Der Mittelpunkt des Clemson-Erfolgs: Dabo Swinney. - Bildquelle: imago/ZUMA PressDer Mittelpunkt des Clemson-Erfolgs: Dabo Swinney. © imago/ZUMA Press

München - Um den ganzen Wahnsinn greifen zu können, genügt eine Zahl. Wobei die im Grunde unbegreiflich ist. Unfassbar.

92 Millionen. Dollar. Gehalt. Für zehn Jahre. 9,2 Millionen pro Jahr. Oder rund 25.000. Pro Tag.

Dabo Swinney ist damit der bestbezahlte College-Coach. Zu Jon Grudens Mega-Vertrag bei den Oakland Raiders fehlen "nur" acht Millionen Dollar. 

Nur eine Richtung: nach oben

Völlig verrückte Sphären.

Swinney unterschrieb das neue Arbeitspapier im April. Eine Art Lohn für ebenso unfassbare zehn Jahre bei den Clemson Tigers (ab dem 31. August übertragen ProSieben MAXX und ran.de jede Woche ein Spiel aus dem College-Football). Swinney ist seit 2009 Head Coach der Tigers. Charismatisch, clever. Einer, der die Spieler besser macht. 

Unter ihm kennt das College-Team nur eine Richtung: nach oben. Nur ein Ergebnis: Erfolg. Nur ein Ziel: Dominanz. 

Zwei Titel in drei Jahren

Clemson blickt unter Swinney auf eine Gesamtbilanz von 116-30. In den vergangenen drei Jahren gewannen die Tigers zweimal die nationale Meisterschaft. 

Ebenfalls im Trophäenschrank: fünf Conference-Titel in der ACC und sieben Division-Titel in der ACC Atlantic. 2018 wurde Clemson das erste College mit einer lupenreinen Weste, einer 15-0-Bilanz: zwölf Siege in zwölf Spielen der Regular Season, das ACC Championship Game, der Cotton Bowl und das National Championship Game. 

Das Sahnehäubchen war ein 44:16 gegen Alabama Crimson Tide, den großen Konkurrenten, den Rivalen. Eine Machtdemonstration.

Weiterer Lohn: eine Nominierung der 2018er Tigers für die prestigeträchtigen ESPY-Awards des US-Senders ESPN. Die illustre Runde der potenziellen "Best Teams" neben den Tigers: die Boston Red Sox, die New England Patriots, die Toronto Raptors, die Baylor Bears (College-Basketball der Frauen), die Virginia Cavaliers (College-Basketball der Herren) und die US-Fußball-Frauen.

Drei Erstrundenpicks

Nicht zu vergessen: Mit Clelin Ferrell (Raiders), Christian Wilkins (Dolphins) und Dexter Lawrence (Giants) wurden drei Spieler im Draft 2019 in Runde eins ausgewählt, Trayvon Mullen (Raiders) verpasste die erste Runde an 40. Stelle nur knapp. 

Und was macht Swinney? Nutzt eine seiner berühmten Einzeiler. "Little Ole Clemson". Ein beliebter Satz von ihm.

Damit erzählt der 49-Jährige seit Jahren die Geschichte des Underdog, will er die Erwartungen erden, das Erreichte in die richtige Relation setzen.

Denn so groß beziehungsweise erfolgreich das Football-Programm ist, so klein ist die Stadt. Das Größte an Clemson ist das Memorial Stadium, das Platz für 81.500 Menschen bietet. 

Rund 4,8-mal würden die Einwohner dort Platz finden, 17.000 sind es. An Spieltagen halten sich rund 100.000 Menschen im beschaulichen Clemson auf, irgendwo im Nirgendwo in South Carolina, nordöstlich von Atlanta.

Kleinste College-Stadt

Damit ist Clemson die kleinste College-Stadt in der "Power 5", also von den 65 Teams in den Conferences ACC, SEC, Big 12, Big Ten und Pac-12. Mit knapp 25.000 Studenten siedelt sich Clemson im unteren Drittel an. Die Einnahmen laut Forbes: rund 50 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Rivale Alabama kommt auf das Doppelte.

Und das ist der Punkt: In Clemson spielen sie gerne mit der Rolle des David gegen Goliath Alabama, fühlen sie sich für die Erfolge immer noch zu wenig respektiert. Ein bisschen komplexbeladen, was die nationale Anerkennung betrifft, im Alabama-Schatten.

Was aber wiederum dazu führt, dass Clemson offenbar noch härter arbeitet, noch mehr investiert, auch finanziell, wie beim Vertrag für Swinney, die Trainingsmöglichkeiten oder die Talente. Die Rivalität treibt an, motiviert.

Denn aktuell wird schon spekuliert, ob die Tigers gar eine Dynastie, eine echte Ära im College-Football begründen können. Wobei das natürlich an vielen Einflüssen liegt. Und in der Natur der Sache, dass immer wieder Spieler das College verlassen und neue Talente nachrücken. 

Genau da kann man den Unterschied machen. Mit Geld, aber auch mit Können. Sowohl bei der Auswahl als auch bei der Entwicklung des Personals.

Komplette D-Line verloren

Mit dem Draft-Quartett hat Swinney zwar seine komplette Defensive Line verloren, doch die nächsten Prospects sind bereits im Roster. 

Das richtige Näschen dafür beweisen die Verantwortlichen seit Jahren. Für die neue Saison haben sie sich erneut gut verstärkt. Gemeinsam mit Alabama gelten sie wieder als Favoriten auf den Titel. 

Die Ziele werden die gleichen bleiben. Nach oben. Erfolg. Und Dominanz.

Andreas Reiners

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