Patrick Esume ist Commissioner der neuen European League of Football. - Bildquelle: imago/Horst GaluschkaPatrick Esume ist Commissioner der neuen European League of Football. © imago/Horst Galuschka

München - Im Sommer startet die neue European League of Football.

Sechs deutsche Teams sind bereits dabei, dazu die Wroclaw Panthers aus Polen. Der Commissioner der neuen Football-Liga ist Patrick Esume.

Wir haben mit dem ranNFL-Experten gesprochen.

ran.de: Patrick Esume, der Start der neuen Football-Liga ELF ist verkündet. Kann man von einer Revolution im europäischen Football sprechen?

Patrick Esume: Revolution ist ein sehr zweideutiger Begriff. Zum einen kann es bedeuten, dass etwas revolutionär Neues kommt. Dann würde ich sagen: Ja. Aber Revolution bedeutet ja auch, dass man etwas Altes, Schlechtes abreißen will, um etwas Neues zu bauen. Das ist es nicht. Aber etwas revolutionär Neues ist die ELF auf jeden Fall.

ran.de: Wie kam es zu der Liga-Gründung?

Esume: Ich glaube, es gab überall in Deutschland die Überlegungen und Bestrebungen, dass wir eigentlich eine professionellere Football-Liga brauchen, die der medialen Aufmerksamkeit, die der Sport durch ran Football hat, gerecht wird. Seit drei Jahren arbeite ich schon daran. Das war ein längerer Prozess. Aber jetzt ist es konkret geworden.

ran.de: Mit Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Hildesheim/Hannover und Ingolstadt sind sechs deutsche Teams dabei. Werden diese nun die GFL verlassen, oder ist es möglich in ELF und GFL zu spielen?

Esume: Dafür muss man verstehen, dass die GFL-Teams Vereine sind, die als ganzheitlicher Verein im deutschen Football-Verband spielen. Damit haben wir nichts zu tun. Wir haben ausgegliederte Teams, die sich neu gründen und keine juristische Vereins-Struktur haben, sondern zum Beispiel GmbHs sind. Also ist es nicht so, dass ein GFL-Verein in die ELF wechselt. Denn zu einem Verein gehört ja auch die Jugend, die zweite Mannschaft, das Cheerleading-Team. Das ist bei der ELF nicht der Fall.

ran.de: Also könnte es durchaus sein, dass ein Verein eine Mannschaft in der ELF und eine in der GFL ins Rennen schickt?

Esume: Nein, das ist nicht möglich. Vereine sind nicht Teil unserer Struktur. Und ich wage zu bezweifeln, dass eine Stadt oder eine Franchise Budgets für zwei Teams stemmen kann. Wir haben auch keine Ambitionen, dem Amateur- und Verbands-Football in Deutschland etwas wegzunehmen. Das ist nicht unser Plan.

ran.de: Sie sprechen von Franchises. Ist die NFL das große Vorbild der neuen ELF?

Esume: Die NFL ist für viele Sportligen ein großes Vorbild, weil sie die größte, finanzkräftigste und umsatzstärkste Liga der Welt ist. Das ist natürlich ein sehr großer, weit entfernter Stern. Aber man kann sich natürlich viel von der NFL abschauen und für sich nutzen.

ran.de: Zum Beispiel das Regelwerk. Warum fiel die Entscheidung, nach NFL-Regeln zu spielen?

Esume: Dafür gibt es mehrere Gründe. Es ist tatsächlich eine Neuerung, dass wir nach den NFL- und nicht nach den College-Regeln spielen. Das Spiel wird dadurch attraktiver. Damit bringen wir zum einen ein spannendes Produkt auf den Rasen und eröffnen uns zum anderen die Möglichkeit, eine enge Allianz mit der NFL im Hinblick auf die Entwicklung von Spielern und Schiedsrichtern einzugehen

ran.de: Wie sieht der Job als ELF-Commissioner konkret aus?

Esume: Mein Job ist es, zusammen mit den Franchises alles in Bezug auf den Sport zu definieren. Wir tauschen uns schon lange aus. Wenn man so eine Reise startet, ist natürlich auf der Football-Seite viel zu tun. Da bin ich dran, das ist ein sehr zeitintensiver und anspruchsvoller Job. Aber er macht auch Spaß, weil es am Ende des Tages um meine Kernkompetenz Football geht.

ran.de: Und der Job als Commissioner lässt sich auch gut mit dem Job bei #ranNFL verbinden?

Esume: Ja, auf jeden Fall! Ich bleibe in meinem Arbeitsfeld American Football und tauche künftig nicht nur auf NFL-Ebene auf, sondern tauche auch hier zuhause bei uns in Deutschland wieder tiefer in die Materie ein.

 

ran.de: Bis 2007 gab es die NFL Europe. Diente diese Liga auch als Vorbild?

Esume: Das europäische Modell ist definitiv ein Vorbild. Bei der NFL Europe hat sich dann irgendwann herauskristallisiert, dass fünf von sechs Teams aus Deutschland kamen. Aber das ist 13 Jahre her, die Vorzeichen haben sich in Deutschland und Europa geändert. Genau wie im Fußball schreit es im Zuge der Europäisierung irgendwann nach einer europäischen Top-Liga. Und diesem Wunsch kommen wir jetzt nach.

ran.de: Wie stehen die Chancen, dass weitere Teams aus anderen Ländern oder aus Deutschland dazukommen?

Esume: Expansion ist natürlich ein Thema. Aber nicht nur auf europäischer Ebene, sondern möglicherweise auch auf deutscher Ebene.

ran.de: Auf die Teams kommt eine Reisebelastung zu. Ist das kein Problem?

Esume: Das hängt davon ab, wie man diese Liga strukturiert. In der NFL gibt es die beiden Conferences mit je vier Divisionen, die regional abgesteckt sind. Das hilft natürlich dabei, Reisekosten zu minimieren.

ran.de: Gibt es schon Details zum Spielplan?

Esume: Natürlich gibt es einen Rahmen. Die offizielle Saison beginnt im Mai, der Spielbetrieb im Juni. Die Saison endet dann mit dem Bowl-Game Ende September.

ran.de: Ist es ein Ziel, nach der NFL und dem College-Football eine der stärksten Ligen der Welt zu stellen?

Esume: Es gibt diverse starke Ligen auf diesem Planeten. Nicht nur in den USA, sondern auch in Mexiko beispielsweise, oder in Japan. Aber wir wollen mittelfristig auf jeden Fall mit der European League of Football ganz vorne dabei sein. Ziel ist es, in Europa eine Top-Liga zu etablieren, den größten Talenten eine Bühne zu bieten mit professionellen Strukturen, und diesen fantastischen Sport zu inszenieren, wie er es verdient.

Das Interview führte Christian Stüwe

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