Beide jubelten im Achtelfinale der Champions League und dennoch muss sich de... - Bildquelle: ImagoBeide jubelten im Achtelfinale der Champions League und dennoch muss sich der FC Barcelona vor dem FC Bayern fürchten. © Imago

München - "Lasst uns keine Vollidioten sein", hallte es aus dem Munde des Anführers in der Halbzeit zwischen dem FC Barcelona und dem SSC Neapel (3:1) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League durch den Kabinentrakt.

Barca-Kapitän Lionel Messi nimmt die Sache wieder einmal selbst in die Hand. Früh reißt der Superstar den Ball an sich, erzielt das 2:0 selbst, kurz später wird ein weiteres Tor wegen eines strittigen Handspiels zurückgenommen. Es folgt der Elfmeter von Luis Suarez zum 3:0, den Messi, der bis in die Haarspitzen motiviert wirkt, ebenfalls herausholt.

Wieder einmal entscheidet der Argentinier ein Barca-Spiel quasi im Alleingang. Zwei Tore hätten Napoli gereicht, um den Katalanen das Genick zu brechen. Messi und Co. sind zwar ins Viertelfinale der Königsklasse eingezogen, stehen jetzt aber vor einem Duell mit dem FC Bayern - bei dem sehr viel an die Zeit von vor sieben Jahren erinnert, als der Henkelpott das letzte Mal in München überwinterte. 

 

Erinnerungen an die Schmach von 2013

4:0 und 3:0. Im Halbfinale der Champions League 2013 verspeisten die Bayern den FC Barcelona regelrecht. Es war damals die wohl stärkste Münchner Mannschaft des Jahrtausends, aber auch eine sehr gute katalanische. Barca gewann zeitgleich die spanische Liga mit 100 Punkten und hatte trotzdem keine Chance, auch weil Messi angeschlagen war und im Hinspiel erst gar nicht auflief.

Heute, sieben Jahre später, stehen die Katalanen am Scheideweg. Gerüchte um einen Weggang Messis werden lauter, in der Liga ist Barca von Real Madrid abgehängt worden. Die Stimmung im Verein ist seit Monaten am Boden, Superstars tummeln sich reihenweise auf der Tribüne, werden verliehen oder wollen weg. Und der FC Bayern? Der findet den Glanz von 2013 langsam aber sicher zurück.

Trotz eines 3:0-Hinspielsieges gegen den FC Chelsea spielten die Bayern die Engländer auch im Rückspiel an die Wand und verbreiten weiter Angst und Schrecken. Vor allem die hohe Torausbeute sorgt für Aufsehen. 100 Tore in der Bundesliga-Saison, in der Königsklasse 31 Treffer in acht Spielen. Seit dem 7. Dezember 2019 haben die Münchner nicht mehr verloren. Es sind krasse Gegensätze vor diesem Duell im Viertelfinale, das kommenden Freitag in Lissabon ausgetragen wird.

Messi an mehr als 50 Prozent der Tore beteiligt

Nicht nur defensiv, sondern auch offensiv muss sich der FC Barcelona steigern, um den Bayern die Stirn bieten zu können. Das Team von Trainer Quique Setien kassierte in 38 Spielen 38 Gegentreffer, in den sieben Jahren zuvor waren es immer weniger.

Große Probleme gibt es aber auch auf der anderen Seite des Platzes. In La Liga erzielte Barca nur 86 Treffer, Tiefstwert seit der Saison 2007/08. 25 Treffer erzielte Kapitän Messi selbst, 22 weitere legte der Argentinier auf. Damit war Messi an mehr als der Hälfte aller Tore direkt beteiligt. Es ist eine erschreckende Abhängigkeit.

Auch die Bayern haben ihren Torjäger. Robert Lewandowski erzielte im Rückspiel gegen Chelsea seine CL-Saisontore 12 und 13. In der Bundesliga hagelte es sogar 34 Hütten. Der Unterschied: Lewandowski ist in den meisten Fällen der letzte Mann der Kette. In Barcelona hat man das Gefühl, dass sich Messi die Bälle erobern, den ersten Pass spielen, die Räume freimachen, dann das Tor vorbereiten und auch noch selbst erzielen muss.

 

Bayern viel flexibler als Barca

Dazu kommt, dass die Katalanen derzeit nur auf einen sehr kleinen Kader zurückgreifen können. Pena, Araujo, Orellana, Mingueza, de la Fuente, Reis, Puig - die Ersatzbank gegen Napoli bestand reihenweise aus jungen, unerfahrenen Spielern. Wirklich viel Flexibilität in der taktischen Ausrichtung bleiben Setien und seinem Team dabei nicht.

Der FC Bayern hat es unter Coach Hansi Flick geschafft, die Stimmung auch bei Spielern hochzuhalten, die gegenwärtig nicht auf die gewünschte Spielzeit kommen. Nicht zuletzt haben die Bayern Philippe Coutinho als Ass im Ärmel. Die Zukunft der Barca-Leihgabe ist immer noch völlig offen. Auch der Brasilianer will zeigen, was er kann, insbesondere, wenn es gegen den eigentlichen Arbeitgeber geht - der den kleinen Zauberer nicht mehr haben will.

Vor dem Duell am kommenden Freitag muss sich Barca also verdammt warm anziehen. Stürmer Luis Suarez beschrieb Bayern nach dem Neapel-Sieg als "großartiges Team und einen der Top-Favoriten", verwies aber auch auf die neuen Umstände im Viertelfinale: "Ein einziges Spiel, da hat jeder eine Chance."

Und genau das könnte für Bayern zum Problem werden. Sollte Messi einen ähnlichen Abend wie gegen Neapel erwischen, kann "La Pulga" ein Spiel im Alleingang entscheiden. Im Moment spricht aber jede Statistik für den FC Bayern, bei dem Robert Lewandowski Ähnliches leisten kann.

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