Kirk Heidelberg ist der Trainer der Cologne Centurions - Bildquelle: imago/TischlerKirk Heidelberg ist der Trainer der Cologne Centurions © imago/Tischler

München/Frankfurt - Kirk Heidelberg hat im deutschen Football schon viel erreicht. Als Trainer gewann der mittlerweile 64-Jährige zweimal die Deutsche Meisterschaft.

Nun startet der gebürtige Amerikaner in ein neues Abenteuer - die European League of Football.

Vor dem Saisonstart der neuen Liga (ab 19. Juni live auf ProSieben MAXX und ran.de) spricht er im Interview mit ran über das Duell mit Wroclaw, die Entwicklung des Footballs in Deutschland und die Einzigartigkeit der ELF. 

ran: Mister Heidelberg, wie schwierig ist es für einen Trainer, innerhalb kürzester Zeit ein komplett neues Team für eine neue Liga zu formen?

Heidelberg: Es ist natürlich sehr viel Arbeit. Es gibt ein neues Playbook, mit dem alle Spieler erst einmal zurechtkommen müssen. Wir haben aber eine gute Mannschaft und vor allem auch viele gute deutsche Spieler.

ran: Sie treffen am 1. Spieltag auf den polnischen Vertreter Panthers Wroclaw. Diese Mannschaft ist größtenteils eingespielt, dominiert seit 2016 die polnische Liga und wurde seitdem jedes Jahr Meister. Ist dies der schwerstmögliche Einstieg?

Heidelberg: Ich gehe davon aus, dass das eine sehr gute Mannschaft ist. Allerdings ist es für alle Teams in dieser Liga schwer, vor dem 1. Spieltag den Gegner richtig einzuschätzen. Wir schauen uns natürlich Videos aus der vergangenen Saison an. Aber wir wissen natürlich nicht, welche Rolle die einzelnen Spieler in diesem Jahr spielen werden. Daher liegt der Fokus auf uns.

ran: Sie waren sehr lange in der Football-Bundesliga bzw. der German Football League tätig und gewannen mit den Cologne Crocodiles sowie den Hamburg Blue Devils die Meisterschaft. Was hat Sie nun an der European League of Football gereizt?

Heidelberg: Es ist einfach total aufregend, ein Teil dieser neuen Liga zu sein und einige noch bessere Spieler zu trainieren. Natürlich habe ich auch eine gute Verbindung zu Commissioner Patrick Esume, den ich früher bei den Hamburg Blue Devils trainiert habe. Er hat eine großartige Vision, an die auch ich glaube. Für mich war wichtig, dass es sich um eine professionelle Liga handelt. Ich war sehr lange im Amateursport, habe aber damit abgeschlossen. Jetzt reizt mich nur noch der Profisport. 

ran: Wie schätzen Sie das Niveau in der European League of Football ein?

Heidelberg: Ich möchte die ELF nicht mit einer anderen Liga vergleichen, weil das letztendlich auch keine Rolle spielt. Außerdem kann ich die Qualität der anderen Teams noch nicht beurteilen. Wir wollen einfach jedem Fan in Europa zeigen, dass die ELF erstklassig ist. Im Basketball ist es auch gelungen, in Europa eine starke und sehr populäre Liga aufzubauen. Football hat ebenfalls die Chance dazu.

ran: Welche Rolle spielt der ehemalige deutsche NFL-Profi Christopher Ezeala in Ihrer Mannschaft? Er gilt als ein sehr vielseitiger Spielertyp.

Heidelberg: Er ist ein richtig guter Footballspieler, sehr schnell und kraftvoll. Wir planen ihn als Running Back ein, aber er kann verschiedene Rollen einnehmen. Wir werden im Verlaufe der Saison sehen, wie wir ihn am besten einsetzen können. Er wird eine große Hilfe sein.  

ran: Was können Sie uns über den internen Konkurrenzkampf auf der Position des Quarterbacks verraten?

Heidelberg: Wir haben noch nicht entschieden, wer der Starting-Quarterback sein wird. Unser amerikanischer Quarterback ist Daniel Farley, der in Deutschland für die Solingen Paladins gespielt hat. Er war auch in Schweden bei den Carlstadt Crusaders und gewann dort im vergangenen Jahr die Meisterschaft. Farley ist ein richtig guter Quarterback. Dann haben wir noch die deutschen Jan Weinreich und Jannik Nowak.

ran: Mit Bennie Anderson, Jerry Evans, Vince Marrow sowie dem Deutschen Peter Heyer haben Sie mehrere Spieler trainiert, die später in der NFL einen Vertrag bekamen. Wer könnte nun von den Cologne Centurions den Sprung in die NFL schaffen?

Heidelberg: Um in die NFL zu kommen, braucht man extrem viel Talent und extrem gute Fähigkeiten. Die ELF ist ein gutes Schaufenster, um sich zu zeigen. Wir werden sehen, wer diese Chance ergreifen kann.  

ran: Sie kamen Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland und übernahmen damals die Hamburg Blue Devils. Was war der Grund dafür, dass Sie als Amerikaner überhaupt den Schritt nach Europa gemacht haben?

Heidelberg: Ich wollte einfach als Footballtrainer arbeiten. In Hamburg bekam ich die Möglichkeit, dies zu meinem Beruf zu machen. Ich war damals Single. Daher hielt mich nichts in Amerika. Zudem muss man wissen, dass American Football damals vor allem in Hamburg sehr beliebt war. Wir hatten bei jedem Heimspiel zwischen 8.000 und 10.000 Zuschauer.

ran: Wie beurteilen Sie die Entwicklung, die American Football in Deutschland seitdem genommen hat? 

Heidelberg: Der Football in Deutschland ist besser als damals. Wir haben hierzulande mittlerweile so viele gute Trainer und Spieler. Dass die NFL und der Super Bowl in Deutschland so viele Menschen begeistert, trägt natürlich seinen Teil dazu bei.

ran: Sie selbst kehrten zwischenzeitlich nach Nordamerika zurück, waren unter anderem Gasttrainer in der Canadian Football League bei den Toronto Argonauts. War es damals Ihr Wunsch, sich dauerhaft im amerikanischen Profi-Football zu etablieren?

Heidelberg: Nein. Es ging mir einfach darum, eine neue Erfahrung zu sammeln. Canadian Football ist ein anderes Spiel als American Football. Auf jeder Seite stehen zwölf statt elf Spieler, außerdem ist das Feld viel größer. Das war eine interessante Zeit. Aber ich bin lieber Trainer im American Football.  

Das Interview führte Oliver Jensen

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