Der Neuling in der Runde: Union Berlin bereitet sich auf die erste Bundeslig... - Bildquelle: ImagoDer Neuling in der Runde: Union Berlin bereitet sich auf die erste Bundesliga-Saison der Klubgeschichte vor. © Imago

Berlin/München - So mancher Unioner muss sich wohl immer noch zwicken, wenn er an den 27. Mai 2019 zurückdenkt. An jenem Montag vor knapp zwei Monaten schaffte der Klub aus Köpenick Historisches. Das torlose Relegationsrückspiel gegen den VfB Stuttgart im Stadion An der Alten Försterei bedeutete den ersten Bundesligaaufstieg.

Die Hauptstadt beheimatet also erstmals seit der Wiedervereinigung zwei Erstligisten. Die Stunden und Tage nach dem denkwürdigen Datum dürften legendär gewesen sein. Die Bilder, die Mannschaft, Klub-Verantwortliche und Fans auf gemieteten Schiffen über die Spree schippernd zeigen, werden nicht nur bei den Teilnehmern unvergessen bleiben.

Seither schwappt die Euphoriewelle durch den Berliner Südosten. Den Verantwortlichen des 56. Bundesliga-Klubs ist allerdings sehr wohl bewusst, was für eine Herkulesaufgabe auf den Verein zukommt.

Doch eines dürfte sicher sein: Die Ruhe werden der stets besonnen auftretende Trainer Urs Fischer und Präsident Dirk Zingler, der als Fans der "Eisernen" seinen Traum lebt, nicht verlieren. Das kann ein nicht zu unterschätzendes Faustpfand sein beim Bestreben, den Aufenthalt in der Liga möglichst lang auszudehnen.

Das ist neu

Vieles ist bei den "Eisernen" neu - zumindest was den Kader angeht. Mehr als ein Dutzend neue Spieler wurden bereits verpflichtet. Damit wirkt der Kader jedoch auch etwas aufgebläht - aktuell stehen 35 Akteure unter Vertrag.

Trainer Fischer scheint seine Mannschaft flexibler aufstellen zu wollen. So berichten Berliner Medien zwar, er wolle an seiner Aufstiegstaktik mit Viererkette festhalten, während der Vorbereitung schickte der Schweizer sein Team jedoch auch schon im 3-5-2-System in ein Testspiel.

Das macht Mut

Für die zahlreichen Zugänge haben die "Eisernen" zwar gerade einmal knapp 7,5 Millionen Euro berappen müssen, dennoch wurde auch viel Bundesligaerfahrung an Land gezogen. Allein die ablösefreien Neven Subotic und Christian Gentner sind zusammengenommen fast 600 Mal in der deutschen Eliteklasse aufgelaufen.

Auch die Offensive sollte mit Sebastian Polter, Sebastian Andersson sowie den beiden Zugängen Anthony Ujah und Marcus Ingvartsen ordentlich besetzt sein. Polter, mit Unterbrechungen dreieinhalb Jahre für den Klub aktiv, stellte bereits einen härteren Konkurrenzkampf fest: "Mit den Neuzugängen sieht man im Training eine Qualitätserhöhung."

Auch in den Tests demonstrierten die Berliner Frühform. Gegen die österreichischen Klubs SV Ried (3:0), Blau-Weiß Linz (3:0) und First Vienna FC (4:1) gab es klare Siege.

Zuletzt wurde dem bereits in der finalen Phase der Vorbereitung steckenden Zweitligisten Erzgebirge Aue ein 1:1 abgetrotzt. Danach bilanzierte Fischer zufrieden: "Wir haben den Ball gut laufen lassen, hatten Tiefe in unserem Spiel und Geschwindigkeit. Wir wurden immer wieder über die Seiten gefährlich."

Es folgen noch Vergleiche mit Ligagegner VfL Wolfsburg und dem spanischen Erstligisten Celta Vigo. Nach Aussage des Trainers steht die Startelf für den Pflichtspielstart bereits in seinem Kopf.

Das bereitet Sorgen

Der XXL-Kader birgt natürlich Explosionsgefahr. Allein in der Offensive tummeln sich elf Spieler für wohl nur drei Positionen. Die vier bereits genannten Stoßstürmer dürften allesamt den Anspruch haben, von Beginn an zu spielen - aber womöglich schaffen es nicht einmal alle in den Spieltagskader.

Hinten drückt aus einem anderen Grund der Schuh. So kann Florian Hübner wegen einer Kapselverletzung im rechten Knie nur individuell trainieren. Subotics Union-Debüt lässt zudem auf sich warten, weil den Serben seit Mitte April eine Quetschung im linken Knie außer Gefecht setzen soll.

Dabei scheinen gerade der Ex-Dortmunder und Gentner unersetzbare Führungsqualitäten zu verkörpern - immerhin war die Bundesliga bereits jahrelang ihre sportliche Heimat. Umso schwerer dürfte ein längerer Ausfall von einem oder gleich beiden wiegen. Zumal sie in der Vergangenheit bereits mit dem Attribut Pechvogel leben mussten.

Darauf kommt es an

Mehr in der Offensive denn in der Defensive wird es Union-Manager Oliver Ruhnert nun darum gehen, das üppige Aufgebot an Spielern auszudünnen. Dabei soll er laut der "Berliner Zeitung" erklärt haben, dass aus wirtschaftlichen Gründen kein Profi unverkäuflich sei. Zuletzt befanden sich die jungen Lennard Maloney und Cihan Kahraman auf Klubsuche - beide haben keine Zukunft in Köpenick.

Das dürfte jedoch nur der Anfang sein - auch die Aufstiegshelden können sich ihres Verbleibs offenbar nicht sicher sein. Bislang verabschiedete sich aus dem Kreis nur der von Hoffenheim ausgeliehene Robert Zulj. Allerdings sollte ein Gerüst von Spielern aus der vergangenen Saison bestehen bleiben, auch wenn die Zugänge angesichts ihrer Qualität wahrscheinlich die Startelf fluten werden.

Außerdem sollten alle Unioner mit realistischen Zielsetzungen in das Abenteuer gehen. Heißt auch: bei Rückschlägen nicht sofort alles zu hinterfragen und den handelnden Personen eine gehörige Portion Vertrauen zustehen. Hier könnte Fortuna Düsseldorf als Vorbild herhalten - das Team von Friedhelm Funkel legte vergangene Saison schließlich nach neun Punkten aus den ersten 14 Spielen noch eine formidable Serie hin.

Das sagen die Verantwortlichen

Grundsätzlich haben die "Eisernen" ihre Hausaufgaben weitgehend erledigt. Wichtig wird sein, die Aufstiegseuphorie in die ersten Saisonwochen oder im Idealfall -monate zu transportieren.

Der fleißige Ruhnert versicherte im "Berliner Kurier": "Die Vorfreude auf die Bundesliga ist einfach riesengroß."

So läuft die Saison

Jeder, der es mit Union hält, dürfte einzig darauf hoffen, dass der Neuling zwei oder sogar drei Teams hinter sich lässt. Das sollte auch machbar sein.

Voraussetzungen: Im Kader kommt es wegen unzufriedener Spieler nicht zu diversen Nebenkriegsschauplätzen und Führungsfiguren wie Gentner oder Subotic können wirklich wie geplant voranschreiten.

Fun Fact

Seit diesem Sommer sind der aus Mainz geholte Anthony Ujah und der fest von Augsburg verpflichtete Marvin Friedrich die Rekordtransfers von Union Berlin - mit jeweils zwei Millionen Euro.

Infos zum 1. FC Union Berlin

Kader

Spielplan

Transfers

Voraussichtliche Aufstellung: Gikiewicz - Trimmel, Friedrich, Subotic, Schlotterbeck - Schmiedebach, Prömel, Gentner - Becker, Ujah, Bülter

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