Borussia Dortmund scheitern im DFB-Pokal am FC St. Pauli. - Bildquelle: imago images/RHR-FotoBorussia Dortmund scheitern im DFB-Pokal am FC St. Pauli. © imago images/RHR-Foto

Hamburg/München - Enttäuschung auf der einen Seite, Ekstase und Jubel auf der anderen Seite. Unterschiedlicher hätte die Gefühlslage im Hamburger Millerntor-Stadion um 22:36 Uhr kaum sein können. Was war also passiert?

Die heimischen "Kiez-Kicker" vom FC St. Pauli hatten nach 90 leidenschaftlichen Minuten im DFB-Pokal tatsächlich die Sensation gepackt und Borussia Dortmund mit 2:1 in die Schranken gewiesen

Während der Jubel auf der Seite des Zweitliga-Spitzenreiters und den 2.000 Fans im Stadion überbordete, herrschte auf der Dortmunder Seite Tristesse pur - mal wieder. Neben rauschhaften Auftritten, wie zuletzt gegen Freiburg (5:1) oder bei der Aufholjagd gegen Eintracht Frankfurt (3:2), gibt es immer wieder auch unerklärliche Partien, die nicht nur die BVB-Fans am großen Ganzen zweifeln lassen. 

BVB-Kapitän Reus blafft Reporterin an

Auch bei den Dortmunder Spielern hinterließ das überraschende Pokal-Aus Spuren. Kapitän Marco Reus blaffte "ARD"-Reporterin Valeska Homburg an. Die Reporterin fragte: "Jetzt sind Sie nicht mehr im Pokal dabei, in der Liga sind die Bayern ein bisschen enteilt, in der Champions League raus – joah... das ist erst mal nicht so toll, ne?"

Reus' Antwort: "Wo sind die Bayern jetzt enteilt? Fünf Punkte, richtig! (Anm. d. Red: Es sind aktuell sechs Punkte) Sollen wir jetzt aufgeben, oder was? Das müssen wir erst mal sacken lassen. Wir haben eine riesige Chance verpasst, den Pokal wieder zu gewinnen. Das ist sehr bitter gerade."

Leichtfertig hat sich die Dortmunder Borussia um eine realistische Titelchance in dieser Saison gebracht. Kein Wunder also, dass BVB-Coach Marco Rose in seiner Wortwahl ungewohnt deutlich wurde. "Ich bin richtig sauer, denn so darf man in einem Pokalfight auf St. Pauli einfach nicht auftreten." 

 

Marco Rose fällt eindeutiges Urteil

Er fügte an: "Das Kernthema ist einfach: Wie startest du als Titelverteidiger in das Spiel?"

Den Start verschlief sein Team komplett und lag bereits nach vier Minuten in Rückstand. "Es ist schade und ein Stück weit doof von uns, dass wir hier nach einer Top-Leistung gegen Freiburg und dem gedrehten Spiel in Frankfurt nicht nachgelegt haben. Damit bestätigen wir leider wieder ein paar Dinge, die uns in den letzten Wochen, Monaten und Jahren vorgehalten wurden", bilanzierte Rose. 

Immer wieder wird in Dortmund die Frage nach der Mentalität gestellt. Am Millerntor, war vom unbedingten Siegeswillen der BVB-Kicker nicht wirklich etwas zu sehen. Selbst nach dem Elfmeter-Anschlusstreffer von Superstar Erling Haaland (58.) blieb das große BVB-Aufbäumen aus, obwohl noch genügend Zeit gewesen wäre.

"Das war einfach zu wenig", urteilte TV-Experte Bastian Schweinsteiger in der "ARD" und befand, dass den Dortmunder jemand fehle, der sie "wachrüttle". Reus sprach hingegen von einem "schlechten Tag".

BVB fehlt nachhaltige Konstanz

Klar ist: Nachhaltige Konstanz ist weiterhin ein Fremdwort im BVB-Spiel. Zu oft und zu schnell - für eine Spitzenmannschaft - lässt sich die Rose-Elf von Fehlstarts und Rückschlägen im Laufe einer Partie aus der Bahn werfen. 

Allerdings zieht sich dieses Muster bereits seit einigen Jahren durchs Dortmunder Spiel und konnte bislang von keinem Trainer beseitigt werden. Schlussendlich könnten die zwei verschiedenen BVB-Gesichter sogar einen gewissen Anteil am Abschied von Erling Haaland haben.

Der erfolgshungrige Norweger möchte Titel gewinnen, doch allzu oft lässt sein Team die sich bietenden Chancen leichtfertig liegen. Der Abend am Hamburger Millerntor wird beim BVB wohl noch lange nachhallen. 

Markus Bosch

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