Ein Blick sagt mehr als tausend Sprints: Trainer Peter Hyballa - Bildquelle: imago images/Ritzau ScanpixEin Blick sagt mehr als tausend Sprints: Trainer Peter Hyballa © imago images/Ritzau Scanpix

München - Selten begegnen einem Blicke, die das innerste Wesen eines Menschen mit voller Wucht nach außen zu kehren scheinen. Doch wenn Peter Hyballa in die Kamera schaut, erzählen seine aufgerissenen, blauen Augen von einer brodelnden Intensität, die den Trainer durchdringt.

Intensität. Dieses Wort beschreibt den 45-Jährigen wohl am besten.

Wobei: Er selbst nannte andere Qualitäten, als er sich jüngst in drei Worten charakterisieren sollte: "Ehrgeizig, wild", zählte Hyballa auf, dann dachte er kurz nach: "Ehrgeizig." Es war kein Versprecher, diese Gier nach Erfolg hat ihn schon an die verschiedensten Fußball-Standorte auf der Welt gespült. Nach Namibia, Salzburg, Graz, Nijmegen, in die Slowakei, nach Krakau, Dänemark. Lange blieb er nie. Als Spieler bezeichnet man so einen Vielreisenden als Wandervogel.

Hyballa übernimmt Türkgücü München

Abschrecken haben sie sich nicht lassen in München von diesem unsteten Lebenslauf. Hyballa ist der neue Cheftrainer des ambitionierten Drittligisten Türkgücü. Die drei Wörter umfassende Selbstcharakterisierung lieferte Hyballa in einem Video des Klubs.

Türkgücü dümpelt gerade im Niemandsland der dritten Liga. Platz zehn. Nach neun Spieltagen ist man allerdings nur fünf Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernt. Doch die Entwicklung unter Hyballas Vorgänger, Petr Ruman, gefiel den Klubverantwortlichen nicht.

Türkgücü-Geschäftsführer vermisst "Grundtugenden"

"Wir haben mit Peter Hyballa sehr gute Gespräche geführt und glauben, dass er taktisch als auch auf emotionaler Ebene der richtige Mann ist, um in Zukunft unsere ehrgeizigen Ziele zu verfolgen und umzusetzen", lässt sich Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny in einer Mitteilung zitieren.

Der "Süddeutschen Zeitung" sagte er noch, bei einigen Spielern hätten in letzter Zeit schon die "Grundtugenden" gefehlt - womöglich auch, weil es zwischendurch nicht auch einmal laut geworden sei.

Laut sein, das kann Hyballa. Das zeigen Szenen aus einem Clip des "ZDF", wo er während der EM im Sommer auch als Taktik-Experte arbeitete.

Der Sender hatte Hyballa bei seiner vorvorletzten Station in Krakau besucht. Da ist der Trainer zu sehen, wie er seine Truppe emotional einschwört, sie aufputscht. Das wirkt mitreißend.

Aber es gibt auch einen Moment, da spricht er etwas ruhiger (wenn auch nicht weniger intensiv) mit dem ehemaligen U19-Nationalstürmer Felicio Brown Forbes. Er gibt ihm Anweisungen. "Musste machen morgen", sagt Hyballa und fragt: "Machste?"

Als Jugendtrainer ist Hyballa am erfolgreichsten

Hyballa wirkt in diesen Momenten wie einer, der nah an den Spielern ist. Dann ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie er 2007 die U19 des VfL Wolfsburg ins Pokalfinale führte oder mit der U19 von Borussia Dortmund 2009 Westdeutscher Meister, DFB-Vizepokalsieger und Deutscher Vizemeister wurde.

Im Endspiel um die Meisterschaft war Hyballa mit dem BVB nur Thomas Tuchels Mainzern unterlegen. In der Jugend feierte er sein größten Erfolge. 

Doch seine Tonwahl kam nicht überall gut an. In Dänemark berichteten die Boulevardblätter über einen Streit beim Zweitligisten Esbjerg FB. Manchem Spieler sollen Hyballas Trainingsmethoden zu hart gewesen sein, zudem sei er beleidigend geworden.

"Du hast größere Brüste als deine Frau", soll er einem Spieler gesagt haben. Die Wortwahl bestätigte Hyballa später der "SZ". Die Situation eskalierte. Es gab einen offenen Brief. Nach vier Spielen kündigte Hyballa in Esbjerg - und beklagte eine Hetzjagd und Rufmord. 

Die Meinungen über solche Episoden dürften auseinandergehen wie Umfragen im Wahlkampf. Wer in Fußballkabinen ein- und ausgeht, wird schon Schlimmeres gehört haben. Doch der Sport erlebte in den vergangenen Jahren auch eine Akademisierung, da wirken solchen Beschimpfungen aus der Zeit gefallen. Vor allem wenn man als öffentliche Person eine Vorbildfunktion hat.

Hyballa als Zuflüsterer von Löw

Vorbilder hat Hyballa selbst auch. Er nennt Ottmar Hitzfeld - wegen dessen Coolness. Auf den ersten - und vielleicht auch zweiten und dritten – Blick haben die beiden so viel gemein wie Arnold Schwarzenegger und Joachim Löw.

Mit dem ehemaligen Bundestrainer verbindet Hyballa seine ganz eigene Geschichte. Der Spruch "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi", den Löw Mario Götze vor dessen Einwechslung und Siegtor im WM-Finale 2014 zuflüsterte, stammt demnach ursprünglich von Hyballa.

Der hatte Götze in der Dortmunder Jugend trainiert. Bei Löw landete der Motivationstipp über den gemeinsamen Bekannten Claus-Peter Niem, einen Buchautor und Coaching-Experten. Ob die Geschichte so stimmt, müsste Löw aufklären.

Bei Türkgücü hat Hyballa nun mit weniger talentierten Spielern als Götze zu tun. Aber er ist überzeugt, man habe sehr gute Einzelspieler, "jetzt müssen wir auch sehen, dass es insgesamt 'ne Mannschaft wird, die oben angreifen kann".

An der Intensität, um dieses Ziel zu erreichen, wird es jedenfalls nicht mangeln.

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