Immer am Anschlag: Domenico Tedesco. - Bildquelle: Imago Images Immer am Anschlag: Domenico Tedesco. © Imago Images

Berlin/München - Domenico Tedesco stand an der Seitenlinie. Ein Fuß im Feld, den anderen gerade noch so in der Coaching Zone. 

Wie wild klatschte er sich mit seinen Fäusten auf die Brust. Als wolle er seiner Mannschaft sagen: "Hey, Brust raus. Hier ist noch nichts vorbei."

Zu diesem Zeitpunkt lag seine Mannschaft im Finale des DFB-Pokals nicht nur 0:1 hinten, sie hatten vor wenigen Sekunden auch noch eine - völlig berechtigte - Rote Karte bekommen. 

Doch ein Spiel dauert nun einmal 90 Minuten. Also vorerst. Denn RB Leipzig glich in der 76. Minute aus und erzwang so die Verlängerung. Nach torlosen 30 Minuten folgte das Elfmeterschießen, RB behielt die Nerven und holt sich gegen den SC Freiburg den ersten Titel der noch jungen Vereinsgeschichte. 

Oliver Mintzlaff lobt "fantastische Mentalität" 

"Wir hatten eine miserable erste Halbzeit", befand RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff in der "ARD" völlig richtig: "Aber, dass es am Ende dann doch noch so geklappt hat - diese Mentalität ist fantastisch." Spieler Emil Forsberg fügt an: "So zu gewinnen, ist der Wahnsinn. Das zeigt Leidenschaft, Mentalität und dass wir eine Mannschaft sind." 

Eine Mentalität, die Tedesco an der Seitenlinie vorgab. Immer wieder. Unermüdlich. Er glaubte an sein Team und sein Team zahlte ihm dieses Vertrauen zurück. Noch in der regulären Spielzeit hätten die Sachsen das Ding drehen können, hatten vor allem nach dem Anschluss bis zur 85. Minute den Fuß kräftig auf dem Gaspedal. 

Dass es letztendlich erst im Elfmeterschießen ein rundes Ding wurde, wird den 36-Jährigen nicht stören. "Ich brauche, erstmal ein paar Tage, um das zu verarbeiten", erklärte er im Nachgang am "ARD"-Mikro: "Es war ein emotionales Spiel, aber auch ein gutes Spiel, vor allem in der zweiten Halbzeit." 

Tedescos Systemumstellung fruchtet sofort

Komischerweise wurde es erst nach dem Platzverweis gegen Marcel Halstenberg ein richtig gutes Spiel von RB.

Tedesco stellte sein System um, brachte Dominik Szoboszlai und Nordi Mukiele. Plötzlich fand sein Team mit zehn Mann mehr Lücken als mit elf Spielern.

"Eine Sache ist es, ein System umzustellen. Die andere Sache ist es, den fehlenden Spieler zu kompensieren. Das ist Wahnsinn. Die Einwechselspieler sind immer parat. Das war unser großer Trumpf die letzten Wochen und Monate. Ich bin unheimlich stolz auf die Mannschaft und die Spieler", fasst der gebürtige Italiener zusammen, der auch von einer "großen Freude", einer "großen Erleichterung" sprach. 

Denn langsam aber sicher wurde der Druck im Umfeld der Leipziger groß.

Nicht unbedingt auf Tedesco, der erst seit Anfang Dezember an der Seitenlinie steht. Aber doch auf alle Beteiligten drumherum. Spieler, Staff, Vorstand. Zu groß waren die Investitionen, um jetzt nach den Pleiten gegen Bayern München und Borussia Dortmund auch das dritte Pokalfinale zu verlieren. 

Für RB ist noch Luft nach oben 

Doch mit Tedesco ist RB schlichtweg ein anderes Team als noch zu Saisonbeginn. 

Zwar übernahm er nach eigener Aussage eine "intakte Mannschaft" von Vorgänger Jesse Marsch. Nach ein paar Stellschrauben, die obligatorisch gedreht wurden, hieß es dann aber auf einmal: Platz eins in der Rückrunden-Tabelle, ein Schnitt von zwei Punkten pro Spiel.

Dazu ein eigentlich guter Run in der Europa League, der im Glasgower Ibrox Stadium aber mit einer Bruchlandung endete. Ein Makel, der Tedesco selbst am meisten wurmt. Der aber auch zeigt: In der Mannschaft steckt noch einiges an Luft nach oben. 

Wohin geht also die Reise? Dazu wollte sich Tedesco so kurz nach dem bisher größten Erfolg auch seiner Karriere nicht äußern. "Heute Abend gehen wir erst mal in den Club und feiern da mit ganz vielen Leuten", klärte er lächelnd über die weiteren Pläne des Abends auf. 

Doch Fakt ist: Mit RB Leipzig wird zu rechnen sein. In der Bundesliga. Und international. Das mag nicht jeder gut finden. Aber es ist nun einmal so. Dank Tedesco.

Timo Nicklaus 

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