Kommt ohne Titel zum FC Bayern: Julian Nagelsmann. - Bildquelle: gettyKommt ohne Titel zum FC Bayern: Julian Nagelsmann. © getty

München - Nach der herben 1:4-Schlappe gegen Borussia Dortmund am Donnerstagabend zeigte sich Julian Nagelsmann sichtlich enttäuscht.

"Meine Gefühlslage ist nicht so gut, trotzdem bin ich stolz auf die Mannschaft", erklärte der Oberbayer bei "Sky" nach dem Spiel. 

So gehe es laut Nagelsmann nach dieser Partie nicht nur um ihn, meinte er, die Stimmung und Berichte in den sozialen Medien zeichneten jedoch ein anderes Bild. Vor allem seine ungewöhnliche Startaufstellung sorgte für einige Diskussionen. Der künftige Bayern-Trainer nahm der Kritik unmittelbar den Wind aus den Segeln, doch das berüchtigte "Geschmäckle" bleibt. 

Nagelsmann: "Weiß, wie die Schlagzeilen ausfallen"

Dass sich der 33-Jährige mit seiner Aufstellung womöglich verkalkuliert hat, wolle er nicht gelten lassen: "Ich weiß, wie die Schlagzeilen jetzt alle ausfallen. Das wird alles personalisiert. Damit kann ich gut umgehen", erklärte er. Da er vor dem Spiel Topvorlagengeber Angelino aus dem Kader strich, erwartete er auch in dieser Angelegenheit ein Echo. 

"Jetzt habe ich Angelino einmal aus dem Kader gestrichen, und jetzt soll ich in der ersten Halbzeit wechseln. Da hat dann irgendwann die ganze Welt Angst vor mir. Ich habe heute schon gelesen, dass jeder Spieler jetzt Angst vor mir hat, weil ich der Königsmörder bin oder irgendwas", redete sich der scheidende Leipzig-Trainer in Rage. 

Einen Punkt nach dem anderen zerlegte er mit journalistischer Sorgfalt sein eigenes Werk: "Ich kann auch damit leben, wenn ihr sagt, ich hätte Poulsen in der 35. einwechseln müssen. Das ist für mich okay und bricht mir auch keinen Zacken aus der Krone. Das kann ich verkraften", setzte er als Statement. 

Für jemanden, der sich nach der Niederlage nicht ins Rampenlicht stellen wollte, bezog er die Gründe der Niederlage aber weitestgehend auf sich selbst - und bestätigt so indirekt, dass er eine Teilschuld an dem deutlichen 0:3-Rückstand nach der ersten Halbzeit trägt.

Kaum Lehren aus der Bundesliga-Partie

Auf die Frage, welche Lehren er aus der Final-Niederlage ziehen würde, entgegnete Nagelsmann: "Ich habe keine Lehre, da kennen Sie mich schlecht." Das würde zumindest erklären, warum er das taktische Grundgerüst trotz der 2:3-Niederlage beim BVB in der Bundesliga wenige Tage zuvor beibehielt. Auch hier liefen die Leipziger einem Rückstand hinterher, bis Nagelsmann mit Einwechslungen die taktische Umstellung vollzog. 

"Ich glaube, dass man den Spielern auch die Chance geben muss, zumindest eine Halbzeit zu zeigen, was sie können", erklärte er das erneute Vertrauen auf eine Dreier-Kette sowie in das unglückliche Neuzugang-Duo Alexander Sörloth und Hee-Chan Wang im Angriff.

Früh war zu erkennen, dass die Pokal-Partie ein ähnlichen Verlauf wie am Samstag in der Liga nehmen würde. 

Leipzig kontrollierte das Spiel, hatte jedoch im letzten Drittel kaum Zugriff und kam zu wenig Torchancen. Die Dortmunder vertrauten gekonnt auf ihr überragendes Konterspiel und zogen sich mit jedem Tor weiter zurück, während die Leipziger stur anliefen. Die kreativen Spielmacher um Christopher Nkunku und Emil Forsberg wurden erst im Laufe der zweiten Hälfte eingewechselt.

Mit diesen Beiden kam der zwischenzeitliche Umbruch im Spiel und es wurde klar, dass RB mit anderer Aufstellung am Donnerstagabend wohl mehr Chancen auf einen Sieg gehabt hätte. Stattdessen vertraute Nagelsmann auf eine Startelf, die so noch nie zusammen auf dem Feld stand und wurde Opfer seiner eigenen Experimente. 

Parallelen in die Vergangenheit

Nagelsmann verabschiedet sich also ohne Titel aus Leipzig und übernimmt im Sommer die große Aufgabe als Nachfolger von Hansi Flick in München. Hier wird sich zeigen, wie sehr ihm die Bayern-Bosse die freie Hand lassen, was das Experimentieren mit dem Kader in "Do-or-Die"-Spielen angeht. 

Besonders die erste Halbzeit gegen den BVB erinnerte stark an das Halbfinal-Rückspiel in der Champions League der Bayern gegen Real Madrid im Jahr 2014. Die damals von Pep Guardiola trainierte Mannschaft lag ebenfalls zur Halbzeit mit 0:3 zurück und wirkte völlig von der Rolle, weil der Trainer für diese Partie von seiner erfolgreichen Taktik abgewichen ist.

 

Zwar sollen damals auch die Spieler eine Änderung der Formation gefordert haben, doch bis heute gilt die bittere 0:4-Pleite gegen Real als einer der größten taktischen Fehlgriffe des aktuellen Trainers von Manchester City. 

Nagelsmann mag sich mit der Niederlage zwar keinen Zacken aus der Krone gebrochen haben, doch die weiße Taktik-Weste des Jungtrainers hat spätestens seit Berlin ein paar Flecken abbekommen. In München ist man seit Niko Kovac mit Reinigungen sparsam, weshalb Nagelsmann bei ähnlichen Ergebnissen wohl eher der komplette Austausch droht. 

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Tabelle

#MannschaftMannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
1Bayern MünchenBayern MünchenBayernFCB34246499:445578
2RB LeipzigRB LeipzigRB LeipzigRBL34198760:322865
3Borussia DortmundBorussia DortmundDortmundBVB342041075:462964
4VfL WolfsburgVfL WolfsburgWolfsburgWOB341710761:372461
5Eintracht FrankfurtEintracht FrankfurtFrankfurtSGE341612669:531660
6Bayer LeverkusenBayer LeverkusenLeverkusenB043414101053:391452
71. FC Union Berlin1. FC Union BerlinUnion BerlinFCU341214850:43750
8Bor. MönchengladbachBor. MönchengladbachM'gladbachBMG3413101164:56849
9VfB StuttgartVfB StuttgartStuttgartVFB341291356:55145
10SC FreiburgSC FreiburgFreiburgSCF341291352:52045
111899 Hoffenheim1899 HoffenheimHoffenheimTSG3411101352:54-243
121. FSV Mainz 051. FSV Mainz 05Mainz 05M05341091539:56-1739
13FC AugsburgFC AugsburgAugsburgFCA341061836:54-1836
14Hertha BSCHertha BSCHertha BSCBSC348111541:52-1135
15Arminia BielefeldArminia BielefeldBielefeldDSC34981726:52-2635
161. FC Köln1. FC KölnKölnKOE34891734:60-2633
17Werder BremenWerder BremenWerderSVW347101736:57-2131
18FC Schalke 04FC Schalke 04SchalkeS0434372425:86-6116
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