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McLaren enthüllt neuen MCL60: Mittelfeld oder mehr?

  • Aktualisiert: 13.02.2023
  • 18:20 Uhr
  • Motorsport-Total
Article Image Media
© McLaren
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McLaren hat am Montagnachmittag seinen neuen MCL60 für die Formel-1-Saison 2023 enthüllt: Ist man mit Lando Norris und Oscar Piastri wieder Best of the Rest?

Die Launch-Marathon-Woche in der Formel 1 hat am Montag mit der Präsentation des neuen McLaren MCL60 begonnen. Der Rennstall stellte seinen neuen Boliden für die Formel-1-Saison 2023 am späten Nachmittag der Öffentlichkeit vor.

Optisch setzt man beim neuen Boliden, der erneut von einer Mercedes-Power-Unit angetrieben wird, wieder auf sein bekanntes Papaya-Design, das auch in den zahlreichen anderen Serien zum Einsatz kommt. Auffällig sind aber auch wieder einige unlackierte Flächen in Carbon - wohl um Gewicht zu sparen.

Ansonsten scheint der MCL60 eine Weiterentwicklung des mit dem MCL36 begonnenen aerodynamischen Konzepts zu sein - wenn auch mit zusätzlichen Updates der nach unten gerichteten Seitenkästen, zu denen McLaren im vergangenen Jahr übergegangen ist, in einem ähnlichen Stil wie bei dem alles überragenden Red Bull RB18.

Die Seitenkästen des neuen Autos wurden gestrafft und weisen im Vergleich zum Vorgänger einen größeren Unterschnitt auf, was darauf hindeutet, dass McLaren weniger konservativ ist, wenn es um die Kühlungsanforderungen seines zweiten Autos geht, das nach den neuen Ground-Effect-Regeln der Formel 1 gebaut wird.

Interessanterweise zeigen die Bilder, die McLaren von der Launch-Version des MCL60 veröffentlicht hat, nicht die beträchtliche RB18-ähnliche Vertiefung in der Mitte der Seitenkästen, die auf dem Auto zu sehen war, das den Medien und den McLaren-Fans bei der Vorstellung im McLaren Technology Centre präsentiert wurde, was darauf hindeutet, dass das Team in diesem Bereich in kurzer Zeit bereits Entwicklungsfortschritte gemacht hat.

"Ich denke, wir haben die Schwachstellen des letztjährigen Autos erkannt und hart daran gearbeitet, sie mit dem diesjährigen Auto zu beheben", sagt Geschäftsführer Zak Brown. "Ich denke, wir haben das meiste richtig gemacht, aber wir wissen, dass es immer noch ein paar Bereiche gibt, in denen wir nicht da sind, wo wir sein wollen."

Zum Thema Lack und Gewicht sagt Teamchef Andrea Stella: "Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass unsere Ingenieure einen guten Job gemacht haben. Sie waren in der Lage, in mehreren Bereichen des Autos Gewicht einzusparen. In dieser Hinsicht sind wir mit unserem Auto also in einer guten Position. Und wir können endlich etwas mehr Platz für Orange und Weiß auf dem Auto lassen, anstatt es bis zum letzten Stück abzukratzen."

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Neuer Name zum Jubiläum

Die erste Überraschung zum neuen Wagen hatte es bereits einige Tage vor dem offiziellen Launch gegeben. Nach der bisherigen Namenskonvention hätte McLaren 2023 eigentlich mit dem MCL37 in die Saison gehen müssen, doch der Rennstall entschied sich dafür, ein paar Nummern auszulassen und den MCL60 auszupacken. Grund: McLaren wurde vor 60 Jahren gegründet.

Zwar gab das Team sein Formel-1-Debüt erst 1966, in Leben gerufen hatte Bruce McLaren den Rennstall aber schon drei Jahre zuvor. In den knapp 60 Jahren Grand-Prix-Historie ist McLaren zu einem der erfolgreichsten Rennställe geworden und hat seitdem zwölf Fahrer- und acht Konstrukteurstitel gewonnen.

Der letzte echte Erfolg ist aber schon eine ganze Weile her: 2008 holte Lewis Hamilton die letzte Fahrermeisterschaft nach Woking, und auch die siegreichen Zeiten sind längst vorbei. In den vergangenen zehn Jahren hat McLaren gerade einmal ein Rennen gewonnen: den Großen Preis von Italien 2021 mit Daniel Ricciardo.

Abgesehen von dem überraschenden Doppelsieg damals ist McLaren mittlerweile eher ein Mittelfeld-Team, das aber vom erneuten Sprung an die Spitze träumt. Der dürfte aber auch 2023 zu weit entfernt sein: 2022 belegte das Team nur Rang fünf in der Meisterschaft und hatte dabei einen großen Rückstand zu den Top-3-Teams, der wohl nur schwierig aufgeholt werden kann.

Zudem investiert das Team aktuell in seine Infrastruktur, kann aber noch nicht von den verbesserten Anlagen profitieren. Es sind die Nachwehen aus einer finanziell schwierigen Zeit während der Coronapandemie, in der McLaren kaum Investitionen tätigen konnte.

McLaren mit Lando Norris & Oscar Piastri

Die große Hoffnung im Team heißt Lando Norris, der 2022 für den einzigen Podestplatz eines Teams gesorgt hatte, das nicht Red Bull, Ferrari oder Mercedes hieß. Der 23-jährige Brite geht in seine fünfte Formel-1-Saison und hat sich dabei längst als potenzieller Spitzenfahrer etabliert.

Norris war im vergangenen Jahr Best of the Rest und dürfte das auch als sein Mindestziel für 2023 ausgegeben haben. Zumindest dürfte er der unumstrittene Teamleader sein, was er in den vergangenen Jahren zumindest auch sportlich war. Denn sein Teamkollege Daniel Ricciardo konnte nicht einmal ansatzweise mit ihm mithalten.

Der Australier kassierte dafür auch die Quittung und wurde vorzeitig aus seinem bis 2023 laufenden Vertrag entlassen: Ricciardo fungiert in diesem Jahr als Ersatzfahrer von Red Bull.

Ihn ersetzt mit Oscar Piastri ein waschechter Rookie, der in Bahrain sein Formel-1-Debüt feiern wird. Der frühere Formel-2- und Formel-3-Meister hatte im Sommer für große Aufregung gesorgt, als sich zwischen McLaren und Alpine ein Streit um den Australier entbrannt hatte.

Alpine hatte Piastri zu Beginn der Sommerpause als neuen Stammfahrer für 2023 verkündet und damit auf den Wechsel Fernando Alonsos zu Aston Martin reagiert. Doch Piastri hatte andere Pläne und schon einen Vertrag mit McLaren unterschrieben. Er dementierte sein Cockpit bei Alpine; am Ende musste das Contract Recognition Board darüber entscheiden, wer Anspruch auf Piastri hat.

Das Gremium entschied, dass einzig McLaren einen gültigen Vertrag besitzt, sodass Piastri an der Seite von Lando Norris für das Papaya-Team starten wird.

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Kann der Seidl-Abgang aufgefangen werden?

Einen Platz im Team hat auch Mick Schumacher, obwohl er Test- und Ersatzfahrer bei Mercedes ist. Doch McLaren hat eine Abmachung getroffen, dass man im Notfall auf den Deutschen zugreifen könnte, sollte einer der Stammpiloten ausfallen. Ähnlich war es im vergangenen Jahr, als man mit Alpine die gleiche Abmachung bezüglich Piastri hatte.

Eine große Veränderung gab es aber auch in der Teamführung, wo Andreas Seidl seinen Posten als Teamchef abgegeben hat. Der Deutsche war 2019 zu McLaren gekommen, um den Aufbau voranzutreiben, wurde aber im Winter aus seinem Vertrag gelassen, um zu Sauber zu wechseln, wo er als neuer CEO den Übergang zum Werksteam von Audi begleiten wird.

Seinen Ersatz hat das Team intern gefunden: Der Italiener Andrea Stella übernimmt Seidls Rolle als Teamchef, nachdem er zuvor bereits als Rennleiter unter dem Deutschen gearbeitet hatte. Die große Frage ist, ob Stella dieser Aufgabe gewachsen ist, schließlich ist es für den langjährigen Ferrari-Ingenieur die erste Saison als Teamchef in der Formel 1.

McLaren auf zu vielen Hochzeiten?

Ein Fragezeichen sehen einige auch in der aktuellen Ausrichtung von McLaren. Der Rennstall tanzt auf vielen Hochzeiten - vielleicht zu vielen? Der Rennstall ist unter anderem in der IndyCar-Serie und der Extreme E engagiert und hat im Januar auch sein erstes Rennen in der Formel E absolviert - aber auch schon das erste Podest dort eingefahren.

Muss die Formel 1 darunter leiden, weil man seinen Fokus auf zu viele Serien legt? Zwar arbeiten die einzelnen Teams durchaus autark, doch gerade Geschäftsführer Zak Brown hat seinen Blick auf allen Projekten gleichzeitig.

In der Formel 1 kann Brown aber auf die Expertise von Teamchef Andrea Stella, Technikchef James Key und Betriebsdirektor Piers Thynne als eine Art Triumvirat bauen, die sich um das Tagesgeschäft kümmern. Doch reicht das, um mittelfristig wieder zurück an die Spitze zu kommen? 2023 wird man wohl weiter nur davon träumen.


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