Stehaufmännchen Nick Holley. - Bildquelle: imago images/ZUMA PressStehaufmännchen Nick Holley. © imago images/ZUMA Press

München - Kreuzbandriss. Rückschlag. Reha. Rückkehr. Kreuzbandriss. Nächster Rückschlag. Nächste Reha. Nächste Rückkehr. Und nochmal von vorne.

Drei Kreuzbandrisse hat sich Nick Holley in seiner Karriere zugezogen. Hat sich den Rücken gebrochen. Den Fuß. Den Knöchel. Die Hüfte. Das Schienbein. Und das Wadenbein. Er hat kaum etwas ausgelassen.

Holley ist 25 Jahre alt.

"Was bleibt dann noch?"

Es gibt nicht wenige Menschen - große Träume hin oder her - die irgendwann wohl einfach keine Lust mehr gehabt hätten. Auf Rückschläge. Auf die Reha. Auf die Schmerzen, die Plackerei. Auf die immer wieder zurückkehrenden Hoffnungen, die dann mit dem nächsten Riss oder Bruch erneut zerplatzen. 

Holley tickt da anders. Sein Motto: "Wenn du deine Träume aufgibst, was bleibt dann noch?" 

Für ihn sind die Houston Roughnecks in der XFL die zweite, nein, dritte Chance, sich seinen Traum zu erfüllen. Er tut es sich nach der Vorgeschichte "aus Liebe zum Spiel" an: "Ich liebe Football. Es war die Gelegenheit. (XFL-Besitzer) Vince McMahon hat mich mit der Chance gesegnet, meine Karriere voranzutreiben, und ich könnte nicht glücklicher sein, hier zu sein."

Wobei er ja eigentlich woanders hin wollte. Wo alle Talente hin wollen: in die NFL. Auf der Kent State war er vielseitig, spielte zwischen 2013 und 2017 erst als Wide Receiver, dann als Running Back und am Ende als Quarterback. 

Taysom Hill lässt grüßen. Noch so ein Schweizer Taschenmesser.

Chance bei den Rams

Fanden auch die Los Angeles Rams, die ihn 2018 als Undrafted Free Agent unter Vertrag nahmen und seine Vorzüge als Running Back sahen, ihn dann aber beim Roster Cut entließen. 

Heute ist Holley ein Gesicht der XFL, eine dieser Geschichten, die die neugegründete Liga erzählen will. Für Jungs wie Holley wurde sie gemacht. Junge strauchelt. Junge fällt, steht wieder auf und nutzt die Chance, um seinen Traum zu wahren. American Dream. Seht her, alles ist möglich, wenn ihr daran glaubt und alles dafür tut - für diese etwas pathetische Aussage stehen Spieler wie Holley.

Doch die Leute lieben das, sie saugen diese Geschichten förmlich auf. Als Landschaftsgärtner arbeitete Holley, als er für die XFL verpflichtet wurde. Ein bisschen Tellerwäscher-Feeling kommt also auch noch hinzu.

Es ist aktuell ja auch eine Erfolgsstory. Die Roughnecks sind mit zwei Siegen in die Saison gestartet, am Samstag (ab 19.55 Uhr live auf ran.de) soll es bei den sieglosen Tampa Bay Vipers so weitergehen. 

Holley ist als Running Back gelistet, fungiert aber mehr als Receiver, kommt auf bislang 91 Yards und bildet mit Cam Phillips und Kahlil Lewis ein gefährliches Trio.

Das Leben ist zu kurz

Holley war so gefragt, dass die Roughnecks kurzerhand einen Twitter-Account für ihn einrichteten. 

Bei rund 3000 Followern steht der Account. Da geht noch mehr. Auch wenn Holley weiß, dass er die Zeit einfach genießen sollte. "Das Leben ist viel zu kurz, um sich auszuruhen, und ich werde mich nie ausruhen. Ich werde dieser Liebe und dieser Leidenschaft nachgehen, bis ich nicht mehr kann."

Selbst Kreuzbandrisse und Knochenbrüche können ihn davon nicht abhalten.

Andreas Reiners

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