Antonio Conte (r.) feiert bei Inter Mailand mit seinem Wunschspieler Romelu ... - Bildquelle: imago images/InsidefotoAntonio Conte (r.) feiert bei Inter Mailand mit seinem Wunschspieler Romelu Lukaku © imago images/Insidefoto

München/Mailand – Wenn wieder eine Diskussion über Mentalität im Fußball aufkommt, lohnt sich ein Blick auf Antonio Conte. Der Trainer scheint aus purem Willen zu bestehen und kann diesen durch wildes Gestikulieren in der Coaching Zone offenbar auf seine Spieler übertragen. Conte würde in der Debatte über die Mentalität vermutlich auf der Seite stehen, die diese sehr hoch bewertet. Der Italiener begreift den Willen als Grundlage seines Fußballs. "Wer keinen Willen hat, der spielt bei mir nicht, selbst wenn er das letzte Mal der Beste auf dem Rasen war", sagte Conte einmal.

Im Sommer verpflichtete Inter Mailand Conte als Trainer – und es scheint eine fruchtbare Beziehung zu entstehen. In der Vorsaison qualifizierte sich die Mailänder unter Contes Vorgänger Luciano Spalletti zwar knapp für die Champions League, doch auf dem Platz verströmten die Männer in den blau-schwarz gestreiften Trikots häufig Lethargie. Nach acht Spieltagen in der Serie A liegt Inter aktuell nur einen Punkt hinter Tabellenführer Juventus.

 

Conte emotionalisiert wie Klopp

Conte strahlt die belebende Kraft aus, die der italienische Traditionsklub dringend nötig hatte. In seiner Coaching Zone ist der Inter-Trainer einmal angeblich acht Kilometer gelaufen. In Mailand zeigt Conte wieder einmal, dass er eine Mannschaft in kürzester Zeit emotionalisieren kann. In dieser Art schafft das vielleicht sonst nur Jürgen Klopp. Conte gelang es schon bei Juventus Turin und der Squadra Azzurra.

Conte hat Inter wachgeküsst, könnte man nun sagen. Treffender wäre wohl: Conte hat Inter wachgeohrfeigt. Denn kaum in Mailand angekommen, begann der Italiener mit den Aufräumarbeiten im Kader. Er schreckte nicht vor den sogenannten großen Namen zurück, sortierte Top-Stürmer Mauro Icardi aus. Der Argentinier hatte im Verbund mit seiner Lebensgefährtin und Managerin Wanda länger schon für Unruhe im Verein gesorgt. Ivan Perisic, unter Spalletti noch einer der Leistungsträger, passte Conte nicht ins System. Icardi ging am letzten Transfertag nach Paris, Perisic ist an den FC Bayern verliehen.

Conte darf viel Geld ausgeben

Möglich macht dieses rigorose Durchgreifen das Vertrauen von Inter-Sportdirektor Giuseppe Marotta. Conte und Marotta kennen sich bestens aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Juventus Turin. Unter ihnen begann die nationale Dominanz der Bianconeri. Mit der uneingeschränkten Rückendeckung des Sportdirektors konnte Conte bei Inter den Kader nach seinen Vorstellungen gestalten.

Den Stürmer Icardi ersetzte Conte durch Romelu Lukaku, einen Spieler, den er schon in seiner Zeit als Chelsea-Trainer haben wollte. 65 Millionen Euro soll der wuchtige Belgier gekostet haben. Valentino Lazaro kam für 22 Millionen Euro von Hertha BSC, der Abwehr-Haudegen Diego Godin wechselte ablösefrei von Atletico Madrid und Alexis Sanchez wurde von Manchester United ausgeliehen. Insgesamt gab Inter über 150 Millionen Euro aus.

Neues Traumpaar für Inter?

Auch den italienischen Stolz beachtete Conte bei seinem Umbau. Mit Stefano Sensi und Nicolo Barella kamen zwei Mittelfeldspieler, die auch das Trikot der italienischen Nationalmannschaft tragen. Gerade der von US Sassuolo gekommene Sensi findet sich in seinem neuen Umfeld schon überraschend gut zurecht. Drei Tore und vier Vorlagen gelangen ihm in der Serie A bisher. Eine Adduktorenverletzung setzte ihn im vergangenen Ligaspiel beim 4:3 gegen seinen Ex-Klub aber außer Gefecht.

Conte erreicht seine Spieler aber nicht nur über Emotionalität. "Er kümmert sich um jedes Detail und vor allem um die taktische Ebene", sagte der Ex-Berliner Lazaro in einem Interview mit "Sky". Conte setzt meistens auf sein etabliertes 3-5-2-System. In der Spitze stürmt neben Lukaku der Argentinier Lautaro Martinez. Die beiden verstehen sich, Lukaku hat fünf-, Martinez viermal getroffen. Gegen Sassuolo schossen sie jeweils einen Doppelpack, die "Gazetto dello Sport" sah darin die Geburt eines neuen "Traumpaars". 

Endspiel für Inter

Lazaro forderte in seinem Interview genau solche Leistungen ein - für den Trainer. "Jeder sollte alles für ihn geben. Er hat ein gutes Verhältnis zu allen", sagte der Österreicher, "aber er kann auch kritisch sein. Er tut alles, um zu gewinnen." Das mit dem Siegen hat in der Liga bis auf das Spitzenspiel gegen Juventus (1:2) immer geklappt. In der Champions League zeichnet sich ein anderes Bild. Eine Niederlage gegen Barcelona (1:2) und ein enttäuschendes Unentschieden gegen Slavia Prag (1:1) bringen Inter Mailand in Bedrängnis. Mit einem Punkt liegen die Italiener auf dem letzten Platz.

Das Spiel gegen Borussia Dortmund am Mittwoch (ab 21 Uhr im Liveticker und in der App unter dem Reiter Livescores) könnte in der stark besetzen Gruppe zum Entscheidungsspiel werden. Conte spielte die Bedeutung der Partie im Vorfeld herunter. "Ein Endspiel?", sagte Conte, "über ein Finale zu sprechen, erscheint mir übertrieben, sicherlich ist es ein wichtiges Duell gegen ein starkes Team." Es sei aber immer noch nur ein Spiel. "Das Finale kommt später, falls es kommt", sagte Conte, ganz der Erfolgsdenker.

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