Karim Benzema wechselte 2009 von Olympique Lyon zu Real Madrid. - Bildquelle: 2021 Getty ImagesKarim Benzema wechselte 2009 von Olympique Lyon zu Real Madrid. © 2021 Getty Images

Madrid/München - Im Juli macht Karim Benzema die zwölf Jahre bei Real Madrid voll. Für 29 Millionen Euro war der Stürmer im Sommer von 2009 von Olympique Lyon zu den Königlichen gewechselt.

Seitdem stand er in 546 Spielen für Real auf den Platz, erzielte 273 Tore und bereitete 141 Treffer vor. Zahlen, die ihn eigentlich zu einer Vereinslegende machen müssten. Zuletzt beim 2:0 gegen Eibar traf er im siebten Spiel in Folge, Benzema ist groß in Form. Vielleicht sogar in der Form seines Lebens.

Der Siegtreffer gegen Eibar war das 187. Tor in La Liga für "KB9", in der ewigen Torjägerliste der Madrilenen überholte er damit Carlos Santillana und liegt nun auf Platz vier. Mehr Liga-Tore haben nur Alfredo di Stefano (216), Raul (228) und Cristiano Ronaldo (311) erzielt. Drei der größten Spieler in der Geschichte von Real Madrid. Betrachtet man nur die Zahlen, müsste Benzema in einem Atemzug mit den Real-Heroen genannt werden. Wird er aber nicht. Und das hat seine Gründe.  

Denn so richtig warm wurden die Fans von Real Madrid mit Benzema nie. Die Königlichen, der noble Vorzeigeklub aus der Hauptstadt, der für schönen und spektakulären Fußball stehen will und der Junge aus dem Banlieu, dem ein Gangsta-Rapper-Image anheftet - das passt irgendwie nicht. Der mittlerweile 33 Jahre alte Familienvater war früher ebenso in illegale Straßenrennen verwickelt, wie 2009 in die Affäre um eine minderjährige Prostituierte. Sowohl Benzema wie auch der damalige Bayern-Spieler Franck Ribery wurden zwar freigesprochen, trotzdem hängt die Geschichte beiden nach.

Erpressungsaffäre sorgt für Rauswurf aus der Nationalmannschaft

Weitaus schlimmer wiegt für Benzema allerdings der Vorfall aus dem Jahr 2015, als er in die Erpressung von Mathieu Valbuena, seinem Mannschaftskollegen bei der französischen Nationalmannschaft, verwickelt war. Die Sextape-Affäre schlug hohe Wellen, Benzema musste sogar in Untersuchungshaft, seine Karriere in der "Equipe Tricolore" war damit natürlich beendet. Die Drahtzieher der Erpressung kamen übrigens aus Bron, der Kleinstadt im Einzugsgebiet von Lyon, in der Benzema seine nicht einfache Jugend verbrachte.

Ohnehin waren die französischen Fans ebenso wie die Real-Fans nie wirklich überzeugt von dem hochveranlagten Stürmer. Als junger Spieler hatte er erklärt, sich sportlich wohl in Frankreich zu fühlen, seine Heimat sei aber Algerien, wo die Wurzeln seiner Familie liegen. Dass er die Nationalhymne nicht mitsang, tat sein Übriges. Erzielte Benzema Tore für Frankreich, erhielt er Applaus. Spielte er nicht gut, wurde er ausgepfiffen. 

Benzema pflegt sein Gangsta-Rapper-Image

Dass er nicht bei allen gut ankommt, scheint Karim Mostafa Benzema mittlerweile herzlich egal zu sein. Viermal gewann er die Champions League, dreimal die spanische, viermal die französische Meisterschaft. Fast 38 Millionen Menschen folgen ihm auf Instagram, ihnen präsentiert er seinen Lifestyle mit ebenso teuren wie schrillen Designerklamotten und dicken Karren. Selbst in Songs von Deutschrappern wie Capital Bra oder Haftbefehl wird der Fußballer immer wieder besungen, die Anerkennung aus dem Gangsta-Rap-Milieu ist ihm gewiss. Benzema besitzt trotz Millionen auf dem Konto die oft zitierte Street Credibility.

Während Benzema sich gerne als harter Kerl inszeniert, ist er auf dem Platz ein ganz anderer Typ. Zwar 1,84 Meter groß und bullig, aber auch technisch hochveranlagt. Ein spielender Mittelstürmer, ein feiner Kicker, der gerne aus der Tiefe kommt, seine Tore mit rechts wie links erzielt und auch als Vorbereiter glänzt. Wenn er jedoch nicht trifft und eine Durststrecke durchmacht, wirkt er oft phlegmatisch. Was zu seinem schwierigen Verhältnis zu den Fans beiträgt. Und was vielleicht auch der Grund ist, warum Benzema nur selten genannt wird, wenn über die besten Stürmer der Welt diskutiert wird.

Mourinho verglich Benzema mit einer Katze

In der aktuellen Verfassung gehört Benzema aber zweifellos in diesen Kreis. Wenn Real Madrid im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales am Dienstagabend den FC Liverpool (Di., 21 Uhr im Liveticker auf ran.de) empfängt, wird die "Katze" im Blickpunkt stehen. Diesen Spitznamen verpasste ihm einst Jose Mourinho in seiner Zeit als Real-Trainer, weil sich Benzema so elegant auf dem Platz bewegt, aber ebenso launisch wie eine Katze ist.

Mourinho meinte dies nicht sonderlich positiv, er ließ keinen Zweifel daran, dass er lieber mit einem Hund auf die Jagd gegangen wäre. Auch Benzema mag den Spitznamen nicht. Aber letztlich passt er doch ziemlich gut.

Immer wieder kaufte Real in den letzten Jahren für viel Geld hochkarätige Stürmer, wie eine Katze mit neun Leben spielte am Ende aber fast immer Benzema. Und vielleicht gelingt es "KB9" ja irgendwann doch noch, aus dem Schatten der größten Real-Legenden herauszutreten. Ein fünfter Erfolg in der Champions League beispielsweise würde ihn in dieser Kategorie auf eine Stufe mit Cristiano Ronaldo und Alfredo di Stefano stellen.

Christian Stüwe

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