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In Berlin knirscht's: Volleys sammeln sich nach Trainerbeben
Zeit, das Trainerbeben zu verarbeiten, blieb Kapitän Ruben Schott und seinen Teamkollegen keine. Nur einen Tag nach der überraschenden Entlassung von Chefcoach Joel Banks gelang den BR Volleys beim Aufsteiger SV Warnemünde zwar der Neustart, doch die Misstöne aus der Hauptstadt hallen nach. Auf der Jagd nach dem nächsten Meistertitel knirscht es beim sonst so souveränen Bundesliga-Schwergewicht gewaltig.
Das "Trainerthema" sei beim anfänglich mühsamen 3:1 (24:26, 25:20, 25:16, 25:14) in Warnemünde am Mittwoch "nicht so bedeutsam" gewesen, "bei uns hat jeder Einzelne genug Baustellen", erklärte Schott: "Aber wir sind als Einheit aufgetreten und konnten das Spiel drehen." Sportlich lief bei Spiel eins nach Banks noch nicht alles rund - wie bereits zuvor in einer für Berliner Verhältnisse durchwachsenen Saison. Am Dienstag hatte der Klub schließlich einen Schlussstrich gezogen und sich von Banks getrennt, die Probleme schienen dabei über das Sportliche hinauszugehen.
"Wir waren in den vergangenen beiden Jahren mit der Arbeit von Joel sehr zufrieden, die Ergebnisse haben bekanntlich gestimmt. Trotzdem gab es immer wieder auch Spieler aus der Mannschaft, die auf Probleme hinwiesen", erklärte Geschäftsführer Kaweh Niroomand im Tagesspiegel-Interview. Das Vertrauen des Teams in den Trainer sei "leider verloren gegangen", auch durch die jüngsten Erfolge habe sich die Situation nicht verbessert: "Wenn ein Trainer die Spieler nicht mehr erreicht, müssen wir als Vereinsführung natürlich handeln." Doch auch die Mannschaft trage Verantwortung für die "schwierige Saison".
Eine Saison, in der der Rekordmeister so verwundbar wie nie erscheint. Nach dem ungewöhnlich schwachen Start mit drei Niederlagen gegen die ärgsten Konkurrenten rangieren die erfolgsverwöhnten BR Volleys "nur" auf Platz zwei hinter der SVG Lüneburg, im Pokal ist der Titel nach dem Halbfinalaus gegen den VfB Friedrichshafen bereits futsch.
Man habe es bislang in kaum einem Spiel geschafft, über die gesamte Dauer die eigene Qualität stabil aufrechtzuerhalten, sagte Niroomand: "Stattdessen waren und sind unsere Leistungen von einem ständigen Auf und Ab geprägt, was das Team und die Spieler natürlich frustriert."
Die fehlende Konstanz soll nun vorerst der bisherige Assistenzcoach Alexandre Leal gemeinsam mit Co-Trainer Markus Steuerwald in den Griff bekommen. Der Interimstrainer mahnte nach seiner gelungenen Premiere zur Geduld, "aber ich bin überzeugt, wir können mit dieser Gruppe unsere Ziele erreichen". Die Konkurrenz dürfte inmitten der Berliner Unruhe jedoch ihre Chance wittern.