Phillip Friis Andersen ist der Kicker der Hamburg Sea Devils - Bildquelle: imago/Eibner EuropaPhillip Friis Andersen ist der Kicker der Hamburg Sea Devils © imago/Eibner Europa

ran.de: Herr Andersen, Sie haben bereits in der NFL und in der GFL gespielt. Was reizt Sie nun an der ELF?

Andersen: Ich wollte einfach weiter Football spielen. Als ich von der neuen Liga gehört habe, war ich sehr interessiert. Das ist ein interessantes Modell, um Football in Europa noch populärer zu machen. Dass ich in Hamburg gelandet bin, hängt nicht zuletzt auch mit dem Head Coach Ted Daisher zusammen. Er war Special Team Coordinator in der NFL, und ich kann viel von ihm lernen.  

ran.de: Die Hamburg Sea Devils sind nicht Ihre erste Station in Deutschland. Sie haben bereits in der GFL gespielt. Was unterscheidet die beiden Ligen voneinander?

Andersen: Ich möchte gar nicht beurteilen, welche Liga nun besser ist. Die ELF hat einen sehr großen Pool an Talenten. Aber es sind einfach zwei unterschiedliche Modelle, die sich schwer vergleichen lassen. Die ELF ist eine Profiliga, man verdient Geld und hat dadurch auch mehr Verantwortung.  

ran.de: Sind Sie bei den Hamburg Sea Devils nun wirklich ein richtiger Vollprofi oder üben Sie nebenher einen Beruf aus?

Andersen: Während der Saison bin ich Profi und übe keinen anderen Beruf aus. In der Offseason kümmere ich mich um mein eigenes Business. Ich habe zusammen mit zwei anderen Jungs im vergangenen Jahr ein eigenes Gin-Label gegründet. 

ran.de: Das klingt sehr interessant. Wie kam es dazu?  

Andersen: Nachdem ich in Dänemark und Deutschland Football gespielt habe, ging ich in die USA nach Kalifornien und habe dort mit einem Kicking-Coach gearbeitet. Um dafür ausreichend Geld zu sparen, habe ich in verschiedenen Bars gearbeitet – zum Beispiel in einer Gin-Bar. Ich habe viel über Gin gelernt und mir wurde dabei geholfen, meinen eigenen Gin zu entwickeln. Das hat viel Spaß gemacht.

ran.de: Zurück zum Sport: Was ist das Ziel für die Saison?

Andersen: Wir wollen mit den Sea Devils die Meisterschaft gewinnen.

ran.de: Was für einen Eindruck haben Sie von Kasim Edebali, der früher in der NFL gespielt hat?

Anderson: Er ist ein großartiger Kerl. Er sorgt für so viel Energie innerhalb der Mannschaft. Es ist immer gut, wenn sich solche Typen im Team befinden, die auf dem Spielfeld und neben dem Spielfeld einen solch positiven Einfluss haben. Er ist einer der Leader unseres Teams. 

ran.de: Auch Sie haben Erfahrungen in der NFL gesammelt. Vor zwei Jahren standen Sie bei den Tampa Bay Buccaneers unter Vertrag. Erinnert Sie das Training in der ELF ein wenig an die NFL?

Anderson: Es ist natürlich schon ein bisschen anders. Wir trainieren hier auch sehr viel. Aber in der NFL verbringt man den ganzen Tag auf dem Trainingsgelände. Außerdem haben wir bei den Hamburg Sea Devils keine eigene Trainingsanlage. Aufgrund der Pandemie gibt es zudem einige Einschränkungen. 

ran.de: Warum sind Sie überhaupt Kicker geworden?

Anderson: Ich habe zunächst Fußball gespielt, seitdem ich fünf Jahre alt bin. Ich war damals Torwart und durchaus talentiert, habe in der höchsten dänischen Jugend-Liga gespielt. Aber irgendwann verlor ich das Interesse. Dafür wuchs mein Interesse an Football. Ich habe mir immer den Super Bowl und auch einige Playoff-Spiele angesehen. Also fing ich an, selber zu spielen. Zunächst war ich Wide Receiver, weil ich als Torwart gute Fanghände habe. Dann habe ich mich als Kicker probiert, weil ich bereits als Torwart einen guten Abschlag draufhatte. Ich habe mich sehr viel mit dem Kicken beschäftigt, habe mir zum Beispiel auch viele Youtube-Videos angesehen, um besser zu werden. Kicken ist vom Mentalen her ähnlich wie Golfspielen. Das gefällt mir.

ran.de: Was war das längste Field Goal Ihrer Karriere?

Anderson: Im Spiel über 58 Yards, im Training über 72 Yards.

ran.de: Beeindruckend! Wir sprachen bereits darüber, dass Sie zwischenzeitlich bei den Tampa Bay Buccaneers unter Vertrag standen. Wie kam es dazu?

Anderson: Wie erwähnt, habe ich mit einem Kicking Coach in Kalifornien trainiert. Der Coach veranstaltet in Alabama auch Trainingscamps, um die Kicker zum Beispiel auf den Senior Bowl vorzubereiten. Außerdem kann man darüber ein Pro Day absolvieren, um vor den Scouts der NFL zu kicken. Ich hatte dort einen sehr guten Tag. Die Verantwortlichen der Buccaneers waren interessiert und luden mich zum Workout ein. Danach bekam ich einen Vertrag.

ran.de: Wie denken Sie heute an Ihre Zeit in der NFL zurück?

Anderson: Es war eine großartige Erfahrung, aber auch sehr stressig. Man lernt viel über sich selbst, weil man sich praktisch in einer Extremsituation befindet. 

ran.de: Was hat gefehlt, um den Sprung in den endgültigen Kader zu schaffen?

Anderson: Die Buccaneers haben beim NFL Draft 2019 Matt Gay in der 5. Runde ausgewählt und mich kurz darauf entlassen.  

ran.de: Haben Sie den Traum, noch einmal in der NFL zu spielen?

Anderson: Wenn ich die Chance bekäme, würde ich wieder rübergehen, ja.   

Das Interview führte: Oliver Jensen

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