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Motorsport Formel 1

Vasseur relativiert Sorge um Ferrari: Problem war nur das Qualifying

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© Motorsport Images
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Red Bull, McLaren, Mercedes und dann erst Ferrari: Das italienische Formel-1-Traditionsteam war beim Spanien-Grand-Prix 2024 in Barcelona gemessen an den Ergebnissen aus Qualifying und Rennen nur die vierte Kraft. Muss sich Teamchef Frederic Vasseur also Sorgen machen um den weiteren Saisonverlauf?

Er selbst winkt ab und meint in seiner Medienrunde nach dem zehnten Grand Prix des Jahres, dass sich eigentlich nichts Entscheidendes verändert habe: "Seit Schanghai liegen vier Teams innerhalb von zwei oder drei Zehnteln. Die Reihenfolge ändert sich, weil zuletzt an vier Wochenenden vier verschiedene Teams die Poleposition hatten."

Außerdem habe Ferrari den SF-24 "nicht gravierend" verändert, weshalb er die aktuelle Formschwankung auf die speziellen Eigenheiten des Circuit de Barcelona-Catalunya zurückführe und die Gegebenheiten vor Ort wie die Reifensorten oder die Temperaturen. "Da kann man sich dann in einem Fenster von plus oder minus ein, zwei Zehnteln befinden", meint Vasseur.

Erschwerend komme in Barcelona hinzu, dass die Qualifikation eine Schlüsselrolle spiele für das Ergebnis im Rennen. "Es ist schwierig zu überholen, man hat deshalb bei Rennende fast das gleiche Resultat wie schon im Qualifying", sagt Vasseur. Nachsatz: "Ich bin mir sicher: Wenn wir von P3 und P4 starten, sieht das Ergebnis am Ende ganz anders aus." So aber belegte Ferrari die Plätze fünf und sechs.

Das heißt für Vasseur: "Wir haben am Samstag nicht das Beste draus gemacht." Sprich: Ferrari muss schneller werden im Qualifying, will es auf Strecken wie Barcelona besser abschneiden.

Tausendstel-Rückstand im Qualifying

Allerdings bewegte sich der Rückstand auf eine Runde im Tausendstel-Bereich: Charles Leclerc als Fünfter war 0,028 Sekunden langsamer als Mercedes-Fahrer George Russell auf P4, Carlos Sainz weitere 0,005 Sekunden dahinter auf Platz sechs. Das sei "ein Windstoß", mehr nicht, sagt Ferrari-Teamchef Vasseur. Und: eine Momentaufnahme.

Noch in Monaco habe Mercedes beispielsweise deutlich Rückstand gehabt auf Ferrari. Nun also davon zu sprechen, dass Ferrari den Anschluss verloren habe, das sei nicht angebracht.

"Bevor wir solche Schlüsse ziehen, müssen wir ruhig bleiben. Wir müssen es Veranstaltung für Veranstaltung betrachten, und nächste Woche haben wir noch dazu ein völlig anderes Format, auf anderem Asphalt, mit anderen Kurven. Das ergibt wieder ein anderes Bild." Denn in der Formel 1 sei "nichts für die Ewigkeit", betont Vasseur.

Wo in Barcelona die Ferrari-Schwachpunkte lagen

Was also nimmt Ferrari mit aus Barcelona? Laut Vasseur ist es die Aufgabe, sich noch einmal intensiv mit der Reifennutzung des SF-24 zu beschäftigen. "Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen und Informationen preisgeben, aber es geht darum, das Potenzial der Reifen über die ganze Runde in verschiedenen Kurven zu nutzen." Da habe Ferrari zumindest im Qualifying "etwas verpasst", sagt Vasseur.

Dann nennt er doch Einzelheiten zur Ferrari-Form, wenn er sagt: "Wir verlieren in Barcelona nicht eine Hundertstel pro Kurve, sondern zwei Mal eine Zehntelsekunde pro Runde. Der Rest ist eine Kopie dessen, was Lando [Norris im McLaren] geschafft hat."

Diese Einschätzung deckt sich mit der Datenanalyse von F1 Tempo, wenn man die schnellsten Qualifying-Runden von Norris und Leclerc miteinander vergleicht. Erkenntnis: Ferrari verliert die besagte Zeit hauptsächlich in den Kurven 5 und 10, die beide mit knapp 100 km/h durchfahren werden.

Wo steht Ferrari am Red-Bull-Ring?

Auch am Red-Bull-Ring in Österreich gibt es Kurven in einem ähnlichen Geschwindigkeitsbereich. Dennoch ist sich Vasseur "nicht sicher, ob es eine klare Reihenfolge gibt" im Formel-1-Feld. "Aber das werden wir nächste Woche sehen."

Generell sei das Kräfteverhältnis der Formel 1 gewissen Schwankungen unterworfen. Die aktuelle Reihung etwa halte nur "bis zum nächsten Update oder bis wir eine langsame Kurve haben oder bis Silverstone, wo wir es mit schnellen Kurven zu tun bekommen", sagt Vasseur. "Wenn man vier Teams innerhalb von zwei Zehnteln hat, geht es mehr um die Charakteristik des Autos als um das reine Potenzial."

Wie die jüngsten Ferrari-Updates angeschlagen haben

Und dieses Potenzial hat Ferrari in Barcelona mit einem umfangreichen technischen Update auszubauen versucht. Mit welchem Erfolg? "Mit den Zahlen sind wir zufrieden", sagt Teamchef Vasseur. "Aber erstens verbessern sich alle und man springt nicht nach vorne, wenn man etwas mitbringt, sondern man fällt eher zurück, wenn man nichts dabeihat."

Man dürfe sich im Entwicklungsrennen der Formel 1 aber nicht auf Äußerlichkeiten konzentrieren, erklärt Vasseur. "Wir entwickeln ja nicht nur die Aerodynamik weiter. Und manchmal brauchen wir eine oder zwei Veranstaltungen, um das Beste aus einem Paket herauszuholen." Ferrari werde also schon in Österreich den SF-24 "besser nutzen" können, verspricht Vasseur.

Der Ferrari als Stadtkurs-Spezialist

Er verweist auf die Formel-1-Saison 2023: "Da war es oft so, dass die Leistung erst am Rennwochenende nach dem Update da war. Und so wird sich das bis zum Jahresende fortsetzen."

"Aber: Jetzt sind die Updates generell kleiner als noch vor zwei Jahren. Die Leistung gleicht sich also insgesamt immer weiter an." Große Sprünge seien damit zur Seltenheit geworden.

Ob das bedeuten könnte, dass Ferrari aktuell nur auf bestimmten Strecken siegfähig ist? So wie zuletzt in Monaco? Dass der SF-24 also ein Stadtkurs-Spezialist ist und sich woanders schwertut? Vasseur: "Wenn wir in Baku, Singapur und Monaco gewinnen, ist das nicht so schlimm."


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