnte. Böder erklärt: "In Zandvoort kostet ein normales Formel 1 Ticket für das Wochenende 500 Euro. Selbst wenn wir mit 350 Euro rangehen würden, wäre es kein Selbstläufer, dass wir ausverkauft wären. Gerade in der heutigen Zeiten ist das viel Geld." 

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Und selbst wenn das Rennen mit diesen Ticketpreisen ausverkauft wäre, würde dies laut Böder nichts an einem achtstelligen Minus ändern.

Laut Christian Stephani, der ebenfalls der Geschäftsführung vom Nürburgring angehört, sei die Situation heute anders als noch vor einigen Jahren. "Wir sind seit 2015 ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Die meisten anderen Strecken, die sich die Formel 1 leisten, werden subventioniert, in der Regel vom Staat. Das war früher auch bei uns der Fall, und zwar durch das Land Rheinland-Pfalz. Aber jetzt sind wir unabhängig vom Land", erzählt Stephani.

"Dadurch haben wir betriebswirtschaftliche Zwänge. Wir müssen zumindest in die Lage versetzt werden, eine schwarze Null zu erzielen. Wir wollen mit der Formel 1 noch nicht einmal reich werden. Wir wollen nur die realistische Chance haben, eine schwarze Null zu erzielen. Das ist derzeit nicht gegeben."

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"2020 brauchte man uns. Aktuell braucht man uns nicht"

Dass die Formel 1 im Jahre 2020, als Corona die Saison durcheinanderwirbelte, ungeplant am Nürburgring fuhr, hing damals mit den besonderen Umständen zusammen. "2020 hat die Formel 1 gesagt, wir sorgen dafür, dass der Nürburgring eine schwarze Null schreibt", erinnert sich Böder. "Sie wollten fahren, weil sie Verpflichtungen gegenüber ihren Partnern hatten. Damals brauchte man uns. Aktuell braucht man uns leider nicht." 

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Dementsprechend gering ist die Chance, dass die Formel 1 in den nächsten Jahren wieder einen Stopp in Deutschland macht. "Es gibt zwei Möglichkeiten", erklärt Stephani. "Entweder die Formel 1 kommt von ihren Forderungen herunter, es müsste also ein Denkwandel stattfinden. Aber dafür gibt es aktuell keine Anzeichen, denn sie haben das momentan auch gar nicht nötig. Oder es gibt einen Sponsor, der den Verlust ausgleicht. Aber so einer ist in der aktuellen Gemengelage, mit dem Streben nach Nachhaltigkeit, in den Dimensionen nicht leicht zu finden."

Immerhin: Komplett aufgeben will der Nürburgring den Traum von der Formel 1 nicht.

"Wir wären alle sehr, sehr glücklich, wenn wir die Formel 1 wieder hier hätten. Die Formel 1 ist noch immer ein Highlight im Kalender", sagt Böder. "Wir prüfen mehrmals im Jahr, ob das möglich wäre. Wir sind im Hintergrund ständig in Gesprächen. Aber es gibt seitens der Formel 1 einfach keine Notwendigkeit zu sagen, wir wollen unbedingt in Deutschland fahren, auch wenn es weniger Geld bringt."


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