Jean-Marie Pfaff hätte anstelle des FC Bayern Arjen Robben und Franck Ribery... - Bildquelle: Getty ImagesJean-Marie Pfaff hätte anstelle des FC Bayern Arjen Robben und Franck Ribery behalten. © Getty Images

ran.de: Herr Pfaff, das bestimmende Thema beim FC Bayern in der Vorbereitung waren die ausbleibenden Transfers. Wie schätzen Sie die Arbeit des FCB auf dem Transfermarkt ein?

Jean-Marie Pfaff: "Unglücklich. Heutzutage werden Unsummen für Spieler bezahlt, und dann muss man auch noch die horrenden Gehälter und Beraterprovisionen einkalkulieren. Da waren gerade die Ankündigungen von Uli Hoeneß nicht sehr klug, als er schon weit vor der Sommerpause ankündigte, welche hochkarätigen Zugänge schon fest seien. Dabei besteht immer die Gefahr, dass man einen Wunschspieler nicht bekommt. Nun stehen die Bayern quasi mit leeren Händen da und müssen auf Notlösungen zurückgreifen."

ran.de: Was hätten Sie zum Beispiel anders gemacht?

Pfaff: "Ich hätte James Rodriguez behalten und bei Real Madrid die Option über 40 Millionen Euro gezogen, denn er ist besser als einige andere, erheblich teurere Spieler auf seiner Position."

Pfaffs Plädoyer für Robben und Ribery

ran.de: Wurden Franck Ribery und Arjen Robben adäquat ersetzt?

Pfaff: "Robben und Ribery waren über Jahre einzigartige Waffen über die Flügel. Man hätte mit beiden sprechen, sie überzeugen können, zu geringeren Bezügen zu bleiben und nur noch ab und zu zu spielen. Aber sie strahlen beim Gegner so viel Respekt aus, dass sie auch in 15 Minuten noch ein Spiel entscheiden können. Weder Robben noch Ribery können die Bayern aktuell eins zu eins ersetzen."

ran.de: Genügt der Kader den hohen Ansprüchen des FC Bayern, gerade in der Champions League?

Pfaff: "Die Bayern haben zwar einen sehr guten Kader, aber mit dem sind sie letztes Jahr leider sehr früh in der Champions League ausgeschieden. Gegen Liverpool hat man gesehen, dass es nicht reicht. Der Druck ist groß, denn alle Sponsoren erwarten vom FCB, sehr weit in Europa zu kommen. Die Meisterschaft und der Pokal sind die Pflicht und oft nur Nebensache.

Ich glaube, dass in Uli zwei Herzen schlagen. Einerseits weiß er, dass er für den Champions-League-Titel den ein oder anderen Superstar braucht. Andererseits hat er, was das Finanzielle angeht, immer sehr moderat gehandelt. Es geht nur noch um Geld - da es ist es momentan einfach schwierig, vernünftig und zum Wohle des FC Bayern zu handeln. Ich wünsche den Bayern aber, dass sie diese Saison in der Champions League wesentlich weiter kommen."

Pfaff: Kovac wird an der Champions League gemessen

ran.de: Vor der Sommerpause meinte Hoeneß, Jerome Boateng solle sich einen neuen Verein suchen, er wirke wie ein Fremdkörper. Nun scheint er aber wieder angreifen zu wollen, kam topfit aus dem Urlaub und überzeugte in der Vorbereitung mit guten Leistungen. Hat sich Boateng rehabilitiert und kann er sich sogar wieder Hoffnungen auf einen Stammplatz machen?

Pfaff: "Boateng hat auf jeden Fall die Qualität. Der Trainer wird ihm sicher immer wieder die Chance geben. Er kann jederzeit mit Lucas Hernandez oder Niklas Süle spielen. Gerade, wie sich Hernandez macht, muss man erstmal sehen. Die Abwehr ist aus meiner Sicht aber bestens besetzt."

ran.de: Wie bewerten Sie den öffentlichen Umgang mit Niko Kovac, gerade von Karl-Heinz Rummenigge? Kommt Kovac zu schlecht weg?

Pfaff: "Jeder Trainer des FCB wird nur am Erfolg gemessen. Niko stand von Anfang an unter Druck, denn die Meisterschaft und den Pokal erwartet man bei so einem Kader ohnehin. Wie er in der Champions League abschneidet, ist der Maßstab. Wenn er wieder so früh ausscheidet, steht er sicher wieder auf dem Prüfstand. Darüber ist er sich im Klaren. Aber auch ein großer Trainer wie Pep Guardiola hat die ihm gestellte Aufgabe, die Champions League zu gewinnen, nicht geschafft."

Pfaff: Hoeneß zieht auch nach dem Rücktritt die Fäden

ran.de: Oliver Kahn wird im Januar seine Probezeit beim FC Bayern antreten und soll mittelfristig Karl-Heinz Rummenigge als Vorstandsvorsitzender ablösen. Wird Kahn dem FCB guttun?

Pfaff: "Ich traue Oliver die Aufgabe absolut zu - aber er muss sich dann auch zu 100 Prozent auf den FCB konzentrieren. Für mich stellt sich da im Moment noch die Frage, was er mit seiner florierenden Firma macht, denn diese ist ja auch nur auf seine Person bezogen."

ran.de: Uli Hoeneß hat angedeutet, im November nicht mehr für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen. Was wären die Folgen, wenn Hoeneß den FCB tatsächlich verlässt?

Pfaff: "Sicher wird Uli auch nach einem Rücktritt seine Fäden ziehen und mit Rat und Tat seinem Nachfolger zur Seite stehen. Allerdings sehe ich es kritisch, dass man keinen ehemaligen Bayern-Spieler als Präsidenten vorschlägt, wie etwa Karl-Heinz Rummenigge oder Philipp Lahm. Herbert Hainer hat sicherlich die Qualität, als Aufsichtsratsvorsitzender positiv für den Klub tätig zu sein.

Dass beide Ämter von Uli ausgeübt werden, ist einzigartig und würde eine andere Person überfordern, zumal die Aufgaben immer globaler und vielfältiger werden. Deswegen sollte nach Ulis Rücktritt das Amt des Präsidenten von dem des Aufsichtsratsvorsitzenden getrennt werden."

Das Interview führte Kevin Obermaier.

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