Muss er ihn bald loslassen? Jürgen Klopp (l.) hält großte Stücke auf Sadio M... - Bildquelle: Getty ImagesMuss er ihn bald loslassen? Jürgen Klopp (l.) hält großte Stücke auf Sadio Mane, doch der könnte andere Pläne verfolgen © Getty Images

München - Seit es Pressekonferenzen vor Fußballspielen gibt, ist es das alte Spiel: Die Journalisten stellen nicht nur sportliche Fragen, sondern auch solche, die dem Coach auf dem Podium so gar nicht ins Konzept passen.

Ärger in der Kabine, Chaos im Vorstand oder eben Gerüchte rund um Spieler-Transfers.

Viele Trainer flüchten sich dann gerne in die Floskel: "Ich konzentriere mich nur auf das Sportliche"…

Klopp vor CL-Finale mit Seitenhieb auf Bayern

Doch nicht Jürgen Klopp. Der Star-Trainer des FC Liverpool ließ es sich vor dem Champions-League-Finale gegen Real Madrid (ab 21 Uhr im Liveticker auf ran.de) nicht nehmen, mit einem Seitenhieb auf den FC Bayern eine kleine Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen.

Auf die Frage, ob ein Wechsel von Sadio Mane von Liverpool nach München der Bundesliga einen Schub verleihen könnte, reagierte Klopp genervt bis giftig.

 

Klopp lobt Mane überschwänglich

Auch wenn er es herunterspielt: Die Gerüchte, der FC Bayern wolle den senegalesischen Leistungsträger an die Säbener Straße locken, stören den Trainer des FC Liverpool gewaltig.

"Sadio ist in der Form seines Lebens, es ist eine Freude, ihm zuzusehen. Die Gerüchte um Bayern München sind mir im Moment egal. Wir sind voll und ganz auf das Spiel konzentriert", sagte Klopp.

Doch darf die Frage erlaubt sein: Wirklich?

Denn Klopp schob diesen Satz hinterher: "Es ist nicht das erste Mal in meiner Karriere, dass vor einem großen Spiel ein Gerücht über Bayern München aufkommt."

Das Interesse an Mane also nur eine Aktion der Bayern, um Klopp zu ärgern? Wollen die Münchener dem FC Liverpool und seinem Trainer gezielt den Champions-League-Titel versauen?

Klopp spielt wohl auf das Jahr 2013 an

Rückblick: 10. April 2013 - Borussia Dortmund mit Trainer Klopp hatte am Vortag gerade das Halbfinale der Champions League erreicht. In einem dramatischen Finish gegen den FC Malaga schoss Felipe Santana in der 93. Minute die Dortmunder zum 3:2-Sieg.

Borussia Dortmund hatte nach zwei Meisterschaften in Folge und dem Pokalsieg 2012 nun eine neue Stufe erreicht: Königsklasse. Halbfinale. Gegen Real Madrid.

Doch dann der Nackenschlag für Klopp & Co.: Mario Götze, der neuentdeckte Wirbelwind und die Symbolfigur des Dortmunder Aufschwungs, hatte sich zu einem Wechsel zum FC Bayern entschieden.

Klopp erinnert sich an Zorcs Worte: "Mario geht zu Bayern"

Noch Jahre später, damals schon als Trainer des FC Liverpool, erinnerte sich Klopp so an diesen Tag: "Es war eines der größten Spiele unser aller Karriere, weil es so wahnsinnig wichtig war - so eng, so knapp."

Michael Zorc habe ihn damals nach dem Auslaufen in sein Büro gebeten und nur gesagt: "Mario geht zu Bayern."

Klopp: "Ich habe mich einfach umgedreht, bin aus dem Büro gegangen, nach Hause gefahren, und habe mich ins Bett gelegt. Eigentlich wäre ich mit meiner Frau zu seiner Film-Premiere in Essen eingeladen gewesen. Meine Frau war mehr oder weniger schon fertig gemacht. Ich habe ihr nur gesagt: 'Heute Abend geht gar nichts.'"

Und Klopp offenbarte in diesem Interview von 2019 auch, was genau ihn so störte: "Es ist einfach nur Fußball, aber der Zeitpunkt hat mich bis ins Mark getroffen."

Klopp muss sich auf Pressekonferenz wegen Götze-Wechsel erklären

Knapp zwei Wochen später, einen Tag vor dem Halbfinale des BVB gegen Real verkündete "Bild" den Transfer-Coup der Bayern. Die Bestätigung beider Klubs folgte kurze Zeit später. Die Dortmunder Fans waren geschockt.

Doch Klopp hatte inzwischen seine Kraft wiedergefunden und setzte sie in Angriffslust um: Mit erstaunlichen Parallelen zu heute…

Wieder Pressekonferenz, wieder die Einleitung, dass man an so einem Tag sich um sportliche Dinge kümmern wolle.

Doch dann raunte Klopp: "Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist nicht günstig. Ich denke, jeder kann sich vorstellen, warum das geschehen ist… Jetzt ist es raus."

Damals wie heute: Gönnen die Bayern Jürgen Klopp den Erfolg nicht?

 

Warum sollten die Bayern Klopp schaden wollen?

Auch wenn sich der 54-Jährige ungerecht behandelt fühlt, hat seine Verschwörungstheorie ein kleines Logikproblem: Was hätte der FC Bayern 2013 von einem Finalgegner Real Madrid gehabt? Was hätte der FC Bayern heute von einer Finalniederlage für Klopp?

Damals führte die Spur an den Tegernsee. In Dortmund vermutete man Uli Hoeneß und dessen Gefolge hinter dem sogenannten "Durschstechen" des Götze-Deals an die "Bild".

Der damalige Bayern-Präsident musste sich in jenem April 2013 bereits seit Wochen mit der Steuerfahndung auseinandersetzen. Die Negativ-Schlagzeilen machten ihm zu schaffen.

Klopps klare Andeutungen in Richtung Hoeneß

"Es hätte noch schlechtere Momente gegeben. Vier Stunden vor dem Spiel zum Beispiel. Aber auf einer Skala von eins bis zehn sind wir bei neun angekommen", sagte Klopp und fügte vielsagend hinzu: "Der FC Bayern hat kein Interesse daran, uns ein Ei ins Nest zu legen, so weit geht die Rivalität dann doch nicht."

Auch Götze und dessen Berater hätten keinen Vorteil vom jetzigen Zeitpunkt der Veröffentlichung. "Da bleiben ja nicht mehr viele übrig", so Klopp weiter. In der Öffentlichkeit war vielen sofort klar: Klopp meint Hoeneß!

Dass der namhafte Journalist Raphael Honigstein in diesen wilden Tagen verkündete, die Info sei nicht von Hoeneß, sondern aus der BVB-Kabine gekommen, ging derweil fast unter.

Diesmal liegen die Dinge ohnehin anders. Klopp ist neun Jahre älter und damit gelassener und erfahrener. Hoeneß hat seine Strafe längst abgesessen. Zudem sind es rund um Mane bisher nur Gerüchte - und eben kein vollzogener Transfer wie 2013 bei Götze.

Doch die aktuelle Geschichte zeigt eines ganz deutlich: Eine gewisse Antipathie zwischen Jürgen Klopp und dem FC Bayern besteht weiter. Sie brodelt dicht unter der Oberfläche und kommt nur noch selten zum Vorschein - dann aber mit Rumms und ohne Floskeln.

Stefan Kumberger

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