Jamal Musiala. - Bildquelle: imago images/Christian SchroedterJamal Musiala. © imago images/Christian Schroedter

München – Thomas Müller ist entspannt. Noch. Fragen zur Zukunft begegnet der 32-Jährige deshalb gewohnt humorvoll. Obwohl die Jugend den Druck erhöht.

Als Müller sein Bundesliga-Debüt beim FC Bayern feierte, war Jamal Musiala fünf Jahre alt. 13 Jahre später könnte ein Generationenwechsel beim Rekordmeister anstehen. Denn mit zarten 18 schickt sich Musiala an, in der Offensive etablierten Kräften wie Müller den Stammplatz streitig zu machen.

"Joa ... irgendwann kann er ihn haben", scherzte Müller. Und meint erwähnten Stammplatz.

Aus Spaß wird schnell Ernst

Doch aus Spaß könnte bald durchaus Ernst werden. Denn das Lob, mit dem der Youngster von Mitspielern, Experten und Trainer vor dem Champions-League-Auftakt am Dienstag beim FC Barcelona (ab 21:00 Uhr im Liveticker auf ran.de) überschüttet wird, deutet das Potenzial, das die Bayern da im Kader haben, mehr als deutlich an.

"Das Besondere ist einfach bei ihm, dass er zu seinem ganzen Talent, das er hat, auch einen tollen Charakter besitzt, bescheiden ist - aber mit Ball auch Selbstvertrauen hat", sagte Müller.

Charakter – das wird ihm auch vom Trainer bescheinigt. "Ich hatte bereits einige Nachwuchsspieler - er ist schon außergewöhnlich, sowohl vom Talent wie auch vom Charakter", sagt Julian Nagelsmann. "Er ist sehr demütig, will arbeiten und hört zu. Du hast nie in seiner Ausstrahlung das Gefühl, dass er abgehoben sei."

Bodenständigkeit ein wichtiger Faktor

Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: Bodenständigkeit. Fokus. Demut. 

Vor allem dann, wenn man von Teamkollegen hört, man sei ein Zauberer (Müller). Oder von ehemaligen Weltfußballern, man könne ein zweiter Neymar werden (Lothar Matthäus).

Viele Talente verlieren auf dem Weg nach oben die Selbstreflexion, haben den Sinn noch nicht für das Geschäft, das schnell hochjubelt, aber noch schneller fallen lässt.  

Stattdessen lassen die Nachwuchsstars ihre Chancen liegen, lassen sie ungenutzt verstreichen. Oder sie verlieren ob des Lobes die Bodenhaftung, vernachlässigen die tägliche Arbeit, entwickeln sich nicht weiter, sondern stagnieren.

Denn Talent hin oder her – das Geschäft ist unerbittlich und vergisst schnell. Vor allem bei einem Klub wie dem FC Bayern bekommt der Nachwuchs zwar seine Möglichkeiten, allerdings nicht immer so viel Zeit wie bei anderen Klubs.

Doch Musiala ist "clever", so Müller, "und er arbeitet. Dieses Gesamtpaket in so jungen Jahren macht ihn besonders - und wenn er das so einbringt, dann ist er für uns nicht nur eine Ergänzung, sondern entscheidet auch Spiele für uns".

Virtuose am Ball

Und das auch noch auf eine ästhetische Art und Weise. Ein Virtuose am Ball, kreativ,mit Spielwitz und Torinstinkt ausgestattet, zielstrebig – und unbekümmert, mit nicht zu übersehenem Spaß an dem, was er da tut. Einer, der auf sein Gefühl hört, nach Gefühl spielt. So hat sich der Sohn einer Mutter mit deutsch-polnischen Wurzeln und eines nigerianischen Vaters, der in Stuttgart geboren wurde und in England aufwuchs, für die deutsche Nationalmannschaft entschieden. 

Nach Gefühl, wie er sagte. Ganz Instinktfußballer.

Auch Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic sieht in Musiala etwas Besonderes. "Ich finde es super, dass er sich im Sechzehner einfach keinen Stress macht. Er nimmt die Bälle genau so an wie im Mittelfeld. Die Tore, die er macht, sind jetzt schon klasse. Und da ist noch sehr viel Potenzial. Ich bin froh, dass er schon so stabil ist", sagte Salihamidzic bei "Sky90".

Jamal Musiala: Kommunikativ und wissbegierig

Was hilft: Der 18-Jährige ist aktuell Joker, kommt von der Bank, wird behutsam aufgebaut, der Klub achtet auf das Tempo des Talents. Trotzdem ist Musiala schon jetzt ein Faktor.  

In vier Bundesliga-Einsätzen kommt er auf zwei Tore und zwei Vorlagen, insgesamt hat Musiala in 31 Bundesliga-Partien acht Tore erzielt und drei vorbereitet. Die Nationalmannschaft nutzt er zur Weiterentwicklung schon, jetzt kommt in dieser Saison auch die Königsklasse dazu, in der er im Vorjahr sein Debüt feierte. Die großen Bühnen, die ihm bei den nächsten Schritten helfen sollen.

Das übernimmt er aber auch selbst. Wie Müller bestätigt, ist Musiala "sehr kommunikativ. Er fragt mich aber jetzt nicht, wie man einen Spieler ausspielt ... sondern das frag ich eher ihn. Aber in anderen Bereichen wie Anlaufverhalten oder in welche Räume er soll, da ist er schon wissbegierig. Es ist auch auf dem Platz so, dass er dir folgt."

Bis er dann "irgendwann" soweit ist, Müllers Stammplatz zu übernehmen. 

Joa – und manchmal kommt irgendwann schneller als gedacht.

Andreas Reiners

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