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Liverpool/München - Die zweite Meisterschaft mit dem FC Liverpool hat Jürgen Klopp vergangenes Wochenende hauchdünn verpasst. Nach dem Gewinn des FA Cups und des Ligapokals wurde der Deutsche von der Premier League aber zum Trainer des Jahres ernannt. Zum zweiten Mal nach 2020.

Kommenden Samstag steht der 54-Jährige im Champions-League-Finale mit den Reds, dem dritten binnen fünf Jahren. Es gibt die Chance zur Revanche gegen Real Madrid, gegen das er 2018 mit 1:3 verlor. Klopp selbst möchte aber keine Rache für das Spiel, sondern betonte, dass man sich immer zwei Mal im Leben sehe und jetzt habe man die Chance, es besser zu machen als damals.

Sollte ihm die Revanche gelingen, bastelt Klopp weiter an seinem Legendenstatus in Liverpool.

Zudem kann er der dritte Deutsche werden, der die Königsklasse zweimal als Trainer gewinnen konnte. Spätestens dann muss man die Frage stellen: Ist er der beste deutsche Trainer der Geschichte?

Vom Underdog zum Meistermacher

Die Trainerkarriere des Jürgen Klopp begann so stürmisch wie sein Verhalten an der Seitenlinie ist. Im Februar 2001 übernahm er - noch ohne einen Trainerschein für den Profifußball - als Interimslösung den 1. FSV Mainz 05, für den er drei Tage zuvor noch als Spieler auf dem Rasen stand. Unter seiner Leitung gelang der Klassenerhalt, später folgte der Aufstieg in die Bundesliga und die Fast-Qualifikation zum UEFA-Pokal.

Nach dem erneuten Abstieg und dem Verpassen des Wiederaufstiegs übernahm "Kloppo" nach sieben Jahren in Mainz den BVB. Innerhalb von zwei Saisons formte er aus den "Schwarz-Gelben" eine Spitzenmannschaft, mit der er zwei Meisterschaften und einen DFB-Pokal gewann. 2013 erreichte er zudem sein erstes Finale in der Champions League mit Borussia Dortmund. Nach sieben Jahren und drei Titeln verließ er Dortmund, schnaufte kurz durch - ehe es ihn nach England zum FC Liverpool zog.

Klopp: "The Normal One"

Auch dort bekam er die nötige Zeit. Schon bei seiner Vorstellung wurde er zur Marke. "The Normal One" nannte er sich in Abgrenzung zu "The Special One", Jose Mourinho. Doch auch Klopp ist eigentlich mehr "speziell" als "normal".

Klopp führte den Verein nicht nur zurück zu altem Glanz, gewann Champions League, Meisterschaft und jüngst als erster deutscher Teammanager den FA Cup. Nebenbei entfachte er mit Pep Guardiola und dessen "Citizens" die wohl spannendste Rivalität des aktuellen Fußballs.

Bundestrainer Hansi Flick lobte seinen Trainerkollegen im DFB-Trainingslager in höchsten Tönen: "Was Jürgen Klopp die letzten Jahre leistet, ist fantastisch." Und auch aus ganz fremden Reihen kommt ihm die Bewunderung zuteil. PSG-Profi Neymar gab gegenüber "MagentaTV" zu, dass Klopp einer der Größten sei, die es gibt und er ihn für einen der besten Trainer der Welt halte.

Der Beste aller Zeiten?

Einer der besten mag der gebürtige Stuttgarter sein, doch im Olymp der deutschen Trainer stehen manche noch über ihm.

Mit acht nationale Meisterschaften, die Udo Lattek in seinen Zeiten bei Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München gewann, gilt er bis heute als erfolgreichster Vereinstrainer im deutschen Fußball. Zudem holte er mit Gladbach den UEFA-Pokal, mit den Bayern den damaligen Europapokal der Landesmeister und mit dem FC Barcelona den Europapokal der Pokalsieger.

Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld gelang sogar das Kunststück, die Champions League nicht "nur" zweimal zu gewinnen, sondern sogar mit zwei verschiedenen Vereinen - in diesen Kreis wird sich Klopp auch mit einem Sieg am Samstag (noch) nicht einreihen können.

Hitzfeld ist dabei der einzige Trainer, der mit zwei Vereinen des gleichen Landes die Königsklasse holte. 1997 mit dem BVB, 2001 mit Bayern München. Mit beiden Vereinen feierte er zudem sieben Meisterschaften und zwei DFB-Pokal-Erfolge.

Heynckes gewann seine erste Champions League 1998 mit Real Madrid, die zweite 2013 mit den Bayern im Finale gegen Klopp und den BVB. In dieser Saison gelang ihm als erster Trainer das Triple mit einer deutschen Mannschaft. Gleichzeitig ist er damit einer von nur neun Trainern, die überhaupt je das große europäische Triple gewinnen konnten.

Klopp schon jetzt Teil der Diskussion

Doch muss sich Klopp nicht verstecken - trotz der weniger gewonnenen Titel. Erstens ist er noch vergleichsweise jung, zweitens zeigte Klopp auch ohne Top-Spieler großartige Trainer-Leistungen.

In Mainz und Dortmund führte er jeweils zwei zu dem Zeitpunkt unterlegene Vereine über mehrere Jahre zum Erfolg, auch Liverpool übernahm er nicht als das fußballerisches Schwergewicht, das es heute in England und in Europa ist. Jürgen Klopp pflückte nie Blumen, die er nicht selbst gesät hat. 

Klopps Erfolg auf seine Titel zu reduzieren, würde ihm daher nicht gerecht werden. Er macht aus sich, seinen Klubs, seinen Spielern stets die beste Version ihrer selbst. Die nächste Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen, hat er schon bald wieder.

Wenn er als derzeit bester deutscher Trainer den FC Liverpool gegen Real Madrid ins Finale der Champions League führt. Wenn er am Spielfeldrand seine Jungs auf dem Rasen zu Höchstleistungen treibt, leidet, in Ekstase verfällt und am Ende Carlo Ancelotti fair die Hand geben wird - ob siegreich oder im Zeichen der Niederlage.

Und sollte der 54-Jährige den Titel holen, darf man über ihn vielleicht auch jetzt schon über den besten deutschen Trainer der Geschichte sprechen.

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