Erfolgself: Manchester United hat als erstes Premier-League-Team vier Ligasp... - Bildquelle: Getty ImagesErfolgself: Manchester United hat als erstes Premier-League-Team vier Ligaspiele nacheinander mit drei Toren Vorsprung gewonnen © Getty Images

Manchester/München - Paul Pogba nimmt derzeit bei Manchester United einen Logenplatz ein. Und das weiß der französische Weltmeister auch zu schätzen.

"Man kann ihnen nur applaudieren, es ist einfach wunderschön, sie lassen mich das Spiel jederzeit genießen", lobt der Mittelfeldmotor von Manchester United die junge und hungrige Offensivfraktion des englischen Rekordmeisters.

Dabei hat Pogba keineswegs die Zeit, seinen stürmenden und drängenden Teamkollegen während der Partien Beifall zu geben. Denn der verletzungsgeplagte 105-Millionen-Euro-Einkauf ist selbst längst wieder ein wichtiger Teil des derzeit besten Teams der Premier League.

An den fünf nach der Zwangspause komplett ausgetragenen Spieltagen sammelten die "Red Devils" 13 Punkte.

Beste Ausbeute an ersten fünf Spieltagen nach Restart

Und an dieser Ausbeute ist so einiges bemerkenswert. Denn im Vergleichszeitraum füllte keine andere Mannschaft ihr Konto so rasant.

Zudem gewann United nach einem 1:1 gegen Tottenham Hotspur vier Spiele nacheinander mit drei Toren Unterschied, was zuvor noch kein Team in 28 Jahren Premier League geschafft hatte.

Die Bilanz: 3:0 gegen Sheffield United, 3:0 bei Brighton & Hove, 5:2 gegen AFC Bournemouth, 3:0 bei Aston Villa.

United setzt auf "never change a winning team"

Und angesichts der Terminhatz in Corona-Zeiten kaum zu glauben: Diese vier Erfolge binnen 15 Tagen wurden mit exakt derselben Startelf herausgeschossen. Vier Dreier nacheinander mit derselben Startformation gelangen dem ruhmreichen Klub zuletzt vor 14 Jahren.

Aber eben unter ganz anderen Voraussetzungen.

Die aktuelle Erfolgswelle reitet eine Elf, die nicht nur Pogba immense Freude bereitet. Sondern wohl alle, die es mit Manchester United halten, nach vergleichsweise düsteren Jahren wieder von nahenden goldenen Zeiten träumen lässt.

Sechs Stammspieler sind 25 und jünger

Nemanja Matic, der seinen Vertrag erst vor wenigen Tagen bis 2023 verlängerte, ist mit 31 Jahren der mit Abstand älteste Feldspieler der Startelf.

Dafür haben sechs der Stammspieler ihr 26. Lebensjahr noch nicht beendet: Luke Shaw (24), Aaron Wan-Bissaka (22) sowie das von Pogba so gepriesene Offensiv-Quartett mit Bruno Fernandes (25), Marcus Rashford (22), Mason Greenwood (18) und Anthony Martial (24).

Sie alle füllen die Hoffnung auf die baldige Rückkehr zu Großtaten, wie sie in Old Trafford in der Ära von Sir Alex Ferguson beinahe schon Normalität waren, mit Leben.

Wobei natürlich das Küken im mit einem Durchschnittsalter von 25,3 Jahren jüngsten Kader der Liga besonders hervorsticht. Greenwood spielt seine erste komplette Profisaison und erinnert bereits an einige der Größten der jüngeren Vergangenheit.

Greenwood hat schon jetzt Rooneys Rekord eingestellt

Dank seines Treffers beim jüngsten 3:0 bei Aston Villa stellte der "teenaged sniper" einen Rekord von Wayne Rooney ein. Nur diese beiden erzielten als 18-Jährige neun Premier-League-Tore in einer Saison. Greenwood bleiben sogar noch vier Partien, um sich den alleinigen Bestwert zu sichern.

Die Herzen der Fans hat das Eigengewächs bereits erobert. Bester Beweis: Nach seinem ersten von mittlerweile 16 Saisontreffern für die Profis war schon ein Song für ihn gedichtet.

Zur Melodie von David Bowies "Starman" erschallte aus Tausenden Kehlen: "Ma-son Green-wood's dynamite. He scores them with his left foot and he scores him with his right."

Solskjaer kann sich Greenwood im Nationalteam vorstellen

Zu Kopf gestiegen ist dem aus Bradford stammenden und bei United ausgebildeten Youngster, der als Vierjähriger einen Model-Contest gewann, dieser rasche Ruhm aber offenbar keineswegs.

Deshalb scheut sich der zwischenzeitlich arg in die Kritik geratene Teammanager Ole Gunnar Solskjaer auch nicht, sein größtes Juwel sogar für die Nationalmannschaft anzupreisen: "Wenn du dich bei United durchsetzt, kannst du in jedem Team spielen. Mason hat Qualitäten, die sonst kaum jemand besitzt."

"Mason ist ein geborener Vollstrecker"

Für den Norweger steht fest: "Mason ist ein geborener Vollstrecker, er wird immer seine Tore machen."

Aber natürlich ist der Flügelstürmer, der auf seinem Instagram-Account ein Foto von sich als Knirps mit Zahnlücke den Henkelpott in den Händen haltend präsentiert, nur einer von vielen Vätern des Aufschwungs.

Als Volltreffer muss zweifelsohne Bruno Fernandes bezeichnet werden. Der Portugiese kam im Winter für 55 Millionen Euro von Sporting Lissabon nach Manchester. Die Ablöse könnte durch Boni noch auf 80 Millionen Euro anwachsen. Aber selbst diese Summe scheint im nach wie vor überhitzten Fußballbusiness nicht zu hoch gegriffen zu sein.

Denn der hinter dem Dreier-Sturm wirbelnde Antreiber steht nach seinen ersten zehn Premier-League-Spielen schon bei 13 Torbeteiligungen. Einen solch fulminanten Start legte vor ihm nur Coventrys Micky Quinn in der ersten Saison der Spielklasse 1992/1993 hin.

Fernandes und das Schauspieltalent

Kleiner Schönheitsfehler für Fernandes: Er hat sich in England bereits den Ruf erworben, in Strafräumen an Fallsucht zu leiden. So wurde Fernandes beim 1:1 gegen die Spurs vom VAR als Schauspieler entlarvt. Und auch der von ihm herausgeholte Strafstoß zum 1:0 gegen Villa rief bei Beobachtern Kritik hervor.

Es war bereits der 13. Elfmeter in dieser Premier-League-Saison für das Solskjaer-Team. Mehr bekam noch kein Klub in der Ligageschichte binnen einer Spielzeit zugesprochen. Auch hier winkt also ein neuer Höchstwert - wenn auch angesichts der Nebengeräusche vielleicht nicht der erstrebenswerteste.

Zu Weihnachten lag United auf Platz acht

Manchester United ist also dabei, Historisches zu schaffen. In einer Saison, die schon früh verkorkst schien. Anfang November stand der stolze Klub aus der Arbeiterstadt nur auf Platz zehn, zu Weihnachten waren die "Red Devils" gerade mal Achter.

Doch im neuen Jahr drehte nicht nur Solskjaer an den richtigen Schrauben. Seit Ende Januar, einem unsäglichen 0:2 gegen den FC Burnley, ist das Team ungeschlagen. In 17 Pflichtspielen, zehn davon in der Premier League. In diesen Ligapartien schluckte United nur vier Gegentore, bezwang Manchester City oder den FC Chelsea.

Am letzten Spieltag mögliches Endspiel gegen Leicester City

Der Trend spricht klar für Rot. Als Tabellenfünfter betrug der Rückstand auf den letzten Champions-League-Platz, den Leicester City einnimmt, vor dem 35. Spieltag nur noch einen Punkt und sechs Tore. Am finalen Spieltag könnte es zu einem echten Endspiel gegen die "Foxes" kommen.

Aber auch die "Blues" als Dritter waren zu Beginn des Wochenendes nur zwei Zähler voraus. Das Restprogramm von United hat mit dem FC Southampton zum Abschluss des 35. Spieltags (Mo., ab 21 Uhr im Liveticker auf ran.de), Crystal Palace und West Ham United vor dem Showdown lösbare, um nicht zu sagen Pflicht-, Aufgaben parat.

United hat aber auch noch ein zweites heißes Eisen im Feuer. In der Europa League gilt das Team bei einigen Buchmachern mittlerweile als Favorit auf den Titel.

Auch dieser Weg kann bekanntlich in die "Königsklasse" führen. Manchester United beschritt ihn schon nach dem EL-Triumph 2016/2017.

Im FA Cup geht es gegen Lieblingsgegner FC Chelsea

Ganz nebenbei winkt auch noch die Chance auf den ersten nationalen Titel seit drei Jahren. Im FA Cup wartet im Halbfinale der FC Chelsea, quasi ein Lieblingsgegner. In der Liga holte United gegen die "Blues" sechs Punkte bei imposanten 6:0 Toren.

Ein Triumph im ältesten Wettbewerb der Fußballgeschichte würde die Einstellung des Rekords vom FC Arsenal bedeuten, der die Trophäe 13 mal gewonnen hat und im zweiten Semifinale Manchester City empfängt.

Pogbas Ziel nicht mehr erreichbar

Für Pogba wäre auch das aber nur ein Trostpreis, wie er jüngst unmissverständlich erklärte: "Wir können nicht mehr Meister werden und das ist das Ziel. Wir haben noch nichts gewonnen in diesem Jahr, also müssen wir offensichtlich weiter daran arbeiten - es gibt noch viel zu tun."

Sein Job hat ihm aber offenbar selten so viel Freude bereitet wie derzeit. Da wird die Terminhatz sogar zum Geschenk. Denn so darf der wuchtige Mittelfeldchef das Zusammenspiel mit seinen Teamkollegen in besonders kurzen Abständen genießen.

 

Marcus Giebel

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