Cardale Jones von den DC Defenders gilt als der vielleicht beste Quarterback... - Bildquelle: imago images/ZUMA PressCardale Jones von den DC Defenders gilt als der vielleicht beste Quarterback der XFL © imago images/ZUMA Press

Washington/München - Die Fans der DC Defenders hatten ihren Quarterback sofort ins Herz geschlossen. "MVP, MVP", riefen sie nach dem ersten Heimspiel der XFL. "Ich habe das gehört. Aber ich würde nicht unbedingt sagen, dass das mir galt", sagte Cardale Jones hinterher bescheiden.

Dabei wusste jeder, dass eben doch er gemeint war.

Cardale Jones ist die vielleicht größte Entdeckung der XFL und gilt für viele Experten als der beste Quarterback der Liga. Seine Bilanz: zwei Spiele, zwei Siege, 511 Passing-Yards, vier Touchdown-Pässe, nur eine Interception.

"Er ist ein bekannter Name und hatte bereits auf höchstem Niveau Erfolg", sagt sein Head Coach Pep Hamilton. "Einen solchen Spieler zu haben, spricht für die XFL und für die Qualität in dieser Liga." Sein Mannschaftskamerad, der Defensive Liner Tracy Sprinkle, sagt sogar: "Cardale ist mit Sicherheit das Gesicht der Liga."

Dass in dem 27-Jährigen großes Potential steckt, ist eigentlich keine neue Erkenntnis. Als er noch im College-Football für die Ohio State Buckeyes auf dem Platz stand, wurde er zeitweise sogar als potentieller Erstrundenpick gehandelt.

Auf den ersten Blick erfüllt der aus Cleveland stammende Passgeber tatsächlich alle Voraussetzungen für einen Elite-Quarterback: Er ist 1,96 Meter groß, hat einen athletischen Körper, einen starken Wurfarm und ist zudem sehr beweglich.   

Als er 2014 seinen ersten Einsatz als Starting-Quarterback hatte, führte er sein Team gegen die renommierte Football-Mannschaft der Michigan Wolverines zu einem spektakulären 59:0-Sieg. Jones wurde zum MVP des Spiels ernannt und schien die Zukunft der Buckeyes zu sein.

Der Twitter-Skandal

Doch der Quarterback hatte auch eine andere Seite - eine sehr unreife. Noch bevor er nämlich als Sportler für die ersten Schlagzeilen sorgte, legte er sich praktisch mit dem gesamten College-System an.

2013, als Jones als Redshirt noch nicht am Spielbetrieb teilnahm, kritisierte er bei Twitter das Schulsystem: "Warum müssen wir in den Unterricht gehen, wenn wir hier hergekommen sind, um Football zu spielen? Wir sind nicht hier hergekommen, um Schule zu spielen. Der Unterricht ist sinnlos."

Der Aufschrei war groß. Jones wurde für ein Spiel gesperrt und mutierte in Windeseile zum Buhmann. Später bereute er diesen Tweet und bezeichnete seine damalige Aktion als "dumme Sache".

Auch sein Trainer Urban Meyer stellte sich später vor seinen Spielmacher. Er bezeichnete ihn im Jahr darauf, also 2014, als einen "nun völlig anderen Menschen", der auch im Klassenzimmer große Fortschritte macht."

Gewinn der College-Meisterschaft im Jahre 2014

Überhaupt schien sich Jones in der Saison 2014 auf dem Höhepunkt zu befinden. Im Finale um die College-Meisterschaft führte er seine Mannschaft gegen die Oregon Ducks zum Titelgewinn.  

Er hätte sich bereits damals für den NFL Draft anmelden können, entschied sich allerdings dagegen. "Ich fühle mich noch nicht bereit für das Level", sagte er damals.

Zu jener Zeit schien dies die richtige Entscheidung zu sein. Jones hatte nur wenig Erfahrung und lediglich drei Spiele als Starting-Quarterback bestritten.

Das Problem ist nur: 2015 erlitt die aufstrebende Karriere einen kleinen Knick. Nachdem er sich in der Offseason einen heißen Konkurrenzkampf mit J. T. Barrett (heute Pittsburgh Steelers) lieferte, bekam er zunächst den Vorzug, wurde dann aber im siebten Spiel auf die Bank gesetzt und verlor seine Rolle als Starting-Quarterback.

Die Schwächen: Genauigkeit und Gamemanagement

Auch den NFL-Teams fiel es schwer, den flinken Spielmacher richtig einzuschätzen. "Seine Größe und seinen Arm will man sofort haben, aber ihm fehlen noch die Genauigkeit und die Gamemanagement-Qualitäten“, sagte damals ein nicht namentlich genannter Offensive-Coordinator gegenüber nfl.com.

Im Draft 2016, als Jared Goff (Los Angeles Rams) und Carson Wentz (Philadelphia Eagles) die begehrtesten Quarterbacks waren, wurde Jones in Runde 4 an Position 139 von den Buffalo Bills ausgewählt.

Im letzten Saisonspiel hatte er seinen ersten und bislang einzigen Einsatz gegen die New York Jets, brachte sechs seiner elf Pässe an den Mann, warf allerdings auch eine Interception.

Sein Förderer Anthony Lynn

Sein Offensiv Coordinator Anthony Lynn blieb trotzdem ein großer Befürworter von Landry. Als der Trainer zu den Los Angeles Chargers wechselte und dort zum Head Coach ernannt wurde, nahm er den jungen Quarterback einfach mit.

Bewähren konnte er sich dort allerdings auch nicht und landete im Practice Squad. Kurz vor der Saison 2019 wurde er entlassen. Er versuchte noch einmal sein Glück bei den Seattle Seahawks, wo er nach elf Tagen aber ebenfalls sein Playbook abgeben musste. 

Die XFL ist nun seine letzte Chance, um noch einmal durchzustarten.

Der Journalist Austin Ward, der die Karriere von Jones begleitet hat, sagte gegenüber der "Washington Post": "Er hat immer an seine eigenen Fähigkeiten geglaubt, aber es gab nie den Moment, an dem jemand anderes voll auf ihn gesetzt hat. Er musste ständig um seine Anerkennung und seinen Platz kämpfen."

Möglicherweise hat die Suche nach Anerkennung in der XFL nun ein erfolgreiches Ende gefunden.

Oliver Jensen

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