ran-Mitarbeiter Oliver Jensen testet F1 2022 - Bildquelle: Codemastersran-Mitarbeiter Oliver Jensen testet F1 2022 © Codemasters

München - Sebastian Vettel und Mick Schumacher tun sich in der Formel 1 derzeit schwer. Möglicherweise gelingt es mir ja zumindest auf der Konsole, die deutsche Motorsport-Ehre zu retten. Am 1. Juli erschien mit "F1 2022" der jährliche Ableger der Codemasters-Rennserie. Ich habe das Game angespielt und schildere meinen ersten Eindruck.

Jährlich erscheinende Videospiele haben meist das Problem, dass die Änderungen nicht allzu groß ausfallen. Das ist bei "F1 2022" diesmal anders. Ob das positiv ist, sei einmal dahingestellt.

Der Story-Modus aus "F1 2021" ist nämlich verschwunden - sehr bedauerlich! "Breaking Point", so hieß die Story im Vorjahr, war kurzweilig und hatte einen Hauch der Netflix-Serie "Drive to Survive". Es bleibt zu hoffen, dass es in "F1 2023" ein Comeback geben wird.  

F1 Live und Supercars sind unnötige Neuerungen

Dafür gibt es neue Inhalte. Der hinzugekommene Modus "F1 Live" soll dem Spieler einen Eindruck davon geben, wie sich das Leben eines echten Formel-1-Piloten anfühlt. Das bedeutet im Falle von "F1 2022": Der Spieler kann seine Behausung luxuriös einrichten oder verschiedene Accessoires kaufen.

Bezahlen lässt sich dies mit vom Spiel vergebenen Münzen oder mit echtem Geld. Meine persönliche Meinung: Dieser Modus ist völlig unnötig und kann gerne wieder verschwinden. Wenn ich eine Wohnung einrichten möchte, kaufe ich mir "The Sims" – und kein Rennspiel. 

Eine weitere Neuerung sind die Supercars. Der Spieler kann mit verschiedenen Supersportwagen über die Formel-1-Pisten brettern. Das klingt nach einer netten Abwechslung, überzeugt mich allerdings beim ersten Anspielen überhaupt nicht. Das Fahrgefühl ist grauenhaft. Die Sportwagen fahren sich schwerfällig.

Ganz ehrlich: Möchte ich schnelle Sportwagen fahren, kaufe ich "Gran Turismo 7" oder ähnliche Titel. Ich habe mir dieses Spiel aber besorgt, um in die Welt der Formel 1 einzutauchen.

Immerhin: Sieht man einmal von dem Story-Modus ab, sind die Spielvarianten aus dem vergangenen Jahr weiter enthalten. Dazu zählt der MyTeam-Modus, bei dem man nun im Vorfeld einstellen kann, ob man als Topteam, im Mittelfeld oder am Ende des Feldes beginnt. Auch der Karrieremodus, der Splitscreen-Modus für zwei Spieler, der Online-Modus sowie die Formel 2 sind wieder vertreten.  

Bessere Grafik, besserer Sound

Und beim Blick auf die reinen Formel-1-Aspekte des Spiels bin ich durchaus begeistert. Zunächst begab ich mich nach Miami, um die neue Rennstrecke kennenzulernen.

Mein Eindruck: Super! Im Hintergrund ist das Hard Rock Stadium der Miami Dolphins zu sehen, auf dessen Gelände die Strecke aufgebaut wurde. Kleine Details, zum Beispiel die an manchen Streckenabschnitten zu hörende Party-Musik, vervollständigen den Miami-Flair.  

Generell gilt: Die Grafik hat sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Auch der Motorensound ist deutlich besser, klingt einfach mehr nach echter Formel 1. Auch die technischen Revolutionen der Boliden in dieser Saison wurden eingefangen. Man spürt sofort, dass die Autos schwerer und damit etwas schwerfälliger als im Vorjahr sind. Wer beim Beschleunigen aus einer Kurve nicht dosiert agiert, riskiert einen Dreher - vor allem, wenn sämtliche Fahrhilfen deaktiviert sind. 

Die KI-Gegner fahren sehr aggressiv. Gefühlt agieren sie noch offensiver als im Vorjahr und steigern dadurch die Kollisionsgefahr. Das könnte zu Frust führen, da (wie in der echten Formel 1) kleinste Rempler bereits für einen Schaden am Fahrzeug sorgen. Dank der Rückspulfunktion lässt sich das Problem allerdings in den Griff bekommen.

Mehr Fahrspaß mit einem Lenkrad

Ich teste das Spiel mit dem Thrustmaster Formula Wheel Add-On Ferrari SF1000 Edition – einer Nachbildung des Ferrari-Lenkrads. Wie bereits bei der Vorjahresversion sind Spiel und Lenkrad sehr kompatibel. Sämtliche Informationen – von der Geschwindigkeit bis hin zum Zustand der Reifen - lassen sich direkt am Lenkrad-Display anzeigen.

Überhaupt ist F1 ein Spiel, welches vor allem für Lenkrad-Gamer gemacht zu sein scheint. Das Getriebe manuell zu betätigen, was einen guten Rennfahrer mit ausmacht, ist am Gamepad Fingerakrobatik. Am Lenkrad hingegen kommt dadurch echtes Rennfahrer-Feeling auf.

Fazit: Für mich persönlich ist der Neukauf durch die neue Strecke von Miami und kleine Verbesserungen im Bereich Grafik und Sound gerechtfertigt. Hier mögen die Meinungen allerdings von Spieler zu Spieler auseinandergehen. Dass F1 Life und Supercars unnötig sind, dürfte hingegen eine einheitliche Meinung sein. Ebenso der Wunsch, dass der Story-Modus im kommenden Jahr wieder zurückkehrt.   

Oliver Jensen 

Du willst die wichtigsten eSport-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

News-Ticker

Video-Tipps

Aktuelle Galerien