München - Einen Monat ist es her, dass der FC Bayern niedergeschlagen und verunsichert Augsburg verließ. 0:1 hatte der Rekordmeister damals beim krassen Außenseiter FCA verloren und der sonst so eloquente Trainer Julian Nagelsmann machte danach einen völlig ratlosen und tief frustrierten Eindruck.

Auch bei der Neuauflage des schwäbisch-bayrischen Derbys in der 2. DFB-Pokalrunde erinnerte in der Anfangsphase vieles an das "Hinspiel": Mit aggressivem Pressing und überragendem Einsatz kauften die Gastgeber den Münchnern den Schneid ab und gingen erneut 1:0 in Führung.

Dass am Ende nicht wieder eine Pleite für den Favoriten herauskam, lag vor allem an einem gravierenden Unterschied: Diesmal nutzten die Bayern ihre Torchancen. Denn unabhängig von einigen defensiven Schwächen hätte der FCB die vier sieglosen Spiele vor einigen Wochen verhindern können, wenn nur ein Bruchteil der vielen Chancen genutzt worden wäre. Doch bei insgesamt 95 Torschüssen sprangen kümmerliche fünf Treffer heraus.

FC Bayern: Choupo-Moting macht den Unterschied

Womit wir sehr schnell bei Eric Maxim Choupo-Moting wären. Denn der Deutsch-Kameruner macht den entscheidenden Unterschied aus zwischen den Münchnern im September und jetzt. Zweimal hat Nagelsmann ihn zuletzt in der Startelf rangelassen, beide Male war Choupo-Moting der Mann des Abends.

 

Sowohl beim 5:0 gegen den SC Freiburg als auch beim 5:2 am Mittwoch in Augsburg war er an den ersten drei Toren beteiligt und kam in den zwei Partien auf eine an Robert Lewandowski erinnernde Quote von drei Treffern und drei Assists. Mindestens aber ebenso wichtig ist die Präsenz, die der klassische Mittelstürmer im Gegensatz zu seinen feinfüßigen und meist eher leichtgewichtigen Nebenleuten in der Offensive ins Bayern-Spiel bringt. Besonders deutlich wurde das in Augsburg beim 4:2 durch Jamal Musiala, an dem Choupo-Moting nicht direkt beteiligt war, aber sehr wohl indirekt, weil er gleich drei Gegenspieler im Strafraum band.

FC Bayern: Choupo-Moting wie Robert Lewandowski

Keine 180 Minuten hat der 33-Jährige gebraucht, um sich praktisch unverzichtbar zu machen. Weil er genau die Nuance ins Spiel des Rekordmeisters bringt, die nach Lewandowskis Abschied zu oft schmerzlich vermisst wurde. Ein Vollblut-Torjäger, der dahin geht, wo es weh tut, genau dort steht, wo ein Mittelstürmer stehen muss und zudem deutlich effektiver und kaltblütiger bei der Chancenverwertung ist als seine Mitspieler.

Diejenigen, die die Karriere des gebürtigen Hamburgers genauer verfolgt haben, dürfte das indes weniger wundern. Denn wenn Choupo-Moting das Vertrauen des Trainers besaß, hat er eigentlich immer überzeugt. Thomas Tuchel etwa, der ihn aus Mainz kannte, holte den damals 29-Jährigen 2017 überraschend von Premier-League-Absteiger Stoke City zum Starensemble von PSG. Dort war er nominell Stürmer Nummer sechs hinter Mbappe, Neymar und Co. Doch als es darauf ankam, in der Champions-League-Finalrunde 2020 in Lissabon, erzielte Choupo-Moting den späten Siegtreffer im Viertelfinale gegen Bergamo und spielte danach auch im Halbfinale und im Endspiel.

FC Bayern: Choupo-Moting zwei Jahre fast nur Ersatz

Damit empfahl er sich beim siegreichen Finalgegner als Backup für Lewandowski, doch über diesen Status kam er angesichts der Torgier des Rekord-Torjägers, der sich nie freiwillig auf die Bank setzte, in den ersten zwei Jahren nicht hinaus. Und auch nach dem Wechsel des Polen nach Barcelona in diesem Sommer war kein Platz für Choupo-Moting in der Startelf, da er aufgrund einer Leistenverletzung den Saisonbeginn verpasste und fast vier Wochen ausfiel.

Doch auch danach brachte Nagelsmann den Routinier selbst in den nicht gewonnenen Spielen höchstens in der Schlussphase, weil er ein 4-2-2-2-System mit vier permanent rochierenden Offensivspielern ohne "echte 9" bevorzugte. Aber gerade gegen die meist seht tief stehenden Gegner in der Bundesliga ist ein echter Torjäger Gold wert – das haben die vergangenen beiden Spiele eindrücklich gezeigt.

Deshalb sollte, um das Bonmot von Louis van Gaal über Thomas Müller leicht abzuwandeln, Choupo-Moting immer spielen.

Martin Volkmar

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