Der deutsche Football wächst. - Bildquelle: imago images/EibnerDer deutsche Football wächst. © imago images/Eibner

Düsseldorf - Bei Russell Wilson spannt sich unter dem Seahawks-Trikot bereits ein kleiner Bauch, dafür hat er aber ein extrem gutes Auge.

Ein kurzer Blick zu Odell Beckham Jr., der einen Sprint angezogen hat, dann entscheidet sich Wilson blitzschnell um und wirft zu Cam Newton. Jadrian Clark und Kasim Edebali schauen durchaus angetan zu, während Aaron Rodgers wohlwollend nickend einen ordentlichen Schluck Bier nimmt.

Ein Stück weiter weg beißt Jimmy Garoppolo in seine Wurst.

Eine kurze Episode nur, ein witziges Bild, ehe sich die Fans der diversen Teams und Spieler wieder unter die Menge mischen.

Entspannte Stimmung beim Miteinander

Wer sich am Sonntag vor dem EFL Bowl zwischen der Frankfurt Galaxy und den Hamburg Sea Devils vor der Nordtribüne der Düsseldorfer Arena platzierte, hatte einen ziemlich guten Überblick über ein ebenso komprimiertes, wie beeindruckendes Bild der deutschen Football-Fan-Kultur. "Die Fan-Meile war wirklich einzigartig. Besser kann man es nicht machen", sagte Sea-Devils-Coach Andreas Nommensen.

Natürlich war so ziemlich jedes NFL-Team vertreten, und natürlich auch die beiden Finalisten der ersten Saison der European League of Football. Inmitten der zahlreichen Grillstationen, Getränkestände, Merchandise-Shops und der Programm-Bühne zeigte sich recht deutlich der Unterschied zu König Fußball: entspannte Stimmung, ein Miteinander beider Lager, bei dem der Sport im Mittelpunkt steht - der deutsche Football feiert sich selbst.

Keine Frage: Es ist eine andere Fan-Kultur, allerdings eine, die längst nicht mehr in den Kinderschuhen steckt.

Denn beim großen Finale der Debüt-Saison zeigte sich auch das Potenzial, das der American Football in Deutschland hat. Mit gut aufgelegten Fans, die Lust auf ein gutes Spiel, Dramatik und Unterhaltung hatten.

Die Stimmung? Rundete das spannende und bisweilen spektakuläre Finale ab.

Die ELF wächst

Mit der European League of Football soll die Sportart, die in Deutschland seit Jahren auch durch #ranNFL immer mehr Zuspruch erfährt, auch abseits der großen NFL wachsen, nicht nur hierzulande, sondern auch über die Staatsgrenzen hinaus. Dafür kehrt zum Beispiel 2022 ein bekannter Name auf die nationale Bühne zurück.

Denn wachsen wird die ELF bereits nach ihrer ersten Saison, von acht auf mindestens elf Teams. Mit dabei: Düsseldorf Rhein Fire. "Das ganze Jahr habe ich Nachrichten von Fans bekomme, dass ich Rhein Fire zurückbringen soll. Jetzt sind sie zurück", sagte Commissioner Coach Patrick Esume nicht ohne Stolz.

Die Liga werde bis zum Start der Saison 2022 wachsen, weitere Teams folgen, das sei sicher, so Esume: "Düsseldorf Rhein Fire ist die Nummer elf, aber es werden mindestens zwölf Franchises antreten, vielleicht sogar mehr. Wir sind in vielversprechenden Gesprächen und können zeitnah Neuigkeiten bekanntgeben."

Für ihn als Initiator der Liga war es ein emotionaler Tag.

Besondere Momente für Coach Esume

Bereits der Münzwurf, unter dem tosenden Applaus der 21.000 Zuschauer, war für Esume ein besonderer Moment, es schloss sich für ihn gewissermaßen ein Kreis, gute drei Monate nach dem ersten Kickoff, bei dem im Juni noch nicht so klar war, wohin die Reise gehen würde. Fest steht: Die Liga ist auf einem guten Weg.

"Am Ende der Saison würde ich sagen, dass es eine Milliarde Dinge gibt, die anders, besser, schöner hätten sein können. Auf der anderen Seite hätte ich die Tatsache unterschrieben, dass wir unser Finale in Düsseldorf vor über 20.000 Fans austragen werden, dass wir alle 43 Spiele vor Fans bestreiten, dass wir über die Saison hinweg insgesamt über 100.000 Tickets verkauft haben", sagte Liga-Boss Zeljko Karajica.

Weiterer Höhepunkt war für den Commissioner und die Liga die Vorstellung der drei Neuen, denn neben Rhein Fire sollen auch die Vienna Vikings und die Raiders Tirol die Liga bereichern.

Wichtig: Trotz der guten Nachrichten dürfen sich die Verantwortlichen nicht zurücklehnen, sondern Verbesserungen und Änderungen angehen. Für den ELF Bowl wäre das zum Beispiel die Halftime Show, denn zwar legten da die zwei Weltklasse DJs Rafik und ESKEI83 auf und lieferten sich ein DJ-Battle - allerdings an der Seitenlinie und damit relativ unspektakulär im Vergleich zur NFL, die in vielen Dingen als Vorbild dient.

Dramatische Schlussphase

Das Finale selbst war Werbung für den Sport, mit irren Wendungen und ganz viel Drama, mit einem strahlenden Helden Jakeb Sullivan, der mit einem Quarterback-Sneak das Spiel entschied.

Und mit einem untröstlichen Pechvogel Philip Friis Andersen, der den möglichen Titelgewinn der Sea Devils auf dem Fuß hatte, das Field Goal aus 63 Yards Entfernung aber nicht verwandelte. Das 32:30 der Galaxy war der sportlich spektakuläre Schlusspunkt einer guten Debüt-Saison - mit Luft nach oben.

Nach dem Spiel ging es vor der Nordtribüne übrigens weiter. Gemeinsam versteht sich. Zu feiern hatten schließlich alle was - den deutschen Football. Und den europäischen.

Andreas Reiners

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