Relegation vor der Brust: Die Profis des 1. FC Kaiserslautern stehen nach dr... - Bildquelle: imagoRelegation vor der Brust: Die Profis des 1. FC Kaiserslautern stehen nach drei Pleiten am Stück vor der Saisonverlängerung © imago

München - Relegation statt Aufstiegssause. Fokus auf Dynamo Dresden statt Vorfreude auf die 2. Liga.

Beim 1. FC Kaiserslautern hätten sich jetzt alle - Verantwortliche, Spieler, Trainer, Fans - im Delirium befinden können, doch stattdessen spüren sie den Kater danach schon vor dem möglichen Fest.

Die Rückkehr ins Fußball-Unterhaus führt die "Roten Teufel" nur noch über die Relegation gegen Dresden (20. und 24. Mai jeweils ab 19:30 Uhr live in SAT.1 und auf ran.de). Ein Umweg, den sich das Team von Trainer Marco Antwerpen mit drei Ausrutschern selbst eingebrockt hat.

Pleiten-Hattrick nach dem 34. Spieltag

Denn nach dem 34. Spieltag lag der FCK dank des 3:1 im heißen Nachbarschaftsduell über den 1. FC Saarbrücken noch auf Platz zwei, einem direkten Aufstiegsrang in Richtung 2. Liga. Zwei Punkte und acht Tore betrug der Vorsprung auf Eintracht Braunschweig.

Doch anschließend schienen die Pfälzer Angst vor der eigenen Courage zu bekommen. Es folgte der Pleiten-Hattrick: ein 1:2 beim SV Wehen Wiesbaden, ein 1:3 gegen Borussia Dortmund II und am Sonntag ein 0:2 bei Viktoria Köln. Drei Ligaspiele nacheinander hatte Lautern zuvor unter Antwerpen noch nicht verloren. Seit November hatte es ohnehin zuvor nur eine Niederlage gegeben.

Braunschweig öffnet die Tür - FCK schlägt sie zu

So brauchten die wegen der Insolvenz von Türkgücü München zwischenzeitlich sogar spielfreien Braunschweiger in diesen drei Wochen nur einen Sieg, um sich Platz zwei und den Aufstieg zu sichern. Mit dem 2:3 beim SV Meppen am Samstag hatten die Niedersachsen dem Kontrahenten aus dem Südwesten die Tür in Richtung 2. Liga sogar noch einmal geöffnet.

Der FCK aber schlug sie selbst zu. Mit einer zumindest vor der Pause indiskutablen Leistung. Genau an dem Ort, wo vor einem Jahr am 37. Spieltag mit einem 3:3 nach nervenaufreibenden Wochen der Klassenverbleib fixiert wurde. Nun sollte der Abschied aus der Liga in die andere Richtung vorbereitet werden - Pustekuchen.

Antwerpen: "So darfst du dich nicht präsentieren"

"Die erste Hälfte ist an vielen Spielern vorbeigegangen", schimpfte Antwerpen: "So wie du dich hier die erste Hälfte präsentierst, so darfst du das nicht machen, wenn du Braunschweig unbedingt noch unter Druck setzen willst." Die Leistung war tatsächlich unerklärlich, angesichts der Vorlage aus dem Norden und der Unterstützung von 7000 mitgereisten Fans unter den 8382 Zuschauern im ausverkauften Stadion im Sportpark Höhenberg.

Irgendwie aber ist dem FCK in der jüngsten Vergangenheit das Selbstverständnis im Spiel nach vorne verloren gegangen. Obwohl der viermalige Meister unter Antwerpen eine Erfolgsgeschichte schreibt, wie sie die kleineren Fans nur vom Hörensagen kennen. Im vergangenen Jahr übernahm der Coach ein akut abstiegsbedrohtes Team und holte aus 16 Partien noch 22 Punkte - mehr als zuvor auf dem Konto standen.

Antwerpen stieg schon mit Braunschweig auf

In dieser Saison kam der Verein, der Fußball-Deutschland Legenden wie Fritz Walter, Hans-Peter Briegel oder Miroslav Klose bescherte, nach Stotterstart mit sechs Zählern aus acht Spielen so richtig in Schwung und hatte das eigentlich nicht für möglich gehaltene Ziel fest vor Augen. Bis zur finalen Pleitenserie.

Für Antwerpen geht es nun erst einmal darum, das Team wieder aufzurichten. Wobei anscheinend noch gar nicht gesichert ist, dass der 50-Jährige, der vor zwei Jahren mit Braunschweig aufstieg und trotzdem gehen musste, gegen Dresden überhaupt auf der Bank sitzen wird.

Kommt Klose für die Relegation?

Denn der "Express" berichtet von einem Gerücht, dass die Reporter am Rande des Köln-Spiels aufgeschnappt haben wollen. So plane die Gruppe "Saar-Pfalz-Invest", der immerhin 33 Prozent der FCK-Anteile gehören, Antwerpen durch FCK-Ikone Klose zu ersetzen.

Das wirkt zwar reichlich weit hergeholt, dürfte aber für weitere Unruhe am Betzenberg sorgen. Wo es angesichts der vielen Nackenschläge zuletzt ohnehin rumoren wird.

"Keiner war bereit für den Extra-Meter"

Antwerpen deutete nach der Köln-Niederlage bereits an, dass bei einigen Spielern die Willensfrage nicht so einfach zu beantworten scheint. "Sobald wir den Ball verloren haben, war keiner bereit einen Extra-Meter zu gehen", wetterte der Trainer im "SWR"-Interview: "Der eine oder andere war nicht bereit, heute über einen gewissen Punkt zu gehen." Heftige Vorwürfe, klar benannt.

Auch wenn er keine Namen nannte, dürften sich besonders Mike Wunderlich, der vor der Saison von der Viktoria zum FCK kam, und Boris Tomiak angesprochen fühlen. Beide mussten nach der Pause draußen bleiben und siehe da: In den zweiten 45 Minuten zeigte die ganze Mannschaft ein anderes Gesicht.

Antwerpen kritisiert eigene Aufstellung

"In der zweiten Hälfte ist wieder jeder für den anderen durchs Feuer gegangen. Vielleicht haben wir an einer gewissen Aufstellung zu lange festgehalten, dass wir längst hätten was ändern müssen", deutete Antwerpen personelle Umstellungen gegen Dresden an.

Wegen des spielfreien Wochenendes liegen zwölf Tage zwischen dem Auftritt in Köln und dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden. Viel Zeit zum Nachdenken, aber auch zum Sinne schärfen. Ob diese lange Pause nun ein Vor- oder Nachteil ist, wird sich wohl erst mit dem ersten Anpfiff zeigen.

Wer geht in der Relegation für den FCK den letzten Schritt?

"Vielleicht können wir konzentrierter trainieren", hofft Antwerpen auf einen positiven Effekt und nennt eine weitere Aufgabe für sich und sein Trainerteam: "Wir müssen eine sehr, sehr gute Mannschaftsaufstellung finden, nämlich wer bereit ist, in solchen Spielen den letzten Schritt zu gehen."

Kevin Kraus gab im "SWR" die Marschroute vor: "Es sind jetzt zwei Spiele gegen Dynamo, da müssen wir alles rausfeuern." Denn wenn es heiß hergeht, ist der FCK eigentlich immer auf Betriebstemperatur.

Aber der Abwehrchef betonte auch, dass es natürlich nur gemeinsam geht. Unbedingter Zusammenhalt war beim Stolz der Pfalz jedoch in den vergangenen Jahren keine Selbstverständlichkeit. "Wir müssen als Mannschaft zusammenstehen, als ganzer Verein zusammenstehen, die Fans wieder mitnehmen", appellierte Kraus.

Beste Drittliga-Saison der FCK-Geschichte

Über weite Strecken dieser Saison waren Mannschaft und Fans eine Einheit. Die "Roten Teufel" ligaweit gefürchtet. Nicht nur, wenn sie auf dem beinahe schon mythischen Betzenberg zum Tanz baten. Dort, wo sich schon Spielverläufe entwickelten, die sich kein Drehbuchschreiber besser ausdenken könnte.

Auf diese Erinnerungen an die junge und auch ferne Vergangenheit setzt auch Antwerpen. "Wir spielen die erfolgreichste Drittliga-Saison, seitdem der 1. FC Kaiserslautern in dieser Klasse spielt", stellte er fest, um nicht nur Trübsal zu blasen.

Relegation entscheidet über teuflich gute Saison

Insofern ist diese lange Zeit teuflisch gute Spielzeit schon jetzt historisch. Ob sie sich in den FCK-Chroniken jedoch ein eigenes Kapitel verdient, darüber entscheiden allein die beiden Relegationsspiele. Die bringen auch Klarheit über den Gemütszustand rund um den Betzenberg, dem ein verspätetes Saisonende mit Schrecken droht.

Für die DFL lautet die Zweitliga-Frage schlicht: Dynamo Dresden oder 1. FC Kaiserslautern? In der Pfalz heißt es dagegen: vollkommene Ekstase oder Tristesse pur?

Marcus Giebel

ranFußball zeigt die Bundesliga-Relegation am 19. und 23. Mai live in SAT.1 und auf ran.de. Zudem gibt es am 20. und 24. Mai die Relegation um die 2. Liga zu sehen - alles ab 19:30 Uhr live!

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