Karl-Heinz Rummenigge sieht Spiele ohne Fans als belastend für die Spieler a... - Bildquelle: gettyKarl-Heinz Rummenigge sieht Spiele ohne Fans als belastend für die Spieler an. © getty

München - Der FC Bayern darf sein Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid (4:0) austragen, obwohl ein Spieler am Vortag positiv auf Covid-19 getestet wurde und kurz zuvor noch engen Kontakt zu einigen Kollegen hatte. Soweit, so verwunderlich.

Ok, das örtliche Gesundheitsamt gab grünes Licht, weil alle ad hoc durchgeführten Tests der Bayern-Spieler negativ ausfielen. Das ist das Privileg von Fußball-Profis, respektive -vereinen. Schön für sie, gleichzeitig aber höchst fragwürdig. Ob Restaurant, Modegeschäft, Schlachtbetrieb, Schule oder Kindergarten - sobald ein positiver Coronatest publik wird, ist erstmal alles zu. Für 14 Tage. Und alle Kontakte erster Reihe müssen in Quarantäne. Für 14 Tage. Der Profifußball spielt da (mal wieder) in seiner ganz eigenen Liga.

Der FC Bayern sollte sämtlichen Entscheidern, die die Austragung des Spiels möglich machten, die Füße küssen. Und ein Höchstmaß am Demut an den Tag legen, schließlich ist die TV-Kohle dadurch safe.

"Belastung für die Spieler, ohne Fans zu spielen"

Karl-Heinz Rummenigge zeigte in seinem Interview mit "Sky" vor dem Spiel, dass er von Demut offensichtlich noch nie etwas gehört, bzw. rein gar nichts verstanden hat. Er vermisse die Fans, gab der Bayern-Boss zum Besten. Bämm! Soweit, so ok, das tun wir alle. Doch der Nachsatz war so - mindestens unglücklich, dass man die Nummer auch nach der x-ten Wiederholung nicht wahrhaben will.

"Es ist eine Belastung für die Spieler, ohne Fans zu spielen", sagte Rummenigge. Fremdschämen deluxe. Eine krachende bayerische Watschn ins Gesicht von abertausenden Menschen allein in Deutschland, die entweder ihren Job durch Corona schon verloren haben oder noch verlieren werden.

Pleitewelle, Maskenpflicht in der Grundschule

Ein neuer Lockdown, zumindest in einigen Regionen Deutschlands, rückt immer näher. Restaurant-Besitzer feilen monatelang an Hygienekonzepten, um ihre Betriebe einigermaßen am Laufen halten zu können und müssen nun neue Sperrstunden akzeptieren. Die Pleitewelle rast vor allem auf die Gastro-, Event- und Kulturbranche erbarmungslos zu. Erstklässler müssen in Bayern sechs, sieben Stunden am Stück Maske tragen, auch im Pausenhof beim - welch Ironie - Fußballspielen. Kinder dürfen ihre Eltern im Altenheim nicht mehr besuchen, es sei denn sie wollen sich für immer verabschieden. Das sind BELASTUNGEN!

Sollten die Fans noch länger draußen bleiben müssen, wird der FC Bayern schon noch ein paar D-Mark zusammenkratzen können, damit alle im Verein zufrieden sind. Es wäre ein Segen, wenn Karl-Heinz Rummenigge einfach mal still sein könnte.

Thomas Gaber

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