Jan-Phillip Bombek von den Hamburg Sea Devils stand bei den Los Angeles Rams... - Bildquelle: imago images/LobecaJan-Phillip Bombek von den Hamburg Sea Devils stand bei den Los Angeles Rams kurz vor einer Vertragsunterschrift © imago images/Lobeca

ran.de: Herr Bombek, die Hamburg Sea Devils wurden vor der Saison als einer der Titelkandidaten gehandelt. Hat der gute Saisonstart diese Ambitionen unterstrichen?

Bombek: Ich denke, dass sich das Feld in der Liga zwischen den Teams so langsam teilt. Bevor wir uns aber als Titelanwärter bezeichnen, müssen wir erst einmal schauen, wie die beiden Spiele gegen die Wroclaw Panthers und das Rückspiel gegen Frankfurt Galaxy ablaufen. Wir haben zwar das Hinspiel gegen Frankfurt gewonnen. Allerdings war das der erste Spieltag. Beide Mannschaften waren fehleranfällig.

ran.de: Was hat die Hamburg Sea Devils bislang so stark gemacht?

Bombek: Unsere Defense und unsere Special Teams. Wenn die Offense einmal Probleme bekam, hat die Defense das Team im Spiel gehalten und der Offense das Leben einfacher gemacht.

ran.de: Der bekannteste Spieler der Hamburg Sea Devils ist der deutsche Ex-NFL-Profi Kasim Edebali. Wie erleben Sie ihn als Mitspieler? 

 

Bombek: Er ist ein fröhlicher und offener Teamkamerad. Vor allem den Spielern, die noch nie höherklassig gespielt haben, greift er gerne unter die Arme. Er ist ein Leader, zu dem die jungen Spieler aufblicken.

ran.de: Trotz des erfolgreichen Saisonstarts gab es bereits einen Trainerwechsel. Head Coach Ted Daisher wurde freigestellt. Seine Funktion übernahm Andreas Nommensen. Wie sehr hat Sie das überrascht?

Bombek: Ich persönlich war nicht überrascht, weil sich das angedeutet hatte. Die Persönlichkeiten waren einfach zu verschieden. Ein Knackpunkt war sicherlich, dass er ein anderes Level von Professionalität erwartet hat. Er ging das mit einer typisch-amerikanischen Mentalität an. Trainer und Spieler, die nur in Europa tätig waren und das nicht kannten, hatten damit ihre Probleme.

ran.de: Sie haben bis zum Jahre 2019 am College für die Colorado State Rams in der NCAA Division I gespielt. Wie hoch ist verglichen damit das Niveau in der European League of Football?

Bombek: Das Niveau in der NCAA Division I ist, freundlich gesagt, ein ganz anderer Schnack. Das lässt sich überhaupt nicht vergleichen. Ich glaube auch nicht, dass die ELF jemals dieses Niveau erreichen wird. Aber das sollte auch nicht die Ambition sein. College-Spieler aus der Division I spielen bereits ihr ganzes Leben Football. Seitdem sie sechs oder sieben Jahre alt sind, trainieren sie fünf Mal die Woche. In Deutschland fangen die Spieler später an und trainieren zwei Mal die Woche.

ran.de: Von Ihnen stammt das Zitat "Niemand wollte mir eine Chance geben, also musste ich mir sie selbst geben." Ist damit Ihr Umweg über das Feather River Junior College gemeint, weil Sie zunächst kein Stipendium bei einem Division-I-College erhielten?

Bombek: Ja, genau. Die großen Universitäten wollten damals keine Spieler aus Deutschland. Agenturen, wie die von Björn Werner, die einem bei der Vermittlung helfen, gab es damals noch nicht. Daher musste ich alles alleine machen. Ich bekam viele Absagen oder gar nicht erst eine Antwort. Daher musste ich den Umweg über ein Junior-College gehen. Dort spielt man auf dem untersten und dreckigsten Niveau. Junior Colleges sind wie ein Sumpf. 100 Leute kommen dorthin, nur etwa Fünf von ihnen schaffen von dort den Sprung zu einer guten Universität.

 

ran.de: Sie haben das geschafft. Wie bewerten Sie rückblickend Ihre beiden Spielzeiten bei den Colorado State Rams?

Bombek: Es ist ein bisschen unglücklich gelaufen. Der Trainer Alvis Whitted, der mich akquiriert hatte, wechselte drei Wochen später zu den Green Bay Packers. Zudem wurde die Defense umgestellt. Ich wurde vom Linebacker zum Defensive End umfunktioniert. Dafür musste ich Körpermaße aufbauen und spielte mit einem höheren Körpergewicht, als es für mich komfortabel war. Außerdem endete die letzte Saison sehr unglücklich mit einer Verletzung.

ran.de: Sie wurden nicht gedraftet, hatten aber ein Vertragsangebot der Los Angeles Rams vorliegen. Wie kam es dazu?

Bombek: Ich habe nach meinem Pro Day mit einigen NFL-Teams gesprochen. Der Kontakt zu den Los Angeles Rams war besonders intensiv. Sie sagten, dass sie mir einen Vertrag anbieten. Der Vertrag war auch schon vorbereitet. Es waren lediglich noch einige Klauseln zu unterschreiben. Zwei Tage später kam in den USA der erste Lockdown und der Visum-Stopp. Als ich von den Rams gefragt wurde, ob ich in den USA überhaupt arbeiten darf, musste ich das verneinen.

ran.de: Damit zerplatzte der Traum von der NFL. Wie lange haben Sie damit gehadert?

Bombek: Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich das für mich akzeptiert hatte. Aber ich war realistisch: In der damaligen Situation gab es keine Chance, und damit musste ich mich abfinden. Wenn man keinen großen Namen hat, heißt es im Profisport: aus den Augen, aus dem Sinn. Dann kommt eben der nächste Spieler, der das ähnlich gut macht.

ran.de: Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dass Sie sich bei den Rams durchgesetzt hätten? 

Bombek: Das weiß kein Mensch. Natürlich hätten die Rams mich nach drei Tagen wieder nach Hause schicken können. Es hätte aber auch sein können, dass ich in den Practice Squad gerutscht und durch Verletzungen anderer Spieler in den aktiven Kader gekommen wäre.   

ran.de: Haben Sie über Alternativen wie die Canadian Football League nachgedacht? 

Bombek: Ich hätte in die CFL gehen können, habe das aber abgelehnt. Es hätte dort einen Drei-Jahres-Vertrag für das Minimum von 50.000 Dollar im Jahr gegeben. Ich müsste komplett nach Kanada ziehen, dort Steuern und eine eigene Wohnung bezahlen. Viele Spieler in der CFL arbeiten nebenher, um sich zu finanzieren. Es ist nicht mein Anspruch, ein halbes Jahr zu arbeiten, um die restliche Zeit Football spielen zu können.  

ran.de: Sie arbeiten nun als Personalberater für IT-Spezialisten. Haben Sie den Traum, sich mit guten Leistungen bei den Sea Devils noch einmal für die NFL zu empfehlen? 

Bombek: Natürlich hat man die NFL immer im Hinterkopf. Aber es ist nicht so, dass ich mich darauf fokussiere. Ich bin mittlerweile berufstätig. Ich bräuchte Zusicherungen von der NFL, sodass ich mir vier bis sechs Monate nehmen könnte, um noch einmal in Form zu kommen. Denn eines ist klar: Für die NFL bräuchte ich eine andere Form als hier in Deutschland.    

Das Interview führte Oliver Jensen

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