München - Marcel Dabo, gebürtige Reutlinger und ehemaliger Cornerback der Stuttgart Surge, hat über das International Pathway Program den Sprung in die NFL geschafft. Der 22-Jährige steht nun bei den Indianapolis Colts unter Vertrag. In einer Medienrunde hat Dabo erste Einblicke in sein Leben als NFL-Spieler gegeben. ran hat die besten Aussagen gesammelt.

Marcel Dabo über...

... seine Erfahrungen beim Pro Day:

Ich war nicht sonderlich aufgeregt, ich war mir nur nicht sicher, ob ich meine Leistungen abrufen kann. 

... seinen Besuch bei den Indianapolis Colts vor dem Draft: 

Das war ein toller Tag. Ich hatte die Möglichkeit, die Coaches kennenzulernen und Tape mit ihnen zu schauen und zu überlegen, wie ich in die Defensive passen würde. 

... den NFL Draft 2022:

Ich habe nichts groß erwartet. Mein Ziel war es einfach, in die NFL zu kommen. Man kann nicht erwarten, dass man als deutscher Spieler im Draft gewählt wird, deshalb habe ich einfach nur gehofft, dass ich es irgendwie in die NFL schaffe.

... Kontakt zu anderen Spieler aus dem IPP: 

Man hat natürlich immer Kontakt zu den Vorgängern (beispielsweise Jakob Johnson oder David Bada) im IPP. Wir Deutschen halten immer ganz gut zusammen und haben eine tolle Community. 

... Jonathan Shaw, den Chef der Scouting-Abteilung der Colts: 

Ich hatte einen guten Draht ihm, er ist auf mich aufmerksam geworden. Wegen ihm hatte ich dann auch die Möglichkeit, dass ich die Colts vor dem Draft besuchen konnte. 

... Kontakt zu Björn Werner, der ebenfalls bei den Colts spielte und ihm Tipps mit auf den Weg geben könnte: 

Ich habe mit Björn regelmäßig Kontakt, das habe ich eigentlich mit allen Deutschen in der NFL. Aber ich muss natürlich auch für mich selbst rausfinden, wie es bei den Colts so abläuft. 

 

... die Pläne der Colts mit ihm: 

Ich habe viel mit Gus Bradley und den Coaches der Defensive Backs gesprochen. In Deutschland habe ich viel Cornerback gespielt, bei den Colts werde ich wahrscheinlich vermehrt als Safety oder Nickel-Cornerback eingesetzt werden. 

... die Defensive der Colts: 

Wenn ich mir die Defensive Backs der Colts anschaue, das ist einfach Wahnsinn. Ich möchte wie ein Schwamm alles aufsaugen und kann eine Menge lernen. 

... sein Interesse für die NFL: 

Ich verfolge die NFL schon länger, aber habe mich da nicht auf ein Team festgelegt. Ich habe mir dann aber beispielsweise Spiele von Kenny Moore [Cornerback bei den Colts, Anm. d. Redaktion] angeschaut, um von ihm zu lernen. 

... das anstehende Rookie Minicamp: 

Ich bin total gespannt. Wir müssen schauen, dass wir das Playbook lernen und das Scheme und die Spielzüge verinnerlichen. Aber das ist natürlich auch für mich Neuland. 

... den Wechsel von Deutschland nach Indianapolis: 

Das Wichtigste ist, dass man Professionalität an den Tag legt. In Deutschland haben wir nur drei Mal trainiert, jetzt geht es fast täglich an die Arbeit. Ich denke, dass das Analysieren von Spielen für mich die größte Hürde werden könnte. Das ist ziemlich kompliziert und die NFL ist natürlich deutlich komplexer. 

... seine Ziele bei den Colts: 

Ich möchte sofort spielen und das traue ich mir auch zu. Besonders im Special Team kann ich anfangs helfen. Ich will es so schnell wie möglich in den Kader schaffen, ohne mich auf das IPP verlassen zu müssen. 

... seine Chancen auf Spielzeit bei den Colts: 

Ich kann meine Chancen natürlich nur schwierig einschätzen, ich habe ja noch nicht mal einen Fuß auf das Vereinsgelände gesetzt. Ich werde im Rookie Camp alles geben und im Training Camp alles geben. Schritt für Schritt. Und dann möchte ich mich so beweisen, dass die Coaches denken: "Der kann uns am Sonntag helfen."

... die Zukunft von internationalen Spielern in der NFL: 

Die ELF ist eine gute Möglichkeit, um den Schritt in die NFL zu schaffen. Dort habe ich die Möglichkeit gehabt, gegen ehemalige NFL-Spieler und Divison-I-College-Spieler zu spielen. Das hilft. Es muss natürlich in Europa alles noch etwas professioneller werden. Aber generell ist es schön, dass die NFL internationaler wird, weil es auf der ganzen Welt gute Talente gibt. 

... seinen Spielstil: 

Ich bin ziemlich athletisch und ich denke, dass die Colts die Coaches haben, um mich in die bestmögliche Position zu bringen.

... Kontakt zu den Teamkollegen: 

Ich hatte bisher noch keinen Kontakt mit Mitspielern. Ich habe Bernhard Raimann auf Instagram geschrieben, aber ich werde ja in den nächsten Tagen dann den Rest der Mannschaft kennenlernen. 

... Bernhard Raimann (Österreicher, der in der dritten Runde des NFL Drafts 2022 von den Colts gewählt wurde): 

Wir können uns natürlich gegenseitig helfen, Anschluss zu finden. Aber generell sind ja alle Coaches daran interessiert, dass wir uns schnell akklimatisieren.  

... einen möglichen Plan B: 

Ich habe in Stuttgart Englisch und Sport studiert und möchte mich jetzt erstmal voll auf meine Football-Karriere konzentrieren. Das Studium ruht jetzt vorerst. 

... sich als Menschen: 

Ich will immer trainieren, trainieren, trainieren. Aber klar, man muss auch mal abschalten können. Da versuche ich grad noch den Mittelweg zu finden. 

... seine Freizeit-Aktivitäten: 

Ich gehe sehr gerne essen, am liebsten schwäbisch. Ich habe auch schon gesehen, dass es hier in Indianapolis ein deutsches Restaurant gibt, das muss ich natürlich mal bewerten. 

... Training für die NFL: 

Ende Januar haben wir zehn Wochen in Arizona trainiert. Da haben wir viel Athletik-Training gehabt und in den individuellen Positionsgruppen trainiert. Wir haben montags bis freitags trainiert, von morgens bis abends. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Besonders das Positions-Training hat mir sehr geholfen, weil die Coaches eine Menge Expertise mitgebracht haben. 

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