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München - Adi Hütters Ziele sind groß. Der Österreicher will Titel gewinnen.

Auch deshalb unterschrieb er im vergangenen Sommer einen Vertrag als Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach. Als Coach der Frankfurter Eintracht hatte der 51-Jährige offenbar weniger gute Voraussetzungen vorgefunden.

Hütter wollte sich verbessern. Also zog er vom Main an den Niederrhein. Der Wechsel wurde unter einigem Getöse vollzogen. In Frankfurter Fan-Kreisen ist der ehemalige Erfolgstrainer seitdem nicht mehr allzu gern gesehen. In Mönchengladbach ist die Anhängerschaft noch skeptisch.

Auch weil es bislang alles andere als gut läuft. Der Saisonstart ist missglückt. Platz zwölf in der Liga. Elf Punkte nach neun Spielen - die Bilanz einer grauen Maus. Etwas, das man bei der Borussia in der vergangenen Jahren nicht mehr war und was man vor allem nicht mehr sein will.

Hütter versucht gegenzusteuern. Gemeinsam mit Manager Max Eberl verschärfte er vor dem Pokal-Duell mit dem FC Bayern am Mittwochabend (20:45 Uhr im ran-Liveticker) den Ton. Hütter tadelte einen Reporter öffentlichkeitswirksam mit deutlichen Worten, Eberl legte sich bei der 0:1-Auswärtsniederlage in Berlin mit Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich an.

Die Gründe für die Schwächephase liegen allerdings tiefer.

Ein Sommer der verpassten Chancen

Hütters Dienstbeginn beim dreimaligen Pokalsieger fiel in einen transfertechnisch äußerst ruhigen Sommer, der eigentlich ein ziemlich bewegter hätte werden sollen. Jedenfalls war das Eberls Plan gewesen.

Der über Jahre eingespielte Kader sollte verändert und modernisiert werden. Einige neue Spieler für den neuen Coach, eingefahrene Mechanismen brechen, neue Reize setzen - so sah das Ideal aus.

Am Ende passierte gar nicht wirklich viel. Der "alte Schwede" Oscar Wendt wechselte in die Heimat zu IFK Göteborg, Luca Netz kam und Hannes Wolf wurde fest verpflichtet. Ansonsten wurden nur kleinere Transfers abgewickelt.

Weil Verkäufe, wie der eigentlich erwartete von Denis Zakaria, ausblieben, fehlten die finanziellen Mittel für frisches Blut. So blieb der Kader weitestgehend zusammen.

Die aktuellen Leistungen legen nahe, dass nicht alle Akteure damit zufrieden sind. Schlüsselspieler wie Florian Neuhaus, Christoph Kramer, Alassane Plea oder Matthias Ginter kommen nicht so recht in Schwung.

Letztgenannter verhandelt im Hintergrund seit Wochen erfolglos über einen neuen Vertrag, während Nationalmannschaftskollege Neuhaus bei Hütter keinen Kredit zu haben scheint. Hinzu kommen Verletzungen wie die von "aggressive Leader" Stefan Lainer.

Hütter versucht gegenzusteuern

Die Basis der Mannschaft schmort im eigenen Saft, wirkt uninspiriert, behäbig und ohne Feuer. Sobald der Gegner unbequem wird, kauft er der Borussia im Handumdrehen den Schneid ab.

Hütter hat das längst bemerkt und versucht die fehlende Galligkeit mit den hauseigenen Mitteln eines Trainers zu erzeugen: Er setzt vermeintliche Stammspieler auf die Bank, versucht seinen kraftraubenden Powerfußball mit alternativem Personal zu spielen. Joe Scally und Manu Kone bekommen jede Menge Einsätze. Auch Netz spielt eine zentrale Rolle.

Der neue Coach will - so hat es den Anschein - den ausgebliebenen Umbruch mit ohnehin vorhandenen Kräften umsetzen. Ein ambitionierter Plan, der ihm schnell um die Ohren fliegen könnte.

Das Gladbacher Umfeld galt in den vergangenen Jahren als ruhig und ausgeglichen. Die stabile Arbeitsatmosphäre rund um den Borussia-Park war der Faustpfand für die konstant guten Platzierungen. Doch die Erwartungen rund um die Hennes-Weisweiler-Allee sind gestiegen, die Fans fordern Erfolge. Das ist aufgrund der Leistungen in den vergangenen Jahren nicht verwunderlich.

Hütter weiß das. Und genau deshalb möchte er das Ruder auch schnellstmöglich herum reißen, damit es am beschaulichen Niederrhein gar nicht erst ungemütlich wird. Dafür strich er in dieser Woche sogar den eigentlich in Mönchengladbach so heiligen, freien Montag.

Hütter will "das Bestmögliche herausholen"

"Man muss an etwas glauben, damit es auch passieren kann. Ich habe Visionen und Ziele mit dieser Mannschaft, will das Bestmögliche aus ihr herausholen", sagt Hütter selbst. Das müssen ja nicht zwingend gleich Titel sein. 

Auch eine Champions-League-Qualifikation sei "für Borussia etwas Besonderes", meint der Österreicher. Oder eben ein Sieg gegen Bayern München im Pokal.

Ein solcher könnte Kräfte freisetzen.

Tobias Hlusiak

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