Feiern zusammen den nächsten Pokal: Modric, Casemiro und Kroos (v.l.n.r.) - Bildquelle: GettyFeiern zusammen den nächsten Pokal: Modric, Casemiro und Kroos (v.l.n.r.) © Getty

München/Helsinki - Es ist ein Bild, an das sich Fußballfans in den letzten rund neun Jahren bereits gewöhnt haben.

Real Madrid gewinnt eine Trophäe nach der anderen. Beim verdienten 2:0 gegen den Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt krönte sich der 14-malige Sieger der Champions League nun zum fünfmaligen Super-Cup-Sieger.

Nach einer wackligen Anfangsphase zogen die Königlichen die Zügel an und ließen den Hessen keine Chance.

Während die Torschützen Karim Benzema und David Alaba offensiv im Rampenlicht standen, hielten Toni Kroos, Luka Modric und Casemiro das Mittelfeld wieder zusammen und zeigten eine hervorragende Leistung. Das Trio macht keine Anstalten, leistungsmäßig nachzulassen. Und das, obwohl Real sich bereits in weiser Voraussicht um ihre Nachfolger gekümmert hat.

Toni Kroos nach Leistungsloch zurück in Bestform

Beim beinahe 37-jährigen Modric sind Gala-Abende in Serie quasi Normalität, bei Kroos allerdings, waren in der vergangenen Saison durchaus auch kritische Stimmen zu hören. In der Tat ist es so, dass der gebürtige Greifswalder seit gut zwei Jahren immer wieder mal Verletzungen wegstecken muss.

Die Saison begann mit einer Schambeinentzündung, die einen pünktlichen Start verhinderte. Eine tückische Verletzung, mit der Mario Götze und Arjen Robben einst monatelang ausfielen.

Sein Comeback gab der 32-Jährige erst Ende September - beim ebenso peinlichen wie geschichtsträchtigen 1:2 gegen Sheriff Tiraspol in der Gruppenphase der Champions League - und Siegtorschütze Sebastien Thill, der jetzt in Kroos' fußballerischer Heimat Rostock spielt, nutzte dabei eine Unaufmerksamkeit des Weltmeisters.

Dementsprechend wurde Kroos kritisiert. Das änderte sich in der K.o.-Runde nur geringfügig, die "Marca" schrieb nach dem 0:1 gegen Paris Saint-Germain, dass "der Fußball mittlerweile zu schnell für Kroos" sei. Bei den Sensations-Comebacks in den Rückspielen gegen den FC Chelsea und Manchester City wurde Kroos jeweils angeschlagen ausgewechselt, dafür war sein Ersatzmann Eduardo Camavinga beteiligt. Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Doch Trainer Carlo Ancelotti vertraute immer auf sein Metronom mit der Nummer acht. Auch im Finale trotzte Kroos seinen Kritikern - ausgerechnet gegen die Pressingmaschine FC Liverpool bestimmte er wieder den Takt. Dass der Fußball für den 106-maligen Nationalspieler sicher nicht zu schnell geworden ist, bewies er mit Henkelpott Nummer fünf.

Noch stärker war Kroos gegen die Eintracht. Er gewann defensiv seine Zweikämpfe, verteilte die Bälle und setzte auch offensiv Akzente. Bei der Großchance von Benzema in der 41. Minute attestierte ihm Ex-Teamkollege und "DAZN"-Experte Sami Khedira eins von vielen "Weltklasse-Zuspielen". Dass er das 1:0 Minuten zuvor mit einem seiner gefährlichen Standards einleitete, soll nicht unerwähnt bleiben.

"Real Madrid macht da weiter, wo die Mannschaft letzte Saison aufgehört hatte: mit einem Titel", schrieb "Mundo Deportivo", und die Anerkennung ist besonders bemerkenswert, stammt sie doch von einer führenden Sporttageszeitung aus Barcelona: "Carlo Ancelotti wusste ganz genau, warum er die Endspielmannschaft von Paris wieder auflaufen ließ. Da läuft alles wie am Schnürchen. Modric und Kroos hatten im Mittelfeld alles im Griff."

Das "Bermuda-Dreieck" hat noch lange nicht genug

Kroos ist wieder in der körperlichen Verfassung, sein ganzes Können abzurufen und damit seinen Nebenmännern Modric und Casemiro in nichts nachzustehen. Gerade die Erfahrung ist, was es jungen Spielern wie Vinicius jr. oder Rodrygo erlaubt, so befreit aufzuspielen. "Wir haben ja jetzt auch schon das ein oder andere Finale, gespielt, ne?", sagte Kroos gewohnt gelassen nach dem Eintracht-Sieg bei "RTL".

Die Erfahrung sieht man auch bei jedem Pass, den das Trio sich untereinander zustreichelt. "Ich nennen die Drei gerne das 'Bermuda-Dreieck'", ließ Ancelotti kürzlich wissen. "Der Ball verschwindet nämlich dort drin für den Gegner." Ein Vergleich, der passender nicht sein könnte.

Mit Vergleichen hat es der Italiener. So bezeichnete er Modric, der mit Energieleistungen und Traumpässen die letzte K.o.-Runde der Champions League prägte, einst als "guten Wein, der mit dem Alter immer besser wird". Nebenmann, "Maschine" Casemiro, wollte Ancelotti sogar zum Man of the Match des Super Cups küren. "Er war der beste Spieler auf dem Feld, weil er in unserer Defensive Ordnung gehalten und das Spiel sehr gut verschoben hat, wenn es nötig war."

Der hochdekorierte 63 Jahre alte Coach wird nicht müde, die unglaublich hohe Qualität seiner drei Mittelfeld-Künstler hervorzuheben. Was für den FC Barcelona Sergio Busquets, Andres Iniesta und Xavi waren, sind Kroos, Modric und Casemiro für Real Madrid. Diese Gegenüberstellung hat schon lange keine blasphemischen Züge mehr zur Tiki-Taka-Ära Barcas zwischen 2008 und 2013.

Ersatz steht bereit - bisher nur als Joker

Kroos, Modric und Casemiro werden im kommenden Januar 100 Jahre alt - kumuliert, versteht sich. Mit einem Durchschnittsalter von 33 Jahren ist das deutsch-kroatisch-brasilianische Trio näher am Karriereende als am Leistungszenit. Doch wann es kommt, ist angesichts der anhaltenden Qualität ihres Spiels nicht abzusehen.

Auch nicht für Real Madrid selbst. Der Klub investierte bereits eine dreistellige Millionensumme, um bereits jetzt adäquate Nachfolger aufzubauen. Während der Uruguayer Federico Valverde, der am ehesten Modrics Stil ähnelt, aus der eigenen Ausbildungsmannschaft stammt, sind Camavinga und Aurelien Tchouameni externe Zugänge.

Camavinga, wohl als Kroos-Nachfolger gedacht, kam von Stade Rennes, während der designierte Casemiro-Nachfolger Tchouameni von der AS Monaco geholt wurde. Für die beiden hochbegabten Franzosen bezahlten die Königlichen rund 110 Millionen Euro. Gerade von Letzterem erwartet Ancelotti viel. "Er kann aber auch noch einiges von Casemiro lernen." Tchouameni debütierte gegen Frankfurt als Einwechselspieler

Immerhin Valverde hatte es in die Startelf geschafft, wenn auch als halblinker, offensiver Mittelfeldspieler in einem eher asymmetrischen 4-3-3-System. Das Zentrum ist schließlich (noch) besetzt mit den Platzhirschen.

Dass sowohl jene Platzhirsche mit Durchschnittsalter 33 als auch die jungen Wilden mit Durchschnittsalter von weniger als 22 Spiele auf höchster Ebene entscheidend beeinflussen können, dürfte bei der spanischen Konkurrenz wie in ganz Europa mit Sorgenfalten aufgenommen werden.

Der amtierende Champions-League-Sieger scheint stärker denn je und ist auch in dieser Spielzeit wieder ein Top-Favorit auf alle Titel.

von Kai Esser

Du willst die wichtigsten Fußball-News, Videos und Daten direkt auf Deinem Smartphone? Dann hole Dir die neue ran-App mit Push-Nachrichten für die wichtigsten News Deiner Lieblings-Sportart. Erhältlich im App-Store für Apple und Android.

Nächste Bundesliga-Spiele: Wer ist Favorit?

Champions League Spiele & Spieltag

Champions League 2021/2022 Gruppenphase 

Alle Teams

  • AC Mailand
  • Ajax Amsterdam
  • Atlético Madrid
  • Bayer Leverkusen
  • Bayern München
  • Borussia Dortmund
  • Celtic Glasgow
  • Chelsea FC
  • FC Brügge
  • Dinamo Zagreb
  • Eintracht Frankfurt
  • FC Barcelona
  • FC Kopenhagen
  • FC Porto
  • Inter Mailand
  • Juventus Turin
  • Liverpool FC
  • Maccabi Haifa
  • Manchester City
  • Olympique Marseille
  • Paris Saint-Germain
  • Rangers FC
  • RB Leipzig
  • RB Salzburg
  • Real Madrid
  • Sevilla FC
  • Schachtar Donezk
  • SL Benfica
  • Sporting CP
  • SSC Neapel
  • Tottenham Hotspur
  • Viktoria Pilsen