Mats Hummels wechselt von den Bayern zum BVB. - Bildquelle: Getty ImagesMats Hummels wechselt von den Bayern zum BVB. © Getty Images

München - Jetzt ist es also perfekt. Mats Hummels kehrt nach Dortmund zurück. Das Kapitel beim FC Bayern: nach drei Jahren beendet. War vor einigen Wochen vor allem noch Jerome Boateng mit einem Abgang aus München in Verbindung gebracht worden, ist es nun also Hummels, der geht.

Das BVB-Comeback des 30-Jährigen kommt überraschend, quasi aus dem Nichts. Und soll seinen Ursprung in einem Gespräch des Innenverteidigers mit den FCB-Bossen nach dem Pokalfinale haben.

Dem Bayerischen Rundfunk zufolge wurde Hummels darin mitgeteilt, dass es in der kommenden Saison "keinen Konkurrenzkampf" in der Münchner Abwehrzentrale geben werde, Niklas Süle und Neuzugang Lucas Hernandez seien gesetzt.

Hummels darf kein Verein abgeben - auch nicht der FC Bayern

Stimmt das, könnte die Personalpolitik des deutschen Rekordmeisters nicht mehr nur als "fragwürdig" oder "riskant" bezeichnet werden.

"Abenteuerlich" wäre dann das korrekte Adjektiv.

Denn einen Hummels in seiner derzeitigen Form darf kein Verein der Welt abgeben. Vor allem nicht der FC Bayern in seiner aktuellen Situation. Und schon gar nicht so.

Süle und Hernandez: "Gesetzt" - aber riskant

Nach zugegeben durchwachsener Hinrunde stabilisierte Hummels die bayrische Abwehr nach der Winterpause in gewohnter Manier, war eine Konstante, in den großen Spielen wie in Liverpool oder gegen den BVB der Turm in der Schlacht. Der Leader. Ein Typ.

Einer, zu dem der nun "gesetzte" Süle aufblicken, an dem er sich festhalten konnte. Und das tat ihm gut. Denn auch wenn der 23-Jährige von Niko Kovac und Co. - zu Recht - viel Lob erhalten hat: Ist er wirklich schon bereit, die Bayern auf der ganz großen Bühne, etwa im Bernabeu oder an der Anfield Road, als Abwehrchef aufs Feld zu führen, konstant Topleistungen abzurufen? Oder wäre ein weiteres Jahr in der Lehre nicht besser gewesen?

Klar, die Bayern verpflichteten da ja noch einen anderen, der wohl früher oder später als Abwehrchef vorgesehen ist. Schließlich war Lucas Hernandez dem Rekordmeister nicht 80 Millionen Euro wert, weil er nichts kann. Doch auch beim Weltmeister von 2018 gibt es ein großes Problem: das Knie.

Der zweite "gesetzte" Innenverteidiger musste erst im Februar am Innenband operiert werden, stand seitdem nicht mehr auf dem Feld. Hernandez soll zum Saisonstart zwar wieder fit sein, aber wann der 23-Jährige 100 Prozent erreicht, ist nicht abzusehen. Zudem besteht im Falle einer Überbelastung die Gefahr eines Rückfalls.

Zweifelhafte Backups

Immerhin: Für den (gar nicht so unwahrscheinlichen) Fall, dass das "gesetzte" Duo Süle/Hernandez gesprengt wird, haben die Bayern (die Notlösungen Martinez, Kimmich und Alaba ausgeklammert) ja noch zwei Backups parat. Leider heißen die jedoch Benjamin Pavard und Jerome Boateng.

Der eine stieg mit dem VfB Stuttgart ab und bestach 2018/19 vor allem durch Mittelmäßigkeit. Dem anderen, dem "Fremdkörper", legte Uli Hoeneß wegen augenscheinlicher Lustlosigkeit noch vor kurzem einen Wechsel nahe, und das sogar "als Freund".

Nicht unbedingt die Spieler, denen man als Bayern-Fan gerade auf der großen Bühne (noch) die ganz großen Leistungen zutraut.

Vor allem: Bei einem Abgang Boatengs würden sich die Bayern plötzlich in einer unnötigen, weil selbst geschaffenen Zugzwang-Situation wiederfinden. Denn dann müsste der FCB auf dem Transfermarkt unweigerlich nachrüsten. Für womöglich mehr Geld. Bei nicht zwingend mehr Klasse.

Die Bayern bräuchten einen wie Hummels

Wäre da doch nur noch ein Innenverteidiger mehr im Kader.

Am besten einer, der eine immense Erfahrung hat (im Gegensatz zu Süle). Einer, der fit ist (im Gegensatz zu Hernandez). Einer, der mit einem immensen Selbstvertrauen in die neue Saison geht (im Gegensatz zu Pavard). Einer, der immer Einsatzwille und Lust signalisiert und bei der Südkurve hoch im Kurs steht (im Gegensatz zu Boateng).

Einer wie Hummels.

Doch die Bayern sehen das augenscheinlich anders, trauen dem 30-Jährigen keine Heldentaten mehr zu, ziehen ihm andere vor, jagen ihn gar vom Hof (noch dazu zum stärksten Gegner), offenbar nur weil sie das Bedürfnis sehen, den Konkurrenzkampf in der Abwehr für unumstößlich beendet zu erklären - zwei Monate vor der neuen Saison, wohlgemerkt.

Keine fragwürdige Strategie. Auch keine riskante. Vielmehr: eine abenteuerliche.

Kevin Obermaier

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