Bester Dortmunder in Manchester: Jude Bellingham (rechts) - Bildquelle: Imago ImagesBester Dortmunder in Manchester: Jude Bellingham (rechts) © Imago Images

München/Manchester - Jude Bellingham konnte es nicht fassen. Tief in der Hocke, die Hände vor sein Gesicht geschlagen. So stand er da. Im Strafraum von Manchester City. Mit großen Augen blickte er in Richtung Ovidiu Hategan. Voller Frust und Unglauben.

Der Dortmunder hatte City-Keeper Ederson den Ball fair abgeluchst und lief mit großen Schritten auf das verwaiste Tor zu. Schiedsrichter Hategan entschied jedoch auf Foulspiel und pfiff - noch bevor der Ball die Linie überquerte. Somit war der Eingriff des VAR nicht mehr möglich, das Tor zum möglichen 1:1 in der 37. Minute zählte nicht.

Eine Fehlentscheidung. 

"Ich habe den Ball definitiv fair gewonnen. Es ist schon ein bisschen frustrierend in Zeiten mit so vielen Kameras, dass nicht abgewartet wird, bis ich den Ball ins Netz geschossen habe, um dann die Szene zu überprüfen", sagte Bellingham im Anschluss gegenüber "BT Sports". 

Zu allem Überfluss kassierte er für sein Nicht-Foul noch die Gelbe Karte und musste fortan vorbelastet das Mittelfeld dichthalten. Umso bemerkenswerter erscheint die Leistung des gerade einmal - Achtung - 17-Jährigen im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals.

Laufstark und Passgenau: Bellingham bester Dortmunder

Der Engländer war in der BVB-Zentrale omnipräsent, spielte aggressiv gegen den Ball, laufstark, mutig und tauchte immer dort auf, wo er gebraucht wurde. Mit einer Passquote von 96 Prozent wies er laut UEFA-Spielbericht den besten Wert aller Dortmunder auf und leitete mit seinem Pass auf Erling Haaland sechs Minuten vor dem Ende doch noch das späte 1:1 ein.

Es war unter dem Strich Bellinghams beste Leistung im BVB-Trikot. Lob folgte prompt. 

In seinem Heimatland betitelte ihn der "Mirror" als "genialen Bellingham" und schrieb: "Es ist geradezu furchteinflößend, wie gut er noch werden könnte." 

In der Tat geht das Talent des BVB-Juwels im Hype um Stürmerstar Erling Haaland gerne mal unter. Mit 23 Bundesliga- und neun Champions-League-Spielen zählt Bellingham bereits in seinem ersten Jahr zu den Stammkräften der Borussia. Im Achtelfinale gegen Sevilla stand er in beiden Spielen 90 Minuten auf dem Platz, so wie nun auch im Viertelfinal-Hinspiel in Manchester. 

Als "herausragend" bezeichnete Trainer Edin Terzic daher unlängst seine Entwicklung und attestierte ihm auch abseits des Platzes ein makelloses Verhalten.

Absurde Hommage in Birmingham

Mit seiner Mutter Denise lebt Jude in Dortmund, Vater Mark, einst ein gnadenloser Stürmer in den unterklassigen Ligen Englands, lebt mit Judes Bruder Jobe weiterhin in Birmingham. Der 15-Jährige gilt ebenfalls als talentierter Fußballer und versucht im Nachwuchs von Birmingham City in die bereits großen Fußstapfen seines großen Bruders zu treten.

Mit damals 16 Jahren und 38 Tagen debütierte Jude Bellingham im August 2019 in der zweiten englischen Liga und wurde so zum jüngsten Spieler - und kurz darauf zum jüngsten Torschützen - der Vereinsgeschichte. 

Ein Jahr spielte er bei den Profis, wuchs schnell zu einem Stammspieler heran. Zahlreiche Topklubs streckten ihre Fühler aus und lockten das Talent. Bellingham entschied sich für den BVB, der für seine Dienste rund 23 Millionen Euro in den Westen Englands überwies.

Seine Rückennummer 22 wird beim Traditionsklub seitdem nicht mehr vergeben. Eine fast schon absurde Hommage an einen gerade einmal 17-Jährigen. 

Auch sein Spiel besitzt noch Schwächen

"Das Jahr in der Championship war für mich ein perfekter Start. Die Liga ist technisch sicherlich nicht so gut wie die Premier League oder die Bundesliga. Dafür verlangt sie dir physisch alles ab, davon habe ich sehr profitiert", sagte Bellingham in seinem ersten BVB-Interview. Eigentlich war er erst in der kommenden Saison fest für die erste Mannschaft eingeplant, doch auch in der Bundesliga brauchte der Engländer nahezu kaum Anlauf. 

Klar ist aber auch: Im Alter von 17 Jahren können konstante Top-Leistungen nicht der Standard sein. Auch in seinem Spiel befinden sich noch Schwächen.

Mit fünf Scorerpunkten in insgesamt 37 BVB-Spielen ist in puncto Torgefährlichkeit noch Luft nach oben. Gleiches gilt für seine Robustheit und Zweikampfstärke als Abräumer im Mittelfeld. Bellingham besitzt ein unfassbares Talent. So viel ist sicher. Wie gut er wirklich werden kann, ließ er mit seiner Leistung im Etihad Stadium aufblitzen. 

Im Englischen heißt es so schön: "Sky is the limit." Sinngemäß: Nichts ist unmöglich. Auch nicht für Jude Bellingham. 

Timo Nicklaus 

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