Max Bruder reist zum European Combine der NFL. - Bildquelle: Imago ImagesMax Bruder reist zum European Combine der NFL. © Imago Images

Leipzig/München - Max Bruder ist nicht zu übersehen: Mit seinen riesigen 2,13 Metern Körpergröße überragt er alle seine sehr großen Teamkameraden beim ELF-Team der Leipzig Kings um mindestens einen Kopf.

"Es stimmt, meine Größe ist etwas, dass man nicht trainieren kann", so der 23-Jährige über seine körperlichen Eigenschaften.

Doch der O-Liner gibt sich bescheiden und realistisch: "Ich weiß, dass meine athletischen Werte noch nicht dem entsprechen, was die Scouts der National Football League erwarten. Das habe ich auch den Liga-Vertretern am Telefon gesagt. Meine Ehrlichkeit wurde jedoch sehr positiv aufgenommen."

In London sichtet die NFL ab dem 12. Oktober die besten 50 Nachwuchsspieler Europas. Die Gewinner gelangen ins "International Pathway Program" (IPP) der NFL, verbunden mit der Chance auf einen Platz in der Trainingsreserve oder gar im 53-Mann-Kader eines NFL-Teams.

Aktuelles Paradebeispiel ist der Stuttgarter Jakob Johnson, der bei den New England Patriots in seiner zweiten Saison als Fullback spielt.

Bruder: "Ich bin überglücklich"

Vergleiche mit Jordan Mailata, dem 2,03 Meter großen Tackle der Philadelphia Eagles, drängen sich bei Max Bruder auf. Allerdings wiegt der Australier in der NFL satte 166 Kilogramm.

Mit seinem aktuellen Gewicht von 136 Kilogramm weiß Bruder, dass er noch etwas an Masse zulegen muss, um als Starter in der ELF oder sogar in der NFL bestehen zu können.

Tägliches Gewichtstraining im Sportstudio ist für den jungen Sachsen Pflichtprogramm, ebenso eine angemessene Ernährung. Ein Personal Trainer kümmert sich um gesunde Gewichtszunahme und gleichmäßiges Muskelwachstum.

Der European Combine ist für Bruder nun der erste Berührungspunkt mit der weltweit größten und beliebtesten Football-Liga, er will dort erstmals NFL-Luft schnuppern: "Es ist unglaublich, dass ich berücksichtigt wurde, dass ich nun auf dem Radar der besten Football-Liga der Welt bin. Ich bin überglücklich!"

Über Flag-Football zu den Profis

Neben den drei internationalen Spielern - Lance Leota (Neuseeland), Yoshihito Omi (Japan) und Aslan Zetterberg (Schweden) - ist Bruder der einzige Kings-Vertreter, der in Leipzig geboren wurde und den Footballsport beim lokalen Traditionsverein Leipzig Lions erlernt hat.

"Ich habe dort 2008 mit Flag-Football angefangen, bin 2015 dann zum Tackle-Football gewechselt. Zwei Jahre später, 2017, wurde ich in die Junioren-Nationalmannschaft berufen, 2018 bin ich ins erste Team der Leipzig Lions aufgestiegen", erinnert er sich.

Ein Wechsel zu einem College-Team in den USA, einst Bruders großer Wunsch, klappte nicht - genau das macht ihn nun aber für das IPP verfügbar.

 

Der Kaderplatz bei den Leipzig Kings in der European League of Football (ELF) wirkte dabei wie ein Katalysator für den jungen Leipziger.

Der Karrieresprung wäre ohne die Unterstützung seines Arbeitgebers aber gar nicht erst möglich gewesen: "Ich arbeite als ausgebildeter Kindergärtner, ein verantwortungsvoller Beruf. Meine beiden Vorgesetzten waren so unglaublich freundlich und kooperativ, sie haben sogar die Dienstpläne für mich umgeschrieben, damit ich durchweg am Kings-Training und den Auswärtsspielen teilnehmen konnte."

Leipzig Kings machen Bruder besser

Vor allem will Bruder sich, seine Teamkameraden und seine Familie stolz machen: "Meine Mutter Simone und mein Bruder Marcel sind total aus dem Häuschen, ebenso meine Freundin Antonia. Alle haben für mich auf viel gemeinsame Zeit verzichten müssen, ich bin ihnen unglaublich dankbar."

 

Ebenso bedankt er sich bei seinen Trainern und Betreuern: "Kings-Head-Coach Fred Armstrong und mein Offensive-Line-Coach Gerritt Meister haben mir die Chance gegeben, in der ELF antreten zu dürfen. Beide haben mich im Training und im Spiel besser gemacht - ebenso wie unser Defensive Coordinator Joe Bommarito. Er hat mich oft zur Seite genommen und viele Tricks erklärt, die ich im Spiel gegen die besten Defensive Linemen dringend brauchen werde."

Die spielen in der NFL. Und da will auch Bruder eines Tages hin.

Frank Schmiedel

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