München - Entlassungen nach einer guten Saison sind eher selten.  

Denn normalerweise werden Trainer nach ausgewachsenen Krisen, sportlichen Durstrecken oder schlicht einem großen Missverständnis auf den Markt gespuckt.

So gesehen ist Brian Flores eine Ausnahme. 

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Und damit eine große Chance für andere Teams. Denn eigentlich wäre 2022 das Jahr gewesen, in dem Flores bei den Miami Dolphins die Früchte seiner Arbeit erntet. Doch nach internen Querelen war nach seiner dritten Saison überraschend Schluss.

Carsten Spengemann: "Die schlimmste Fehlentscheidung"

"Ich glaube, das war die schlimmste Fehlentscheidung, die Miami in den letzten Jahren gemacht hat", sagte ran-Moderator Carsten Spengemann deutlich: "Coach Flores ist ein Guter. Ich verstehe nicht, was sie denken und vorhaben. Gute Head Coaches sind rar gesät."

Deshalb stürzen sich jetzt auch die anderen Teams auf den 40-Jährigen, so zum Beispiel die Houston Texans und die Chicago Bears, die bereits mit ihm gesprochen haben.

Doch was hat Flores, Sohn von Einwanderern aus Honduras, zu bieten?

Stichwort Siegermentalität. Denn er weiß aus seiner Zeit bei den New England Patriots noch, wie gewinnen funktioniert, hat es von der Pike auf gelernt. 

Flores hatte sich hoch- nein, herausgearbeitet aus Brownsville, einem schwierigen Viertel in Brooklyn. Er schaffte den Weg heraus über das Boston College und über die Patriots, bei denen er ab 2004 ganz klassisch Schritt für Schritt aufstieg, sieben verschiedene Posten bekleidete. 

Siegermentalität mag angesichts einer 24-25-Bilanz in Miami ein wenig sarkastisch klingen, der Begriff ist aber durchaus berechtigt. 

Denn zieht man die 5-11-Übergangssaison 2019 mit dem für viele Experten schlechtesten Kader der Liga ab, kommt Flores auf eine 19-14-Statistik. 

Entlassung vor dem "Make or Break"-Jahr

Einen 1-7-Fehlstart 2021 drehte der 40-Jährige mit seinem Team zudem durch einen 8-1-Run noch auf 9-8, verpasste die Playoffs knapp. Weshalb 2022 sein "Make or Break"-Jahr gewesen wäre. Nun kann er woanders beweisen, dass er als Trainer eine Franchise nachhaltig weiterbrinbgen kann.

Wo er in Miami definitiv ein Macher war, ist die Defense, sein Spezialgebiet. Bei den Patriots hatte er als Scouting Assistant angefangen und 2012 als Safeties Coach erstmals eine wichtige Rolle im Staff übernommen. 

Sein Meisterstück machte er Anfang 2019 im Super Bowl gegen die Los Angeles Rams, als er nicht nur seinen vierten Super Bowl gewann, sondern als Linebacker-Coach und Playcaller für die Defense auch maßgeblich zum Erfolg beitrug.

Ausgewiesener Defense-Spezialist

In Miami belebte er die angeschlagene Defense neu, formte sie von einer der schlechtesten Einheiten zu einer immer öfter aggressiven und produktiven Abwehr. 

Die meiste Zeit war sein Team auf dem Platz besser als auf dem Papier. Die harte Hand mag er unter Bill Belichick gelernt haben, wie man das Beste aus einem Kader herausholt, allerdings auch. Den Umbruch, den er bei seinem Antritt 2019 als Auftrag mit auf den Weg bekam, trieb er schneller als gedacht voran, auch wenn es natürlich Rückschläge gab und nicht immer alles nach Plan verlief.

Bei den Fins bestätigte Flores zudem seinen Ruf, die einzelnen Spieler besser zu machen, viele vollzogen in der Zeit unter ihm wichtige Schritte nach vorne. Daneben überzeugte er als Taktiker.

Menschliche Schwachstellen

Eine klare Schwachstelle neben der von den Dolphins angedeuteten zwischenmenschlichen Probleme: Komplikationen bei der Zusammenstellung des Trainerteams. 

Er verbrauchte in Miami immerhin vier Offensive Coordinator, vier Quarterback Coaches, vier Offensive Line Coaches und zwei Defensive Coordinator - eine Menge Holz für drei Saisons, zu viel, um eine gewisse Konstanz in das Spiel zu bekommen, was für seinen persönlichen nächsten Schritt aber unabdingbar ist.

Denn eigene Fähigkeiten mögen essenziell sein, die Zusammenarbeit mit anderen ist es aber auch. Dass nach drei Jahren als Head Coach in der NFL noch Luft nach oben ist, ist aber normal.

Was Flores deshalb lernen muss: Bei einem Coach zählen nicht immer nur die nackten Ergebnisse. Eine gewisse Diplomatie im Umgang mit Spielern und Verantwortlichen gehört auch dazu. Denn wenn man die zum Großteil gegen sich hat, reichen irgendwann auch sportliche Ausrufezeichen nicht mehr. Dann kommt es sogar zu Entlassungen nach einer guten Saison.

Andreas Reiners

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