Torjäger Terrence Boyd bejubelt das 2:1 mit den FCK-Fans - Bildquelle: ImagoTorjäger Terrence Boyd bejubelt das 2:1 mit den FCK-Fans © Imago

Kaiserslautern/München - "Der 1. FC Kaiserslautern bedankt sich bei 46.895 Zuschauern, der Betzenberg ist ausverkauft", ließ FCK-Stadionsprecher Horst Schömbs das vollgepackte Fritz-Walter-Stadion in der zweiten Hälfte gegen den 1. FC Saarbrücken wissen.

Erstmals seit Mai 2015 durfte sich der 1. FC Kaiserslautern wieder über so viele Zuschauer freuen. Damals ging es auch um den Aufstieg - aber in die Bundesliga.

Jene Zuschauer haben auch entscheidenden Anteil daran, dass die Pfälzer aktuell auf Rang zwei der Tabelle in der 3. Liga stehen und auf Aufstiegskurs sind. Zwei Zähler steht der FCK vor Eintracht Braunschweig auf dem Relegationsplatz (Die Relegation zwischen der 2. und 3. Liga am 20. und 24. Mai LIVE im Free-TV in Sat.1).

Bundesliga-Atmosphäre am Betzenberg: "Da fehlen einem die Worte"

Dass die Zuschauer tatsächlich nicht nur "Kulisse" sind, als die sie häufig betitelt werden, sondern tatsächlich Einfluss auf das Spiel der Roten Teufel haben, bestätigte direkt nach dem Spiel auch Torjäger Terrence Boyd. "Da fehlen einem die Worte. Ich suche noch nach dem richtigen Adjektiv", schwärmte der US-Amerikaner am Mikro von "Magenta Sport".

Bezeichnend, dass Boyd, der in den jüngsten sechs Spielen nun sieben Tore erzielte, nach seinem Führungstor zum 2:1 nicht zum Jubeln abdrehte, sondern mit breiter Brust in Richtung Westkurve des Fritz-Walter-Stadions schrie, ehe seine Mitspieler mit ihm feierten.

 

"Wir kriegen kurz vor der Pause die Rote Karte, kurz nach der Pause den Ausgleich und du denkst: 'Das wird jetzt eine lange Hälfte.' Und dann kommen die Fans mit ihrer Power ins Spiel", so Boyd: "Das ist unbeschreiblich, es ist einfach geil." Das Adjektiv, das Boyd also gesucht hatte, wurde im Umfeld der Stadt Kaiserslautern in den vergangenen Wochen oft genannt - "geil".

In die gleiche Kerbe schlug auch sein Trainer Marco Antwerpen auf der anschließenden Pressekonferenz. "Der 'Betze' hat gebrannt wie in alten Tagen. Wir können stolz darauf sein, wie die Zuschauer uns mitnehmen. Dieser Extra-Meter, den wir gehen, das ist keine Floskel. Man hat heute einfach gesehen, was dieses Stadion eigentlich ausmacht", lobte Antwerpen, der als FCK-Coach seit seinem Amtsantritt im Februar 2021 erst ein einziges Liga-Heimspiel verloren hat.

Publikum löst Ehrfurcht aus

Dabei tragen die Fans des FCK nicht nur ihre eigene Mannschaft, sondern lähmen auch noch die Gegner, wie es scheint. Bereits das Heimspiel davor gewannen die Roten Teufel mit 5:1 gegen einen wie paralysiert auftretenden MSV Duisburg.

Auch der noch im Aufstiegskampf befindliche 1. FC Saarbrücken kam nicht mit dem heißblütigen Publikum zurecht, wie Trainer Uwe Koschinat bestätigte. "Wir hatten eine schlechte Körpersprache nach dem 1:1. Wir wurden von Minute zu Minute unsicherer und wenn das der Fall ist, dann wirst du das hier nicht gewinnen", musste der 50-Jährige bei "Magenta Sport" konstatieren.

Die Unsicherheit war besonders beim zweiten Tor zu spüren. Bei einem eigentlich harmlosen Ball von Keeper Matheo Raab stellten sich die FCS-Innenverteidiger Steven Zellner und Lukas Boeder schlecht an, während der lauernde Boyd sich die Kugel schnappte und das Führungstor erzielte.

Es wirkte, als hätte die vollbesetzte Fankurve der Pfälzer den beiden Defensivspezialisten Angst eingeflößt, wie man es sonst nur aus alten Fritz-Walter-Tagen auf dem ehrwürdigen und mittlerweile wieder ehrfürchtigen Betzenberg kennt.

Nicht nur die Fans, auch das Team verschafft sich Respekt

Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch auch, dass ein Großteil der Heimstärke unter Trainer Antwerpen (25 Heimspiele, 16 Siege) ohne oder nur mit begrenztem Publikum zustande kam. Da trifft es sich gut, dass sich der gebürtige Westfale mit Aufstiegen auskennt. Bereits mit Würzburg und Braunschweig schaffte er den Sprung in Liga zwei.

Zudem ist das Team hervorragend aufgestellt. Der FCK hat in 33 Saisonspielen gerade mal 20 Gegentreffer kassiert, das sind elf Treffer weniger als die zweitbeste Defensive der 3. Liga. Mit Boyd haben die "Roten Teufel" im Winter das "fehlende Puzzleteil", wie FCK-Manager Thomas Hengen es nannte, verpflichtet. Zu dem Abwehrbollwerk gesellte sich also auch ein Torjäger.

Neben der individuellen Qualität stimmt auch die Mentalität, wie Koschinat beeindruckt feststellte. "Die haben so viele Typen auf dem Platz. Die provozieren, im positiven Sinne, permanent, die halten mannhaft dagegen, die machen jede Situation zu ihrer Situation", beschreibt der FCS-Coach.

Die Symbiose zwischen Fans und Mannschaft stimmt also auf jeder erdenklichen Wellenlänge. Ein Faustpfand, mit dem derzeit kaum ein Team so aufwarten kann.

Das letzte Heimspiel findet am 36. Spieltag gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund statt. Auch dann werden die Anhänger des FCK dem Gegner wieder das Fürchten lehren - und wenn alles klappt, im Anschluss sogar mit ihrem Team die Rückkehr ins Unterhaus feiern.

Kai Esser

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