Thomas Müller vergab in der 71. Minute die große Chance zum zwischenzeitlich... - Bildquelle: 2022 Getty ImagesThomas Müller vergab in der 71. Minute die große Chance zum zwischenzeitlichen 2:0. © 2022 Getty Images

München - Julian Nagelsmann nahm einen Schluck Wasser, dann schüttelte der geschlagene Bayern-Trainer fair die Hand seines Gegenüber Unai Emery. Leon Goretzka verbarg unterdessen seine Enttäuschung unter einem Handtuch, während Robert Lewandowski und Thomas Müller konsterniert und gedankenversunken vor den eigenen Fans standen.

Die Münchner waren regelrecht in einer Art Schockstarre gefangen, als feststand, womit weder der Rekordmeister noch die allermeisten Beobachter gerechnet. Aus im Viertelfinale der Champions League gegen den vermeintlich kleinen FC Villarreal, aus der Traum vom Finale in Paris - ohne Frage eine der größten Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit des FC Bayern München. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll", meinte der sonst so wortgewandte Müller bei "Amazon Prime". "Es ist sehr bitter, das Hinspiel war der Schlüssel", fügte Nagelsmann an.

"Mehr Einsatz und Wille" kaum vorstellbar

Dieses Hinspiel mit dem 0:1, das noch höher hätte ausfallen können, war letztlich nicht zu reparieren für ein Team, das erkennbar wollte und viel investierte, aber dem ebenso offensichtlich die Genialität fehlte. Da half es auch nicht, dass Nagelsmann "eines der besten Spiele der letzten Monate" sah oder Vorstandschef Oliver Kahn betonte, dass "mehr Einsatz und Wille" kaum vorstellbar sei.

Unterm Strich blieb festzuhalten, dass die Bayern bei allem Engagement erst zu Beginn der zweiten Halbzeit wirklich mit dem Tempo und der Geradlinigkeit agierten, die es über längere Zeit gebraucht hätte. In dieser Phase fiel auch der Treffer von Robert Lewandowski (52.), der sonst relativ gut aufgehoben war bei Villarreals Raul Albiol.

Zuvor und auch in der Schlussphase prallten zu viele Bayern-Versuche am Defensivbollwerk des "Gelben U-Bootes" ab. "Es gibt wenig unangenehmere Mannschaften, man braucht viel Geduld", sagte Kahn, der als einzigen Vorwurf die Chancenverwertung sowie die Anzahl der Chancen anführte. "Wir müssen das 2:0 machen", bemängelte auch Nagelsmann, der defensiv von einer "Gratwanderung in der Kette" sprach, die schief ging, als Samu Chukwueze (88.) die Allianz Arena zum Schweigen brachte.

Angriffsfläche für Kritik

Was nun FC Bayern? Kahn entschied sich, nicht in Endzeitstimmung zu verfallen. "Wir sind im Viertelfinale raus, deswegen werden wir nicht in Tränen ausbrechen, sondern wieder angreifen", versicherte der Bayern-Boss. Nagelsmann gab sich betont gelassen. Er wisse nicht, was nun an Kritik auf ihn zurolle. "Angst habe ich nicht, da gibt's Schlimmeres."

Nagelsmann hatte noch unmittelbar vor dem Rückspiel darauf hingewiesen, dass eine Halbfinalteilnahme für die Münchner das Minimalziel sei. Seine Aufstellung, die der Coach mit "no guts, no glory" ("kein Mumm, kein Ruhm") betitelte, war nicht von Erfolg gekrönt. Der 34-Jährige lieferte in seinem bisher wichtigsten Spiel als Bayern-Coach nicht das nötige Resultat und damit Angriffsfläche für Kritik.

Klar ist auch, dass die zahlreichen Fragen, die sich bereits in den letzten Wochen um Personalien und Perspektiven drehten, nicht weniger werden. Die Causa Lewandowski dürfte eher noch an Fahrt aufnehmen. Kahns Verweis auf die Vertragslaufzeit bis 2023 und die Aussage: "Wir haben Robert auf jeden Fall noch bei uns für eine Saison", waren nicht entschieden genug, um der Debatte die Nahrung zu entziehen.

Meistertitel als Trostpreis?

Und die Lewandowski-Situation ist nicht die einzige offene Vertragslage, die aktuell verhandelt wird. Es geht um Thomas Müller, es geht um Manuel Neuer und es geht um Serge Gnabry, deren Arbeitspapiere allesamt im Sommer 2023 enden. Mit diesem bitteren Ausscheiden entstehen womöglich auch neue Abwägungen für den Verein.

Kahn, der diesen Themen versucht, mit Ruhe und Unaufgeregtheit zu begegnen, ahnte jedenfalls schon, dass diese Saison öffentlich nun eine weit skeptischere Bewertung erfahren wird.

Der Meistertitel als Trostpreis? Nicht mit dem früheren Nationaltorhüter: "Wir haben die großartige Möglichkeit", entgegnete er, "zum zehnten Mal in Folge deutscher Meister zu werden." Da sei noch keinem Team in Europa gelungen, "darauf konzentrieren wir uns." Dass das so einfach wird, wie der FC Bayern sich wünscht, ist unwahrscheinlich.

Ruben Stark

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