Josh Johnson von den Los Angeles Wildcats in der XFL hat fast für die Hälfte... - Bildquelle: 2020 Getty ImagesJosh Johnson von den Los Angeles Wildcats in der XFL hat fast für die Hälfte aller NFL-Teams gespielt © 2020 Getty Images

München/Los Angeles – Josh Johnson war der Sieggarant der Los Angeles Wildcats. Mit 278 Passing-Yards und drei Touchdown-Pässen führte er seine Mannschaft gegen die favorisierten DC Defenders zum ersten Saisonsieg.  

Mit welcher Selbstverständlichkeit der 33-Jährige die tiefen Pässe (durchschnittlicher Raumgewinn 11,2 Yards) anbrachte, wie lässig er auf den gegnerischen Pass Rush reagierte und dabei stets den Überblick behielt – all das hatte NFL-Format.

Kein Wunder: Josh Johnson stand bei fast der Hälfte aller NFL-Teams unter Vertrag.

In zwölf Jahren war er für 13 verschiedene NFL-Teams (mehr oder weniger) aktiv. Rechnet man die Teams hinzu, bei denen er zwei Mal unter Vertrag stand, kommt er sogar auf 15 Stationen.

Ein Journeyman Quarterback

Spielmacher wie er haben in den USA sogar eine eigene Bezeichnung: Journeyman Quarterback – sie sind also die Wandergesellen ihres Sports.

Der mittlerweile zurückgetretene J. T. O'Sullivan oder Josh McCown, der Backup der Philadelphia Eagles, zählen mit jeweils elf NFL-Teams ebenfalls zu dieser Riege. Doch Johnson ist laut "wikipedia" der Rekordhalter unter den Quarterbacks.

Wildcats-Head-Coach Winston Moss glaubt, dass sein Quarterback von den unterschiedlichen Erfahrungen profitiert hat.

 

"Er ist ein sehr kluger Spieler. Er hat lange mit vielen verschiedenen Trainern und in vielen verschiedenen Systemen gespielt. Daher konnte er sofort die Verantwortung für unsere Offense übernehmen", sagt der Trainer gegenüber der "Associated Press".

Johnsons verrückte Reise durch die NFL

Nun war es nie das Ziel von Johnson, annähernd durch die halbe NFL zu tingeln. "Aber manchmal geht es sehr schnell", sagt er. "Man bewegt sich einfach immer weiter und sagt dann: Oh, jetzt bin ich also hier."

Dabei begann seine Karriere relativ normal: Im Jahre 2008 von den Tampa Bay Buccaneers in Runde 5 gedraftet, blieb er vier Jahre in Florida und war in vier aufeinanderfolgenden Partien sogar der Starting-Quarterback, warf in diesen Partien allerdings acht Interceptions. Als Dauerlösung konnte er sich also nicht empfehlen.

So begann die verrückte Reise des Josh Johnson durch die NFL.

 

Zunächst landete er bei den San Francisco 49ers, überstand dort allerdings nichts den Cut, wechselte für einige Wochen zu den Sacramento Mountain Lions in der heute nicht mehr existierenden United Football League (UFL), ehe er im Dezember 2012 für den letzten Spieltag von den Cleveland Browns unter Vertrag genommen wurde.

Dort stand er bei einem einzigen Snap auf dem Spielfeld. Das Ergebnis: ein Sack und ein Fumble – Werbung in eigener Sache sieht anders aus.

2013 kam er bei den Cincinnati Bengals unter, stand in zwei Partien kurz auf dem Platz, ohne auch nur einen einzigen Pass zu werfen. Die Folge war die nächste Entlassung.

Vier Jahre, acht Teams, null Snaps

Also ging die Reise weiter: Erneut unterschrieb er bei den San Francisco 49ers, um später doch wieder sein Playbook abgeben zu müssen. Ähnlich lief es wieder bei den Bengals, New York Jets, Indianapolis Colts, Buffalo Bills, Baltimore Ravens, New York Giants, Houston Texans und Oakland Raiders.

Um das einmal richtig einzuordnen: All die soeben genannten Stationen durchlief er innerhalb von vier Jahren und stand in der gesamten Zeit bei keinen einzigen Snap auf dem Spielfeld.

Im Dezember 2018 lief es besser: Johnson profitierte vom Verletzungspech der Washington Redskins, ersetzte den völlig überforderten Mark Sanchez und stand in den letzten drei Partien in der Startformation.

Im August 2019 ging es anschließend weiter zu den Detroit Lions, wo er nach nur einem Monat wieder entlassen wurde.

Johnson haderte nie mit seinem Schicksal. "Ich sehe es positiv, dass ich immer wieder die Möglichkeit bekommen habe, mich zu beweisen. Viele andere Spieler bekommen diese Chance gar nicht erst", verriet er gegenüber der "USA Today".

XFL verhinderte Rückkehr zu den Detroit Lions

Im Dezember wollten die Lions Johnson aufgrund des Verletzungsausfalls von Matthew Stafford wieder zurückholen. Da stand er allerdings bereits in der XFL bei den Los Angeles Wildcats unter Vertrag. (Samstag um 19:55 Uhr: Die Los Angeles Wildcats gegen die New York Guardians im Livestream auf ran.de)

"Wir haben gesagt, nein, wir behalten ihn", sagt XFL-Boss Oliver Luck damals. "Er gehört uns, er hat einen Vertrag unterschrieben und ist der Starting-Quarterback von Los Angeles."

Irgendwie genießt Johnson es ja auch, nicht mehr als Wander-Reservist zu fungieren. "Hier habe ich die Gelegenheit, der Anführer dieser Mannschaft zu sein und nicht mehr der Backup. Das war schon immer mein Ziel", sagt er. "Wir können hier etwas Besonderes erreichen und eine Meisterschaft gewinnen."

Wenn das geschafft ist, kann die verrückte Reise durch die NFL ja immer noch weitergehen.  

Oliver Jensen

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